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Asien

Von Swat nach Südwaziristan?

Rund 1300 Extremisten sind nach pakistanischen Regierungsangaben im Swat-Tal bereits getötet worden - aber diese Angaben sind nicht nachprüfbar. Jetzt bereitet die Armee offenbar eine neue Großoffensive vor.

Pakistanischer Armeesoldat im Swat-Tal (Foto: AP)

Pakistanischer Armeesoldat im Swat-Tal

Die Offensive rund um das Swat-Tal im Nordwesten des Landes sei so gut wie beendet, hatte Pakistans Verteidigungsminister Ahmed Mukhtar zum Wochenende verkündet. Die Flüchtlinge hat er aufgefordert, nach Hause zurückzukehren. Dabei schlagen die Vertreter des pakistanischen Militärs in der Kampfzone deutlich vorsichtigere Töne an. Generalmajor Sajjad Ghani leitet die Operationen im nördlichen Swat-Tal. Dort gibt es nach wie vor regelmäßig Attacken und Gefechte. "Ich würde sagen, dass wir die hohe Intensität der Offensive noch für eine Woche, vielleicht für 10 Tage, aufrecht erhalten müssen." Danach sei diese Region gesichert, so Ghani weiter. Allerdings bedeute das noch nicht, dass alle Extremisten tot seien.

Armee-Patrouille in Pakistan (Foto: AP)

Armee-Patrouille in Pakistan

Der Gegner ohne Gesicht

Nach Angaben der Armee, die nicht überprüfbar sind, haben die Regierungstruppen während der rund zweimonatigen Offensive im Nordwesten Pakistans mehr als 1300 Extremisten getötet. Aber wichtige lokale Taliban-Führer wie Mullah Fazlullah aus dem besonders heftig umkämpften Swat-Tal sind abgetaucht. Für die Armee ist das ein grundsätzliches Dilemma, klagt Generalmajor Sajjad Ghani.. "Dieser Gegner hat kein Gesicht. Mal ist ein Mann ein bewaffneter Terrorist. Dann legt er seine Kleidung ab, vergräbt seine Waffe und sieht wie jeder andere auf der Straße aus."

Ein Vater mit seinem Kind in einem Flüchtlingscamp bei Peshawar (Foto: AP)

Ein Vater mit seinem Kind in einem Flüchtlingscamp bei Peshawar

In diesem Guerillakrieg ohne klare Fronten fällt es dem Militär schwer, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Sicher geglaubte Gebiete können sich über Nacht wieder in Feindesland verwandeln, solange die Taliban eine gesellschaftliche Realität in Pakistan sind. Deshalb werden viele tausend Soldaten auf Dauer im Nordwesten gebunden sein. Trotzdem haben Regierung und Armee eine zweite Großoffensive angekündigt. Regierungstruppen rücken jetzt zum ersten Mal gezielt nach Südwaziristan vor. Massive Luftangriffe sollen den Einheiten offenbar wie zuvor schon in der Region Swat den Weg bereiten.

Neue Front Südwaziristan

Südwaziristan gehört zu den paschtunischen Stammesgebieten an der pakistanisch-afghanischen Grenze. Hier hat Baitullah Mehsud, der als Anführer der pakistanischen Taliban gilt, sein Hauptquartier. "Wenn wir ihn sehen, werden wir Baitullah töten", gibt der pakistanische Verteidigungsminister den deutlichen Marschbefehl für die Truppen vor. Der US-Geheimdienst CIA vermutet außerdem auch Al-Kaida-Chef Osama bin Laden und hochrangige Anführer der afghanischen Taliban in diesem Gebiet. Analysten gehen deshalb davon aus, dass der pakistanischen Armee die härteste Schlacht gegen die radikalen Islamisten noch bevorsteht.

Rückkehr ungewiss

Mädchen im Flüchtlingscamp Lahore (Foto: AP)

Und wie zuvor schon in der nordwestlichen Grenzprovinz machen sich jetzt auch in den südlichen Stammesgebieten viele tausend Menschen auf die Flucht. Es ist eine Flucht ins Ungewisse - mit vielen offenen Fragen. Und Wünschen. "Ich will hundertprozentig nach Hause zurück. Wenn der Frieden hält. Aber wir wissen doch gar nicht, was zu Hause los ist." So beschreibt ein junger Mann aus dem Swat-Tal die Situation. Er lebt seit fast zwei Monaten in einem der völlig überfüllten Lager für Binnenflüchtlinge, wartet dort auf Antworten, die ihm derzeit niemand geben kann. "Wir sind einfach nur verwirrt. Wir sind wütend. Und wir fragen uns, wann und wo diese Offensive stoppen wird?“

Autorin: Sandra Petersmann
Redaktion: Esther Broders