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Politik

Von Stake-Out, Kick-Off und Doorstep-Terminen

Journalisten haben es in Berlin nicht leicht; Kaffeeverkäuferinnen übrigens auch nicht. DW-Korrespondentin Bettina Marx erläutert.

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Pressekonferenzen sind "out" in Berlin. Statt dessen gibt es nach den Gesprächen der Politiker für die Öffentlichkeit ein "Stake-Out" oder ein "Photo-Op", kurze Pressetermine, bei denen ein zwei Fragen gestellt werden können oder auch Fotos gemacht werden dürfen. Es gibt "Kick-Off-Veranstaltungen" - die früher Auftaktveranstaltungen hießen und es gibt "Door-Step"-Termine, kurze Begegnungen mit der Presse, die sozusagen im Hauseingang des Ministeriums stattfinden.

Nachfragen nicht erwünscht in dieser schönen neuen Welt der "mass media". Das macht aber nichts, denn ein "Stake-out" reicht eigentlich aus für die "Soundbites", die ein Journalist von Welt benötigt, zumal er weitere "Background"-Informationen zu den täglichen "Events" in den "Newslettern" der Unternehmer findet - die sich Gott sei Dank noch nicht "Undertaker" nennen. Dafür überschreibt die FDP ihren Bundestagsantrag zur auswärtigen Kulturpolitik mit dem Titel "Private-Public-Partnership" - was wiederum deutlich macht, dass auch für die inländische Kulturpolitik noch einiges zu tun wäre.

Doch wir wollen nicht meckern. Denn immerhin können wir uns in Berlin so richtig wie Weltenbürger fühlen. Die Stadt gibt sich international und ist dabei sogar kreativ. Im Bahnhof Friedrich-Straße können wir z.B. "Coffee on rolls" trinken - was wohl Kaffee auf Rädern heißen soll, aber in Wirklichkeit Kaffee auf Brötchen heißt. Im Regierungsviertel wird für betuchte Wohnungssuchende gerade das "Kronprinzen-Living" gebaut und am Brandenburger Tor kann man im neuen "Jacob´s Coffee-Shop" "Iced Coffee", "Decaf" oder "Half Fat" trinken und zwar in den Bechergrößen "large", "medium" und "small". Hinderlich ist dabei nur, dass die freundliche Verkäuferin kein Englisch kann. Da kapituliert dann die Weltstadt vor der normativen Kraft des Faktischen.