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Asien

Von Riesen und Winzlingen

Bei den Klimaverhandlungen in Bonn kamen Partnerstaaten zusammen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Wirtschaftliche Riesen wie China und Indien trafen auf globale Winzlinge wie Tonga oder Tuvalu.

Weggeschwemmte Nikobaren-Insel (Foto: AP)

Eine unbewohnte Insel der Nikobaren im Indischen Ozean wird Opfer der Meeresfluten

Ein Blick auf die Teilnehmerliste der UN-Klimaverhandlungen in Bonn verrät schnell, wie stark jeder Mitgliedsstaat bei den Gesprächen vertreten ist. Da gibt es Samoa mit drei Delegierten. Oder China, das gleich acht Mal so viele Abgesandte nach Bonn geschickt hat. Es ist kaum verwunderlich, dass Schwergewichte wie Russland, Brasilien oder eben China in der äußeren Wahrnehmung neben den reichen Industrieländern die Verhandlungen dominieren. Dabei haben gerade die kleinen und kleinsten Inselstaaten das größte Interesse am Klimaschutz. Denn sie leiden schon heute massiv unter den Folgen der Erderwärmung. Weil der Meeresspiegel steigt, verlieren die Bewohner der teilweise nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegenden Inseln ihre Lebensgrundlage. Die Salomonen etwa, ein Inselstaat im Südpazifik, müssen schon erste Umsiedlungspläne für die eigene Bevölkerung schmieden.

Verwüstetes Ufer auf den Salomonen (Foto: AP)

Die Bewohner der Salomonen müssen in Zukunft öfter mit Überschwemmungen rechnen

Fehlende Zugeständnisse

Trotz der massiven Probleme des Pazifikstaats durch den Klimawandel gab es bei den am Freitag (14.08.2009) zu Ende gegangenen Verhandlungen in Bonn jedoch noch keinen Durchbruch. Das liegt vor allem an fehlenden Zugeständnissen der Industrieländer. Geht es nach den wirtschaftlich schwächeren Staaten, sollen die reichen Verhandlungspartner ihre klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent verringern, im Vergleich zum Stand von 1990. Auch fordern die Staaten des Südens mehr finanzielle und technologische Hilfe, um sich besser auf die Folgen des Klimawandels einstellen zu können. Bisher zeigen diese Aufrufe jedoch kaum Wirkung.

Nur gemeinsam ist man stark

Wüste in China (Foto: AP)

Das andere Extrem: Wüstenbildung in China

Die Delegierten der Industriestaaten hören nicht immer so genau hin, das zeigt die bisherige Erfahrung der Entwicklungsländer. Diese haben sich auf einer vorangegangenen Verhandlungsrunde in Bonn zu einem Bündnis von 37 Staaten zusammengeschlossen, um ihre Anliegen deutlicher zur Sprache zu bringen. Dazu gehörten auch mächtige Schwellenländer wie Brasilien, China und Indien. Gemeinsam forderten sie die reichen Staaten dazu auf, ihre Emissionen um 40 Prozent zu senken. Eine Reaktion darauf gab es nicht. Um sich dennoch Gehör zu verschaffen, haben die Entwicklungs- und Schwellenländer weitere Bündnisse geschmiedet, etwa die "Allianz der kleinen Inselstaaten" mit 41 Mitgliedern oder die G-77-Gruppe mit China als größte Allianz der Entwicklungsländer in den Vereinten Nationen. Auf eigenen Sitzungen stimmen sie auch bei den Klimagesprächen in Bonn ihre Positionen ab. Dort fühlen sich kleine Partner wie die Salomonen ernster genommen als zwischen den Großmächten im Plenum, sagt ihr Delegierter Rence Sore. Er hält diese Kooperationen für sehr wichtig, weil die Salomonen alleine nichts erreichen könnten. "Wir sind auf größere Bündnisse und die Zusammenarbeit mit anderen Staaten angewiesen", das ist dem Delegierten klar.

Über den eigenen Tellerrand schauen

Smog über Hongkong (Foto: dpa)

Smog über Hongkong

Noch sind die Differenzen groß zwischen den Industrienationen und den Entwicklungsländern. Der indische Abgesandte Shyam Saran hofft noch auf einen Durchbruch bis zu den entscheidenden Verhandlungen Ende des Jahres in Kopenhagen. Doch um eine Einigung zu erreichen, dürften sich die Delegierten nicht zu sehr auf die Interessen des eigenen Landes konzentrieren, sagt Saran.

Dabei spart der indische Verhandlungsführer freilich aus, dass die Industrieländer genau dasselbe über China und Indien denken. Die mächtigen Schwellenländer Asiens müssten ebenfalls Beiträge zum Klimaschutz leisten, so die Forderung. Es hängt also mal wieder vor allem von den großen Wirtschaftsmächten ab, ob die Gespräche erfolgreich sind. Das nächste Treffen nach den Verhandlungen in Bonn findet übrigens im thailändischen Bangkok statt. Dort haben die Entwicklungsländer wenigstens eins: einen Heimvorteil.

Autor: Moritz Schröder

Redaktion: Thomas Latschan

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