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Wirtschaft

Von "Made in China" zu "Made in Germany"

Sany kauft Putzmeister, Weichai beteiligt sich an Kion: zwei chinesische Großinvestitionen in diesem Jahr. Weitere Firmen sind auf dem Sprung. Was zieht sie nach Deutschland?

Die deutsche und die chinesische Nationalflagge (Foto: dapd)

Flaggen von Deutschland und der Volksrepublik China

Wenn jemand 8000 Kilometer Entfernung überwindet, sich einer völlig fremden Kultur aussetzt und dabei noch Millionen von Euro riskiert, dann muss er einen triftigen Grund haben. Fragt man die chinesischen Unternehmer auf dem Business and Investors Forum China 2012, das vor kurzem in Köln stattfand, dann lautet die Antwort unisono: "Es ist die Technologie" - das Hauptmerkmal von "Made in Germany". "Das ist eine tolle Marke", sagt Jiang Xiangyang, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sany Heavy Industrie. "Sie hört sich nicht nur gut an, sondern enthält echte Werte: erstklassige Forschung und Entwicklung sowie einen Top-Kundenservice." Das alles fehle der Marke "Made in China" im Moment noch, sagt Jiang gegenüber der DW.

Werkbank der Welt reicht China nicht mehr

Frau Petra Wassner, Geschäftsführerin der NRW.Invest GmbH, umrahmt von zwei chinesischen Unternehmern (Foto: DW)

Petra Wassner umrahmt von chinesischen Unternehmern

Als Werkbank der Welt ist China größter Hersteller und Exporteur rund um den Globus geworden. Doch damit geben sich die Chinesen nicht mehr zufrieden. Sie investieren in Schlüsselindustrien und wollen die Lücke zur Weltspitze so schnell wie möglich schließen. Dennoch haftet "Made in China" etwas Billiges, ja gar Verruchtes an, denkt man an die vielen chinesischen Plagiate. Petra Wassner, Geschäftsführerin der NRW.Invest, die sich um die Ansiedlung ausländischer Investoren in Nordrhein-Westfalen bemüht, ist der Meinung, dass die Wertigkeit chinesischer Produkte hier noch nicht so anerkannt ist wie sie sein könnte oder sogar sein sollte: "Von daher ist es sehr wichtig, dass auch China seine Produkte, die hochwertig sind, hier in Europa platziert." Es gebe gute Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit, sagt Wassner gegenüber der DW: "Huawei zum Beispiel im IT-Bereich versucht sich als Marke zu etablieren und wird mittlerweile anerkannt. Der Computerhersteller Lenovo ebenfalls."

Ein andere Beispiel ist der Baumaschinenhersteller Sany. Ende der 1980er Jahre als Garagenfirma angefangen, machte sich das Privatunternehmen aus Südchina zunächst im eigenen Land, dann in Lateinamerika und seit einiger Zeit auch in Europa einen Namen. Vor gut einem Jahr wurde die Europa-Zentrale von Sany in Bedburg bei Köln eingeweiht. 100 Millionen Euro ließen sich die Chinesen das Ganze kosten. Weitere 360 Millionen wurden Anfang des Jahres auf den Tisch gelegt, als das deutsche Traditionsunternehmen Putzmeister, Weltmarktführer bei Betonmaschinen- und pumpen, zum Verkauf stand. "So etwas kann man nicht anstreben, denn es ist nicht planbar", sagt Sany-Manager Jiang. "Für uns war Putzmeister von Anfang an das große Vorbild. Nun haben wir eine gewisse Größe erreicht, und Putzmeister war auf einmal zu haben. Solch eine Chance darf man sich nicht entgehen lassen", so Jiang weiter.

Eine schnelle Bindung

Das Logo des Betonpumpenherstellers Putzmeister (Foto: picture-alliance/dpa)

Putzmeister ist Weltmeister in Sachen Betonpumpen

Zehn Tage dauerte das Ganze - von der Ankunft der Sany-Vertreter im baden-württembergischen Aichtal bis zur kompletten Übernahme. Da über die Hälfte der in China verkauften Betonpumpen von Sany hergestellt wird und 40 Prozent der außerhalb Chinas abgesetzten Betonpumpen aus Aichtal stammen, bilden nun beide zusammen ein unschlagbares Weltmeister-Team. Durch die Muttergesellschaft mit einem komfortablen Finanzpolster ausgestattet, schluckte Putzmeister vor kurzem den Fahrmischer-Hersteller Intermix und erweiterte seine Produktlinie. Umgekehrt freut sich Sany über den hohen Wert der Marke "Made in Germany": "Dieser Wert besteht vor allem im Vertrauen, das Kunden weltweit seit Jahrzehnten Putzmeister schenken. Diese Marke haben wir erworben und damit auch den globalen Markt", sagt Jiang Xiangyang, der seit vier Monaten in Aichtal lebt und die Kontakte zum Mutterkonzern koordiniert.

Unterschiedliche Wege der chinesischen Investoren

So versuchen chinesische Unternehmen, den Weg zur Weltspitze zu verkürzen. Die ersten Investoren aus dem Fernost kamen bereits Ende des letzten Jahrhunderts. Meist gründeten sie eine Handelsniederlassung, um ihre Produkte "Made in China" zu vertreiben. Es folgten Unternehmen, die hier produzieren, um vom deutschen Know-how zu profitieren. Seit drei, vier Jahren greifen sie auch bei Übernahmeangeboten beherzt zu. Denn während manche Mittelständler hierzulande durch die Finanz- und Wirtschaftskrise ins Straucheln kommen, schwimmen die chinesischen Unternehmen im Geld. Das bestätigt auch Petra Wassner von NRW.Invest: "Einmal hat der chinesische Staat große Devisenreserven und auch die privaten Unternehmen in China verfügen über ein gutes Kapitalpolster, so dass sie jetzt auch in der Lage sind, Firmen zu kaufen und diesen Firmen auch eine gute Perspektive zu bieten."

Plakat Business and Investors Forum China 2012 (Foto: DW)

Das Business and Investors Forum China 2012 fand im Gürzenich in Köln statt

Wertschöpfung und Arbeitsplätze bleiben so in Deutschland. Zusätzlich hätten chinesische Investoren seit 2004 allein in Nordrhein-Westfalen rund 8000 Arbeitsplätze geschaffen, berichtet Wassner. 750 chinesische Firmen haben sich im bevölkerungsreichsten Bundesland angesiedelt, das sind rund drei Viertel aller chinesischen Investoren. Daran hat auch NRW.Invest ihren Anteil. Die von der Landesregierung betriebene Gesellschaft hat in China drei Büros und bietet interessierten Chinesen einen kostenlosen Service. Für Wassner liegen die Vorteile von NRW auf der Hand: "Erst mal die zentrale Lage in Europa, dann die perfekte Infrastruktur. Für Logistik finden Sie hier ideale Voraussetzungen." Ausgeprägte Wirtschaftsstrukturen biete NRW. Sie zählt auf: "Unsere chemische Industrie, der Maschinenbau, unsere Autozulieferstruktur, und nicht zu vergessen die erneuerbaren Energien."

Es werden noch mehr Chinesen kommen

Das sind genau die Industrien, die die Zentralregierung in Peking als Schlüssel für die Zukunft des Landes identifiziert hat. Von daher steht der Zustrom chinesischer Investoren nach Deutschland erst am Anfang, darin sind sich die Teilnehmer des Business and Investors Forum China 2012 einig.

Auch wenn es noch eine ganze Weile dauern wird, bis aus "Made in China" eine ähnlich klangvolle Marke wie "Made in Germany" wird, zeigt auch hier die Globalisierung ihre Wirkung. Während immer mehr Chinesen in Deutschland mit einem hohen Prozentsatz an deutschen Einzelzeilen produzieren, sinkt der Anteil deutscher Komponenten bei den deutschen Unternehmen, die ihre Produktion nach China verlagert haben. Es wird sich die Frage stellen, wann für chinesische Unternehmen "Made in China" aufhört und wann "Made in Germany" beginnt.

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