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Alltagsdeutsch – Podcast

Von Männern und Machos

Der Mann wird als die Krönung der Schöpfung bezeichnet. Aber durch die Emanzipation ist das Bild des starken Geschlechts ins Wanken geraten. Doch so einfach lässt sich der Macho nicht verdrängen.

Erzählerin, Gedichtauszug:

"Du weltgepriesenes Geschlechte, du in dich selbst verliebte Schar, prahlst allzu sehr mit deinem Rechte, das Adams erster Vorzug war ..."

Erzähler:

"Der Mann ist irgendwo im Niemandsland zwischen Affe und Mensch stehen geblieben, er ist ein reaktionsloser Klotz, unfähig, Freude und Glück zu geben und zu empfangen, eine Maschine, ein Gummipeter auf zwei Beinen, von Schuld und Schamgefühlen, Angst und Unsicherheit aufgefressen, gleichwohl andauernd aufs Vögeln aus ..."

Sprecherin:

Wahrhaftig harte Zeiten für die Krönung der Schöpfung. Im Geschlechterkampf steht das Ego von Mackern, Machos und Maulhelden unter Dauerbeschuss. Bis in die letzten männlichen Bastionen sind die Frauen im Zuge der Emanzipation vorgedrungen. Selbst bei Polizei und Bundeswehr hat das starke Geschlecht heute nicht mehr seine Ruhe. Und sogar in deutschen Führungsetagen soll schon das eine oder andere weibliche Wesen gesichtet worden sein. Doch damit nicht genug: In einer wahren Flut von Veröffentlichungen mit wenig schmeichelhaften Titeln stellten umstürzlerische Soziologen und Psychologen gar die Männlichkeit an sich in Frage:

Erzähler/in:

"Entwicklungsland Mann" / "Der verwundete Mann" / "Abschied von der Männlichkeit" / "Der Untergang des Mannes."

Sprecherin:

Aus dem ehemaligen Weltenlenker und Religionsstifter wurde in der Literatur ein von der Evolution überholtes emotionales Sparschwein:

Erzählerin:

"Sie sind ständig beleidigt, gekränkt oder zornig. Sie fühlen sich immer herabgesetzt. Unter sich sind sie hilflos. Sie verfallen in hysterische Zustände. Glotzäugig und heiser starren sie Kellnerinnen nach und brüllen einander an. Sie sind oftmals sehr unausgeglichen. Es muss schwierig sein, als Person dieser Art durchs Leben zu gehen."

Sprecher:

"Mann, Mann, Mann!" – ein wahrhaftig vernichtendes Urteil über das starke Geschlecht. Mit der Redensart "Mann, Mann, Mann" wird in der Regel missbilligende Verwunderung ausgedrückt. Ähnliches gilt für die Redensarten "Mannomann" und "Mannometer". Letztere entstand aus dem französischen Begriff "manomètre", einem Druckmesser für Gase und Flüssigkeiten.

Sprecherin:

Kein Wunder, dass die Wertvorstellungen der meisten Männer im Trommelfeuer der Kritik ins Wanken gerieten. Die Suche nach neuen und verlässlichen Identitätsmustern hat viele verunsichert. Bei mehr als einem Drittel der deutschen Männer herrscht Orientierungs- und Ratlosigkeit:

Sprecherin:

Dabei war doch alles über Jahrhunderte so einfach gewesen. Auch in Deutschland war die Rollenverteilung bis zum Ende der fünfziger Jahre eindeutig: Während die Frau die Kinder hütete, betätigte sich der Mann als mehr oder weniger ruhmreicher Eroberer der Welt:

Erzähler:

"Der Mann muss hinaus ins feindliche Leben, muss wirken und streben und pflanzen und schaffen, erlisten, erraffen, muss wetten und wagen, das Glück zu erjagen."

Sprecher:

Berge besteigen und Unbekanntes erforschen – schon beim deutschen Dichter Friedrich Schiller waren Männer Entdecker, Religionsstifter, Heilige oder Philosophen. Mit Stärke, Ausdauer, Willenskraft, Risikobereitschaft und Heldentum erreichten sie ihre Ziele und gewannen so Freiheit und Unabhängigkeit. Dann, zurück in der Heimat, machte der ganze Mann sich auf die Jagd nach den Frauen:

Sprecherin:

Herzensbrecher, Abenteurer, Familienoberhaupt: Dieses traditionelle Männerbild zeigt sich auch in vielen zum Teil noch heute gebräuchlichen Redensarten. Ängstliche oder weinende kleine Jungen werden zum Beispiel noch immer mit der Redewendung: "Sei ein Mann" zur Ordnung gerufen. Eine junge Frau erklärt ihre Bedeutung:

Frau:

"Sei stark, sei mutig, wehr dich, sei machtvoll, benimm dich nicht wie ein Weichei oder ein Warmduscher."

Sprecher:

Die Bezeichnungen "Weichei" und "Warmduscher" entstammen der Jugendsprache und sollen ausdrücken, dass es einer Person an der notwendigen Härte fehlt. "Weicheier" und "Warmduscher" sind verwöhnt, bequem und möglicherweise feige, sie sind nicht Manns genug, bestimmte Dinge zu tun. Es mangelt ihnen an Stärke, Tapferkeit und Mut. Die Redensart "Manns genug sein" kann sich übrigens nicht nur auf Männer, sondern auch auf Frauen beziehen. Ähnliches gilt auch für die Redewendung "seinen Mann stehen". Erklärungen:

Befragte Frauen:

"Das bedeutet, bestimmte Kriterien, die 'nen Mann ausmachen, zu erfüllen. Zum Beispiel stark zu sein, alles im Griff zu haben. / Für 'ne Sache Verantwortung übernehmen; mit ‚seinen Mann stehen' verbinde ich auch, Courage zu haben. Also couragiert an eine Sache heran zu gehen."

Sprecherin:

Wer also seinen Mann steht, der erfüllt die Aufgaben, die ihm als Mann zufallen; er stellt sich seiner Aufgabe gewissenhaft und couragiert. Das Wort "Courage" entstammt dem Französischen und bedeutet Mut. Übrigens kann auch eine Frau couragiert ihren Mann stehen. Dabei handelt es sich in der Regel um eine Frau, die erfolgreich in einem traditionellen Männerberuf arbeitet. Ein erfolgreicher Mann wird oft auch als "gemachter Mann" bezeichnet:

Befragte Personen:

"Da stehen auch bestimmte Eigenschaften wieder hinter, die man 'nem Mann zuschreibt. Also 'n gemachter Mann bedeutet ja eigentlich, wenn man alles geschafft hat, was man sich vorstellt, also wenn man gesettelt ist, sprich: 'n Haus gebaut hat und 'ne gute Karriere gemacht hat, dann ist man 'n gemachter Mann. Das hat auch seinen Ursprung in dem Denken, 'n Mann baut 'n Haus, 'n Mann pflanzt 'n Baum, und 'n Mann zeugt 'n Kind und hat noch Erfolg im Beruf, und dann ist man 'n gemachter Mann. / 'N gemachter Mann ist der, der 'ne Firma hat, 'n guten Wagen fährt und 'ne funktionierende Familie hat."

Sprecher:

Ein gemachter Mann ist "gesettelt". Unsere Interviewpartnerin nutzt in ihrer Erklärung einen der vielen Anglizismen in der deutschen Sprache. Ursprung ist in diesem Fall der englische Begriff "settle down", sich niederlassen, oder – im übertragenen Sinne – in der Gesellschaft einrichten, beständig werden. Ein gemachter Mann erfüllt also die Erwartungen der Gesellschaft an sein Geschlecht. Wer dagegen den wilden Mann markiert, der will ...

Befragte Personen:

"... Einschüchtern und Aufmerksamkeit erzielen, Aggression ausleben, Macht demonstrieren. / Ja, dat ist so 'ne Art Brunftgehabe, Imponiergehabe, 'n Weibchen aufzutreiben."

Sprecher:

Der wilde Mann war ursprünglich ein riesiger, am ganzen Körper behaarter Waldmensch in Volkssagen und Epen. Daraus entwickelte sich schließlich die Redensart "den wilden oder starken Mann markieren". Wer sich hemmungslos und kraftmeierisch gebärdet oder als Betrunkener Streit sucht, der macht den wilden Mann. Doch natürlich ist die Wildheit nur vorgetäuscht, denn in Wirklichkeit hat die Frau den Mann ja doch schon lange gezähmt. Oder etwa doch nicht?

Sprecherin:

Einkaufen, kochen und abwaschen: Glaubt man Statistiken, dann sind heute vor allem in der Mittelschicht die Männer wesentlich stärker im Haushalt eingespannt als noch in früheren Jahren. Doch nicht immer ist die Hilfe regelmäßig; oft überlassen die Männer die unangenehmen Bereiche von Haushalt und Kindererziehung ihren Frauen. Während der stolze Vater hingebungsvoll mit dem Nachwuchs spielt, bastelt oder wandert, wechselt die Frau die Windeln der lieben Kleinen. Und auch in so manch einer partnerschaftlichen Beziehung ist Waschen und Bügeln noch immer Frauensache. Und so denkt das weibliche Geschlecht beim Thema Mann noch immer nicht an Bereiche wie Küche oder Kinder. Stattdessen ganz klassische Dinge:

Befragte Frauen:

"Liebe, Herz, Schmerz, Vertrauen. / Geiler Oberkörper, dumme Sprüche. / Trinken, Fußballspielen. / Sex, Autos, Flugzeuge, Eisenbahn. / Mangelnde Kommunikationsbereitschaft./ Rumkommandieren und unterdrücken."

Sprecher:

Rund ein Viertel der deutschen Männer steht den emanzipatorischen Ansprüchen des weiblichen Geschlechts kritisch bis aggressiv gegenüber. Rumkommandieren und unterdrücken gehört hier noch immer zum Alltag. Doch auch das Ego der sogenannten Traditionalisten ist angekratzt, denn in der Gesellschaft herrscht schon lange Unsicherheit über die Frage, was den Mann denn nun eigentlich zum Mann macht:

Befragte Personen:

"Dass er männlich ist, sich nicht alles bieten lässt von den Frauen. / Anderes Denken. Männer haben in vieler Hinsicht eine andere Weltsicht. / 'N Mann zum Mann? Ach dat ist aber schwer zu sagen. / Männer sind irgendwie lockerer, Frauen können alles tot reden. Männer sehen alles lockerer. Die nehmen dat nicht so extrem. Frauen bauschen alles auf, finde ich, machen die Problematik größer, als sie ist. / Was ich so kennen gelernt habe, sind die meisten dominanter, unterdrücken einen. / Ja, die Umgebung eigentlich macht den Mann zum Mann. / Sein Ego, sein Machogehabe, würde ich sagen. / Wat macht 'n Mann zum Mann? Dat muss eigentlich jeder für sich selber wissen. Manch einer hält sich für 'n Mann, wenn er muskulös ist, kräftig ist; das ist für 'n anderen genau der absolute Horror. Gefühlsbetont, meinen manche, müssten sie sein, halte ich auch für relativ wichtig, aber andere sehen da vollkommen anders. Also, das kann man nicht so über den Kamm scheren, meine ich."

Sprecherin:

Nicht alle Männer sind gleich. Deswegen sollte auch nicht das ganze Geschlecht über einen Kamm geschoren werden. Schließlich definiert sich jeder Mann anders. Die Redensart "alles über einen Kamm scheren" entstand bereits im 16. Jahrhundert und bedeutet so viel wie "alles nach einem und demselben Schema behandeln". Die Formulierung geht vermutlich auf die Praxis der früheren öffentlichen Bäder zurück, wo der Bader für alle Kunden den gleichen Kamm benutzte.

Sprecher:

Heutzutage wäre das natürlich "der absolute Horror". Mit dieser zunächst vor allem in der Jugendsprache genutzten Formulierung werden inzwischen auch im allgemeinen Sprachgebrauch Unannehmlichkeiten aller Art bezeichnet. Dazu können übrigens auch Männer, Macker und Machos gehören. Ein Macho ist ein Mann, der sich Frauen überlegen fühlt. Die Bedeutung des Wortes ist vom spanisch-lateinamerikanischen Begriff "machismo" abgeleitet; dieser bezeichnet ein übertriebenes Männlichkeitsbewusstsein. Ursprünglich be-nannte das spanische Adjektiv "macho" jedoch lediglich das männliche Geschlecht. Doch ohnehin ist nicht für alle Frauen ein Macho alter Schule der absolute Horror:

Befragte Frau:

"Ich finde, 'n Mann muss auch 'n bisschen Macho sein. 'N Mann muss halt Mann sein, dat gehört einfach dazu, finde ich, so 'n bisschen so die Führungsrolle übernehmen so. Man muss sich darauf verlassen können, also so 'n ganzen..., so 'n Weichkäse so, der zu allem ja und Amen sagt, finde ich gar nicht gut. Ich hab' lieber so 'n bisschen so'n Mann, der so auch schon mal so 'n bisschen dagegen ist so, der mal dagegen spricht, dat braucht 'ne Frau auch irgendwie, sonst ist es ja irgendwie langweilig, wenn dat alles so hingenommen wird. Also so 'n bisschen so 'n Kontrapunkt muss da sein."

Sprecher:

Zumindest diese Frau will keinen "Weichkäse" als Mann. Ein "Weichkäse" - das ist ein "Weichei", ein "Warmduscher", ein "Softie", der zu allem "ja und Amen sagt", sich also nicht durchsetzen kann, immer mit allem einverstanden ist und seine eigene Meinung nicht vertritt. Der Typus des weichen und emotionalen "Softies" entstand übrigens im Zuge der Frauenbewegung als Gegenmodell zum männlich harten Macho.

Sprecherin:

Doch inzwischen hat auch das Modell des "Softies" ausgedient. Ohnehin sind die meisten deutschen Männer noch immer auf der Suche nach einem neuen und eindeutigen Rollenbild. Der deutsche Mann lebt in einer Art Übergangsphase: Viele akzeptieren zwar inzwischen in der Berufswelt Frauen als Kolleginnen und Vorgesetzte, doch von der Position als Familienoberhaupt will sich ein großer Teil noch nicht trennen. Dabei können in einer partnerschaftlichen Beziehung beide Geschlechter voneinander lernen. Und wer weiß, vielleicht werden sich eines Tages Frauen und Männer ohnehin nicht mehr über ihr Geschlecht definieren.


Fragen zum Text:

Welcher Ausdruck steht für einen verwöhnten oder auch feigen Mann?

1. Macho

2. Weichei

3. Mannometer

Ein erfolgreicher Mann ist ein … Mann.

1. gemachter

2. gestellter

3. gelegter

Wer zu allem Ja und Amen sagt, der …

1. kann sich nicht durchsetzen.

2. arbeitet in der Kirche.

3. hat einen Sprachfehler.

Arbeitsauftrag:

Im Haushalt kümmert sich die Frau um das Einkaufen, Kochen, Waschen und Bügeln. Der Mann hingegen kümmert sich um Technik und Auto. Oder doch nicht? Wie stellen Sie sich die Verteilung der Tätigkeiten im Haushalt vor? Sprechen Sie mit den anderen Kursteilnehmern über Ihre Vorstellungen und schauen Sie, wo es Gemeinsamkeiten gibt.

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