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Amerika

Von Kopenhagen nach Cochabamba

In Bolivien veranstaltet Präsident Morales eine Klimakonferenz als Antwort auf die Versäumnisse des Gipfels von Kopenhagen. 18.000 Teilnehmer hoffen auf neue Impulse für die nächsten UN-Verhandlungen in Mexiko.

Afrikanischer Delegierte mit Lama, Foto: ap

Über 18.000 Delegierte werden in Cochabamba erwartet

Mit der internationalen Konferenz reagiert die Regierung Boliviens auf das Scheitern der UN-Klimakonferenz vor wenigen Monaten in Kopenhagen, bei der vor allem Industriestaaten eine Einigung verhindert hatten. Der Unterschied zu dem Gipfel in Cochabamba wird schon im Titel deutlich: "Weltkonferenz der Völker zum Klimawandel und der Rechte von Mutter Erde". Nach Angaben der Veranstalter sind bis zu 18.000 Forscher, Politiker, Gewerkschaftler und Vertreter von Ureinwohnern aus 129 Ländern angemeldet und werden bis Donnerstag (22.04.2010) im Hochland von Cochabamba über eigene Vorschläge zur Eindämmung des Klimawandels beraten.

Auf Einladung von Boliviens Präsident Evo Morales haben auch mehrere lateinamerikanische Staatschefs ihr Kommen zugesagt, unter ihnen Nicaraguas Präsident Daniel Ortega, Rafael Correa aus Ecuador, Venezuelas Hugo Chávez und Fernando Lugo aus Paraguay. Ferner sollten der NASA-Klimaexperte James Hansen, die Autorin Naomi Klein, der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano und der brasilianische Theologe Frei Betto als prominente Kämpfer für den Umweltschutz die Aufmerksamkeit der Welt auf sich lenken und den "Stimmlosen" eine Stimme geben.


Bolivianische Frauen, Foto: ap

Kopenhagen hat gezeigt, dass die Staats- und Regierungschefs versagt haben, so die Meinung vieler Kritiker. In Cochabamba soll die Zivilgesellschaft gestärkt werden.



Kopenhagen ist gescheitert

"Der Klimawandel ist ein Problem, das nicht nur ein paar vereinzelte Präsidenten auf der Welt lösen können", sagte Boliviens Präsident Evo Morales bei der Eröffnung in Tiquipaya im bolivianischen Bezirk Cochabamba. "Alle müssen das Recht haben, sich zu äußern und gehört zu werden!" Mit dem Alternativgipfel will er im Vorfeld auf die im Dezember anstehende UN-Klimakonferenz in Mexiko Druck auf die Großmächte ausüben.

Das vorherige Treffen dieser Art in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen empfanden viele Staaten als klägliches Scheitern. So auch Bolivien. Kritisch sieht der bolivianische UN-Delegierte Pablo Solon vor allem die Rolle der USA und ihres Präsidenten Barack Obama. "Während wir in der Arbeitsgruppe noch an dem offiziellen Vertragsentwurf saßen, sahen wir über die Bildschirme Obama flimmern, der das Abkommen von Kopenhagen bekanntgab", erinnert sich Solon.

Boliviens Präsident Evo Morales, Foto: ap

Will sich an die Spitze der alternativen Bewegung stellen: Evo Morales

Die Bolivianer, aber auch Vertreter anderer Entwicklungs- und Schwellenländer, fühlten sich durch dieses Vorgehen übergangen. Die Folge: Die Kopenhagen-Vereinbarung, die die USA heute als "Meilenstein" bezeichnen, wurde von mehr als einem Drittel der 190 Staaten nicht unterschrieben. Kritiker wie Solon fehlen vor allem verbindliche Vorgaben zur Reduzierung der klimaschädlichen Treibhausgase. Dies erlaube gerade den großen Wirtschaftsnationen, die als die größten Klimasünder gelten, weiterhin jede Menge Freiräume.

Klimagerichtshof gefordert

Ganz ohne populistische Elemente geht es bei Evo Morales freilich nicht. Der Präsident geißelte bereits im Vorfeld die "irrationale Industrialisierung des Nordens" als Hauptverursacher der drohenden Erderwärmung. Zudem schlug er ein weltweites Referendum über Umweltmaßnahmen vor und forderte einen internationalen Klimagerichtshof, der Nationen und Unternehmen verurteilen solle, die "dem Planeten Erde schaden". Natürlich werde Morales auch persönliche Interessen mit der Konferenz verfolgen, um sich als Sprachrohr der ärmeren Länder zu profilieren, glaubt Martin Kaiser, Klimapolitik-Experte der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die ebenfalls eine Delegation nach Cochabamba geschickt hat.

Trotzdem findet er es bemerkenswert, dass erstmalig ein Treffen zum globalen Klimaschutz auf zivilgesellschaftlicher Ebene, jenseits der Vereinten Nationen, gelungen sei. Schließlich habe Kopenhagen demonstriert, wie wichtig die zivilgesellschaftliche Bewegung sei: "Kopenhagen hat gezeigt, dass die Staats- und Regierungschefs der großen Industrienationen nicht bereit sind, drastische Maßnahmen in den eigenen Ökonomien zu treffen, damit das gemeinsame Ziel, unter einer Erwärmung von zwei Grad zu bleiben, erreicht wird."


Proteste beim UN-Klimagipfel in Kopenhagen 2009, Foto: ap

Luft raus? Die Klimakonferenz in Kopenhagen brachte keine verbindlichen Maßnahmen zum globalen Klimaschutz.



Neue Perspektiven

Auch die Ansätze, die in Cochabamba verfolgt werden, sind andere: In 17 Arbeitsgruppen sollen Politiker Vorschläge erarbeiten zu Themen wie "Leben in Harmonie mit der Natur" oder die "Rechte von Mutter Erde". Was in westlichen Industrienationen möglicherweise belächelt wird, ist in Lateinamerika Realität: In Ländern wie Bolivien oder Ecuador sind die Rechte der Natur, der "Mutter Erde", längst in der Verfassung verankert.

Daher findet Martin Kaiser von der Umweltorganisation Greenpeace diese Ansätze "interessant", schließlich handle es sich um eine Perspektive, die über die ökonomischen Interessen und Auswirkungen hinausgehe: "Die globale Erwärmung zeigt uns doch die Grenzen dieses Planeten auf und ich glaube, dass diese Debatte sehr viel grundsätzlicher geführt werden muss", so Kaiser.

Aber schaut die Welt nach Chochabamba? Kaiser ist sich sicher, dass die zivilgesellschaftlichen Gruppen die Ergebnisse von Cochabamba auch in die USA tragen werden. Und mit ihnen die Botschaft, dass Obama sich jetzt persönlich in der Klimafrage engagieren und ein nationales Klimaschutzgesetz vorantreibe müsse, so der Experte. "Und ich hoffe, dass von diesem Treffen sehr viel Energie ausgehen wird für alle die Kräfte, die sich für einen gerechteren Vertrag zwischen den Ländern einsetzen."

Autorin: Ina Rottscheidt

Redaktion: Oliver Pieper

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