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Politik

Von Katzen und Keksen

Von außen betrachtet sind die USA ein mächtiger, manchmal als übermächtig empfundener Block. Von innen gesehen ist das Land ein recht lockerer Staatenbund. Umso interessanter ist, was die 50 Demokratien so treiben.

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Was haben Longhorn-Rinder und dreifarbige Katzen gemeinsam? Nun, beide sind offizielle Symbole eines US-Bundesstaates. Das Rindvieh ist das Staatstier von Texas, was irgendwie einleuchtet. Und die sogenannte "Calico Cat" ist die offizielle Katze des Bundesstaates Maryland.

Nicht, dass Texas und Maryland hier allein stünden - Alaska hat den Bison zum Symbol des Staates erhoben, und Maine an der Atlantikküste hat sogar eine Lehm-Sorte zum Erdreich des Staates ernannt.

Mag es an der Vorliebe der Amerikaner für Symbole und Symbolik liegen oder nur daran, einen Anlaß für einen weiteren halboffiziellen Feiertag zu finden: US-Staaten zeichnen sich durch einen seltenen Reichtum an Symbolen aus. Und Maryland, der Staat, der im Norden und Osten an die Hauptstadt grenzt, tut sich hier besonders hervor.

So hat Maryland laut Auskunft des Staatsarchives nicht nur einen Vogel (den "Baltimore Oriole", was auch die Bezeichnung für eine lokale Baseball-Mannschaft ist), ein Getränk (Milch), einen Tanz (Square Dance) und eine eigene Hymne ("Maryland, my Maryland" - zu singen nach der Melodie von "Oh Tannenbaum"), sondern auch die schon erwähnte Katze, einen Staatsbaum, eine offizielle Blume, eine offizielle Krabbe und sogar einen offiziellen Staatssaurier. Doch das reicht offensichtlich nicht.

Abgeordnete im Repräsentantenhaus von Maryland wollen jetzt noch Gehen zum offiziellen Sport des Staates machen, den Patuxent River zum offiziellen Staatsfluss und Apfel-Haferflocken-Kekse zum offiziellen Staatskeks.

Wundert es jemand, dass diese Kekssorte unter die Kategorie "Weicher Keks" fällt? Nicht, dass Maryland keine anderen Probleme hätte. Weshalb jetzt ein heftiger Streit zwischen den Abgeordneten ausgebrochen ist - die Befürworter von Staatsfluss und Staatskeks auf der einen Seite, diejenigen, die befürchten, sich lächerlich zu machen, auf der anderen.

Dabei genügte ein Blick über den Potomac River, ins benachbarte Virginia, um klar zu machen, dass derartige Symbole durchaus bedeutungsschwer sind. So hat Virginia, der nördlichste der Südstaaten, immer noch den Spruch im Staatswappen ("Sic semper tyrannis"), den John Wilkes Booth ausrief, als er nach dem Ende des Bürgerkrieges im 19. Jahrhundert Abraham Lincoln erschoss. Und der (demokratische) Gouverneur Mark Warner setzte ein bedeutungsvolles Zeichen, als er sich weigerte, den April - wie seine Vorgänger - zum Monat der Konföderierten
Geschichte auszurufen; anders als seine Vorgänger findet Warner die Geschichte der Sklavenhalter in Amerika offensichtlich nicht so ehrenwert.