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Von Herzen

Es ist sehr vielseitig, das wichtigste Organ des Menschen. Vor allem aber ist es eins: ein Symbol für Liebe und Gefühle wie Angst, Mut oder fehlendes Mitgefühl. Länger als ein Herzschlag ist die Liste der Redewendungen.

Es klopft – in freudiger Erwartung oder einfach nur so. Es schlägt – mal schneller, mal langsamer. Es pocht – ruhig und langsam. Manchmal hämmert es in wilder Angst oder es zerspringt beinahe vor Freude. Für jede Gefühlslage der menschlichen Psyche gibt es einen Ausdruck, der sich auf das Herz bezieht.

Hand aufs Herz

Ein EKG-Test bei einem Mann. Die Messschläuche sind auf der Brust festgesaugt.

Mancher Partner wird genau so intensiv auf Herz und Nieren geprüft!

Hand aufs Herz: Fällt nicht jedem ein Stein von demselben, wenn wir einem lieben Menschen genau das geschenkt haben, was er sich gewünscht hat? Oder wenn uns der Arzt bescheinigt, dass wir gesund sind und nur ein bisschen auf uns aufpassen müssen? Nachdem er uns auf Herz und Nieren untersucht hat – versteht sich!

Dieser zur Redensart gewordene Ausdruck findet sich schon im alten Testament. Im Buch Jeremia heißt es, dass Gott derjenige sei, der den „Gerechten prüft“, der „Herz und Nieren sieht“. Diese beiden Organe bezeichnen schon in vorchristlicher Zeit das Innerste und Geheimste des Menschen. Wenn wir heute etwas oder auch jemanden auf Herz und Nieren prüfen, so meinen wir damit, dass uns nichts verborgen bleiben soll, dass alles ausgelotet wird.

Ohne das Herz geht nichts

Ein anatomisches Modell eines Herzen

Es wiegt durchschnittlich nur etwa 300 Gramm, das Zentralorgan des Menschen

In christlich geprägten Ländern ist das Herzsymbol Ausdruck göttlicher Liebe und auch Opferbereitschaft. Und in fast allen Religionen ist es der Mittler zwischen Mensch und Gott. Nicht umsonst heißt es zu Beginn eines Gottesdienstes in der katholischen Kirche, der sogenannten „Präfation“: „Erhebet eure Herzen“.

Das Herz ist im wahrsten Sinne des Wortes das Zentralorgan des Organismus. Es ist aber auch der Ort, an dem wir die Welt der Gefühle und Empfindungen ansiedeln. Deshalb sorgte das, was am 3. Dezember 1967 geschah, nicht nur für Furore, sondern auch für kontroverse Diskussionen.

Die erste Herzverpflanzung

Louis Washkansky, der erste Patient, dem ein Herz transplantiert wurde, liegt im Bet. Daneben steht mit einem Mundschutz seine Frau.

Der erste Patient, dem erfolgreich ein Herz transplantiert wurde

Was niemand jemals für möglich gehalten hatte, geschah damals: Zum ersten Mal wurde im südafrikanischen Kapstadt ein mensch­liches Herz verpflanzt. Die Nachricht von der erfolgreichen Operation löste unterschiedliche Reaktionen aus. Natürlich bewunderte man den Chirurgen Dr. Christian Barnard und pries sein Können zu Recht als medizinische Pionierleistung.

Andererseits aber machte sich ein gewisses Unbehagen bemerkbar. Eine Art schlechtes Gewissen schien hinter der Frage zu stecken, ob der Mensch sich erdreisten dürfe, das Herz eines Toten in einen – für die Dauer der Operation künstlich am Leben gehaltenen – Körper einzupflanzen. „Spenderherz“ lautete das Wort, dessen Klang bei vielen ein leichtes Gruseln auslöste. Fragen der Ethik und Moral wurden diskutiert. War das Ereignis im Groote-Schuur-Krankenhaus vielleicht auch ein vermessener Eingriff in die Schöpfung? Maßte sich der Mensch an, sich zum Herrn über Leben und Tod aufzuschwingen?

Herzensangelegenheiten

Eine ängstlich schauende junge Frau

Hat da jemand Herzklopfen vor einer Verabredungr?

Mittlerweile, fast ein halbes Jahrhundert später, sind Herztransplantationen längst zur Routine geworden und den Zeitungen nicht einmal mehr eine Randnotiz wert. Aber das Herz ist kein biotechnischer Austauschmotor. Denn wie sieht es aus mit Herzenswünschen, Herzeleid, Herzklopfen? Sind das lediglich Auffälligkeiten eines Muskels, der Blut pumpt?

Als sich der junge Königssohn in dem Märchen der Brüder Grimm vom „Froschkönig“ auf der Fahrt zum Schloss zu seinem Diener umdreht und ihn fragt, ob der Wagen gebrochen sei, antwortet dieser: „Nein Herr, der Wagen nicht, es ist ein Band von meinem Herzen, das da lag in großen Schmerzen, als Ihr in dem Brunnen saßt, als Ihr ein Frosch wart.“ Dieses „harte Band“, das sich wie ein Ring ums Herz legen kann, soll es wirklich geben.

Von Herzen

Ein Konditor steht vor einem riesigen Schokoladenherz und bestreicht es mit Glasur

Schokoladenliebhabern schmilzt das Herz vor Freude beim Anblick dieses Prachtexemplars

Solche Gewebeverhärtungen sollen bei Menschen auftauchen, die viel Kummer haben. Denn nicht allen geht das Herz so auf wie dem treuen Heinrich im Märchen. Bevor uns allen jedoch das Herz jetzt schwer wird und wir es dann vor jemandem ausschütten müssen, machen wir uns ein paar Gedanken, die es uns so richtig warm ums Herz werden lassen.

Denken wir an Feste der Liebe wie Geburts- oder Muttertage, den Valentinstag oder Weihnachten: Hier zeigen wir uns nahestehenden Menschen symbolisch, was wir für sie empfinden. Das beginnt bei dem Geschenk­papier mit den hübschen roten Herzchen zum Beispiel. Oder man überreicht in Herzform zusammengesteckte Blumen, oder die Schokoladenherzen in der lila Verpackung eines bekannten internationalen Nahrungsmittelkonzerns. Die Liste lässt sich beliebig fortführen. Klar wird: Es kommt von Herzen.

Herzliches

Nacktschnecken haben sich an einer abgelegten Bierflasche eingefunden und sie mit Schleim überzogen

Wer kein Herz für Nacktschnecken hat, ertränkt sie in einer Bierfalle

Und mancher, der seine Liebe noch nicht richtig zeigen kann, sollte auf sein Herz hören. Pocht es ganz heftig, sollte er seinem Herzen einen Stoß geben, sich ein Herz fassen und die Person einfach ans Herz drücken. Denn manche freudige, herzliche Umarmung sagt mehr als viele Worte.

Hand aufs Herz: Welchem Schüler ist noch nicht das Herz in die Hose gerutscht, wen hat noch nicht der Mut verlassen, wenn er zuhause eine schlechte Schulnote beichten musste? Und welcher Gartenbesitzer hat es nicht übers Herz gebracht, eine eklige Nacktschnecke in Bier zu ertränken, obwohl sie über Nacht die neu gepflanzten Primeln im Garten gefressen hat? Oder wer hat seinem Herzen noch nicht Luft gemacht, wenn er sich über etwas oder jemanden wahnsinnig geärgert hat? Nicht zu vergessen die Frage danach, wer sich nicht vom fröhlichen, herzhaften, herzerfrischenden Lachen eines Kindes anstecken lässt? Stimmt alles, oder?

Herzlosigkeit

Ach ja, fast hätten wir es vergessen: Der legendäre Operationssaal von 1967 wurde originalgetreu wiederhergestellt. Um den Operations­tisch stehen fünfzehn Menschenmodelle – Ärzte und Schwestern. Dr. Barnard hat diesen Raum eingeweiht. Der Operationstrakt des Groote-Schuur-Krankenhauses ist jetzt offiziell ein Herzmuseum. Allerdings ohne Herzen. Herzlos gewissermaßen.




Fragen zum Text

Ist jemand herzkrank und braucht ein neues Herz, dann …
1. wird ihr/ihm ein Herz gepflanzt.
2. sehnt sie/er sich nach einem Herzgeschenk.
3. hofft sie/er auf ein Spenderherz.

Freut sich jemand sehr über etwas, kann sie/er sagen: …
1. „Mir rutscht das Herz in die Hose!“
2. „Ich muss meinem Herzen Luft machen!“
3. „Mir geht das Herz auf!“

Mancher, der mit einer anderen Person zusammenleben will, …
1. nimmt sie sich zu Herzen.
2. macht einen Herztest.
3. prüft sie auf Herz und Nieren.


Arbeitsauftrag
Ordne den fünf Gefühlszuständen jeweils zwei der folgenden Sätze zu. Finde eigene Beispiele von Gefühlen und bilde Sätze, mit den dazu passenden Begriffen/Redewendungen, in denen „Herz“ vorkommt.

MutTrauerLiebeFreudeAngst

1. „Ich habe mir ein Herz gefasst.“
2. „Er hat mir sein Herz geschenkt.“
3. „Meine Freundin hat es nicht übers Herz gebracht, ihrer Familie zu sagen, dass sie für eine neue Arbeit ins Ausland zieht.“
4. „Meine Tochter hat so herzerweichend geweint.“
5. „Meine Freundin hat mich ganz herzlich umarmt, als ich sie am Flughafen abholte.“
6. „Nach vielen Jahren hat Franz seinem Herzen endlich einen Stoß gegeben und Melanie zum Essen eingeladen.“
7. „Beim Gedanken an meine verstorbene Oma wird mir das Herz schwer.“
8. „Meine Schwiegertochter ist mir so richtig ans Herz gewachsen.“
9. „Lisa rutscht das Herz in die Hose, wenn sie in den Keller geht.“
10. „Die Nachricht, dass sie einen Studienplatz bekommen hat, ließ Anjas Herz höherschlagen.“

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