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Fokus Osteuropa

Von Gleichberechtigung weit entfernt

Eine Delegation des Frauenausschusses des Europäischen Parlaments hat die Türkei besucht, um dort die Stellung der Frau in Gesellschaft und Politik zu untersuchen. Ihr Fazit: Es bleibt viel zu verbessern.

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Bildung für Mädchen ist nicht selbstverständlich

Drei Tage lang war die Delegation des Frauenausschusses in der Türkei unterwegs und hat Politiker und Vertreter von Nicht-Regierungs-Organisationen getroffen. Unter anderem sprachen sie mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die deutsche Sozialdemokratin Lissy Gröner schildert ihre Eindrücke: „Wir haben insgesamt feststellen können, dass die rechtliche Situation der Frauen in den letzten Jahren gestärkt worden ist, aber es hapert noch erheblich bei der Umsetzung. Es gibt eine miserable politische Vertretung der Frauen - nur 4 Prozent im nationalen Parlament und weniger als 1 Prozent in den lokalen Gremien. Das ist vollkommen inakzeptabel. Es gibt noch erhebliche Probleme, die Gewalt aus dem Leben der Frauen zu verbannen. Das sind die schwerwiegendsten Probleme, die uns in der Türkei begegnet sind." Zwar bemühe sich die türkische Regierung, die notwendige Gesetzesgrundlage zu schaffen, um die Situation der Frau zu verbessern. Aber in der Praxis sei noch viel zu tun, so Lissy Gröner.

Viele Analphabetinnen in ländlichen Gebieten

Ähnlich sieht es auch die griechische konservative EU-Abgeordnete Maria Panajotopoulou Kassiotou. Sie sieht große Mängel bei der Ausbildung der Frauen: „Die Bildung gehört zu den Prioritäten der türkischen Regierung und die finanziellen Ausgaben für Bildung haben dort höchste Priorität. Diese guten Vorsätze der Regierung nützen aber nichts, wenn sie nicht umgesetzt werden. Der Anteil der Analphabetinnen, besonders in ländlichen Gegenden des Südens oder Südostens beträgt 20-25 Prozent! Dort werden zum Beispiel Kinder aus polygamen Beziehungen nicht einmal amtlich gemeldet. Das Ergebnis ist dann, dass die Mädchen deshalb nicht eingeschult werden. Wie uns versichert worden ist, werden alle Bemühungen daran gesetzt, bis zum Jahre 2010 eine 100-prozentige Quote der Einschulung der Mädchen zu erreichen."

Herkunft entscheidet

Frauen-Organisationen in der Türkei fordern zudem, dass Frauen in politischen Ämtern und den Institutionen des Landes stärker repräsentiert sind. Und nach wie vor sei festzustellen, dass die beruflichen Aussichten von der gesellschaftlichen Herkunft abhingen, sagt Maria Panajotopoulou Kassiotou: „Es gibt viele soziale Unterschiede innerhalb der verschiedenen Schichten, denen die Frauen der Türkei angehören. Die besser gestellten Frauen, die einem Beruf nachgehen, streben ein Mitwirken im politischen Leben an, um ihre Stellung in der Gesellschaft zu verbessern. Auf der anderen Seite sind da die weniger gut gestellten Frauen, die erst einmal gegen den Traditionen und Sitten ihres Landes ankämpfen müssen, wenn sie ihre Situation verbessern wollen."

Stamatis Assimenios

DW-RADIO/Griechisch, 8.2.2005, Fokus Ost-Südost