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Wissen & Umwelt

Von der Schweiz nach Belgien mit Sonnenkraft

Ausgerechnet an einem Freitag dem 13. absolvierte André Borschberg den ersten internationalen Langstreckenflug mit der "Solar Impulse". Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur geplanten Weltumrundung per Solarflugzeug.

Der Prototyp des Solarflugzeugs 'Solar Impulse' im Flug (Foto: Solar Impulse)

Die 'Solar Impulse' über dem Bodensee

Nach 13-stündigem Flug landete das schweizerische Solarflugzeug "Solar Impulse" am Freitagabend (13.05.2011) auf dem Flughafen von Brüssel. Die nur von Sonnenenergie angetrieben Maschine war zuvor vom Militärflugplatz Payerne im Schweizer Kanton Waadt über Frankreich und Luxemburg rund 600 Kilometer bis in die belgische Hauptstadt geflogen.

"Das ist Klasse",...

...sagte der Flugzeugentwickler Bertrand Piccard nach der Landung. "Mit diesem Flug wollen wir die politischen Entscheidungsträger ermutigen, eine ehrgeizigere Energiepolitik zu betreiben."

Zusammen mit Piccard, der durch die erste Weltumrundung im Heißluftballon berühmt wurde, und einem Team von Meteorologen und hochspezialisierten Ingenieuren arbeitet Borschberg bereits seit 2003 an einem Solarflugzeug, das tagsüber soviel Sonnenenergie aufnehmen und speichern kann, dass es auch in der Nacht durchhält.

André Borschberg im Cockpit des Solarflugzeugs (Foto: Solar Impulse)

André Borschberg

Sonne liefert mehr Energie als nötig

"Wir haben so viel Energie, dass wir sie auf diesem Flug gar nicht aufbrauchen können", berichtete Borschberg der Deutschen Welle per Satellitentelefon schon etwa zwei Stunden nach Abheben des Fliegers. "Wenn ich noch mehr Batterien dabei hätte, könnte ich sogar Energie zurück auf die Erde bringen, wenn ich lande", freute sich der Flugpionier. Der große Energieüberschuss sei "wirklich faszinierend."

Deshalb ist Borschberg auch zuversichtlich, dass sein Team die nächste große Hürde, einen 36-stündigen Dauertest mit mehreren Nachtflügen, gut meistern wird. Schon im letzten Jahr absolvierte sein Team einen ersten Nachtflug von 26 Stunden. Er dauerte einen Tag und eine Nacht. "Dadurch konnten wir zeigen, dass wir mit diesem Flugzeug viele Tage und Nächte hintereinander unterwegs sein können", betont er. Im kommenden Jahr will sein Team zunächst versuchen, zwei Tage und Nächte nonstop zu bewältigen.

Solarflugzeug 'Solar Impulse' von oben im Flug (Foto: Solar Impulse)

Die Tragflächen und Leitwerke des Flugzeugs sind vollständig mit Solarzellen bestückt

Weltumrundung ab 2014

Bis zur Weltumrundung wird es jedoch noch eine Weile dauern. Denn alle bisherigen Flüge wurden mit einem Prototyp absolviert, der mit etwas über 45 Stundenkilometern nur sehr langsam fliegt. In zwei Monaten will das Team mit dem Bau eines neuen Flugzeugs beginnen. Die Konstruktion soll in etwa zwei Jahren fertig sein. "Wir erwarten, dass wir die ersten langen Flüge und Ozeanüberquerungen 2014 absolvieren können, also in drei Jahren," schätzt der Flugpionier.

Bertrand Piccard (Foto: Solar Impulse)

Bertrand Piccard

Dann wird nicht nur der Pilot in seiner Kabine viele schlaflose Nächte verbringen müssen, sondern auch die Crew am Boden. "Alle müssen lernen, wie man mit einem solchen Flugzeug auf einem Langstreckenflug umgeht," sagt der Pilot.

In "Solar Impulse" stecken rund 1600 Kilogramm Hochtechnologie und Energieeffizienz aus Kohlefaser und Kunststoff. Auf den langen Flügeln sind rund 12.000 Dünnschicht-Solarzellen untergebracht. Von all den Erfahrungen, die das Team mit Solar Impulse gesammelt habe, könnte in Zukunft auch die Zivilluftfahrt profitieren, versichert Borschberg.

Nutzen für die kommerzielle Luftfahrt

Das könne natürlich noch lange dauern, "aber wir dürfen nicht vergessen, dass 25 Jahre zwischen dem ersten Flug der Gebrüder Wright 1903 und der Atlantik Überquerung von Charles Lindberg liegen". Und dann habe es noch einmal 25 Jahre gedauert, bis Menschen in Transportflugzeugen den Atlantik überquert haben, betont er.

'Solar Impulse' von vorne (Foto: Solar Impulse)

Leichtbau als Vorbild für Verkehrsmaschinen?

Mit dem Solarflugzeug Solar Impulse könne man zeigen, dass es möglich sei, auch kommerzielle Flugzeuge zu bauen, die weniger CO2 in die Luft blasen. Die Internationale Flugorganisation IATA habe sich bereits zum Ziel gesetzt, bis 2050 die Emissionen um 50 Prozent zu reduzieren. "Das sind 40 Jahre", gibt Borschberg zu bedenken, "das sind die Maßstäbe in denen wir rechnen. Aber wir müssen damit anfangen – und das ist der Beginn."

Dass der Flug ausgerechnet an einem Freitag dem 13. stattfand, sieht Borschberg entgegen dem landläufigen Aberglauben als gutes Omen. "Ja, ich mag diese Tage, denn ich wurde an einem 13. Dezember geboren" - es sei also ein sehr gutes Vorzeichen.

Autor: Fabian Schmidt
Redaktion: Christian Walz / Judith Hartl

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