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Wirtschaft

Von der Politik enttäuscht

Derzeit besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel Mittelständler in ganz Deutschland. Doch viele sind von der Politik enttäuscht, wie das Beispiel eines Hamburger Traditionsunternehmens zeigt.

Verwaltungsgebäude der Firma Worlée in Hamburg (Foto: Worlée)

Verwaltungsgebäude der Firma Worlée in Hamburg

Hans-Jürgen Bräser (Foto: Worlée)

Produktionsleiter Hans-Jürgen Bräsen: Rückgänge im einstelligen Bereich

Ein starker Maggigeruch hängt in der Luft, während auf mehreren Fließbändern getrocknete, in Scheiben geschnittene Steinpilze übers Band laufen. Anschließend werden sie zu Granulat klein geschnitten und dann in Tüten verpackt und ausgeliefert, um dann zum Beispiel in einer Tütensuppe zu landen. Steinpilze sind nur ein Beispiel von unzähligen Produkten, die in dem Hamburger Unternehmen Worlée verarbeitet werden. 3000 Tonnen werden jede Woche in mehr als 80 Länder geliefert.

"Die Wirtschaftskrise", sagt der Produktmanager für Trockenzwiebeln, Hans-Jürgen Bräsen, "haben wir in diesem Segment nur minimal zu spüren bekommen". Die Auftragsrückgänge lägen im einstelligen Bereich. Dennoch hätten Verträge kürzere Laufzeiten, und Lagerbestände würden erst aufgebraucht, bevor neue bestellt würden.

Diversifizierung gegen die Krise

Produktionsanlage der Firma Worlée (Foto: Worlée)

Produktionsanlage der Firma Worlée

Das Traditionsunternehmen Worlée im Hamburger Osten existiert seit 1851 und ist seit langem breit aufgestellt. Neben Rohstoffen für die Lebensmittelindustrie produziert Worlée Rohstoffe für Lacke, Farben und die Kosmetikindustrie. Das ermöglicht dem 500 Mitarbeiter starken Betrieb vielleicht, Krisen besser wegzustecken als andere. "In der Chemiebranche hatten wir im vergangenen Jahr Umsatzeinbußen im zweistelligen Bereich", räumt Geschäftsführer und Gesellschafter Reinhold von Eben-Worlée ein. Auch wenn er inzwischen wieder positiver in die Zukunft blickt und Aufträge reinkommen: von der Arbeit der Bundesregierung ist er enttäuscht.

Am Mittelstand vorbei regiert

Reinhold von Eben-Worlée (Foto: Worlée)

Reinhold von Eben-Worlée

"Die Gesetze dieser Legislaturperiode sind vor allem für die Großen gemacht worden. Ohne dabei zu bedenken, dass der Mittelstand und die Kleinen darunter besonders leiden", sagt von Eben-Worlée. Als Beispiel nennt er das Erbschaftssteuergesetz. Statt gerade mittelständischen Unternehmen zu helfen, besser aus der Krise zu kommen, werde damit Firmen das Kapital entzogen und verhindert, ihr Geschäft weiter zu entwickeln.

Dass die Politik den Banken mit Milliarden unter die Arme gegriffen habe, findet er richtig. Falsch sei es jedoch, wenn gezielt Unternehmen unterstützt werden. "Dadurch wird der Wettbewerb verzerrt. Und Unternehmen, die anständig gewirtschaftet haben, geraten eventuell noch in Schwierigkeiten wegen der subventionierten Konkurrenz", fürchtet der Geschäftsführer.

Steuer-Gutschriften als Anreiz

Was er sich außerdem von der Regierung wünscht, sind mehr finanzielle Anreize für den Mittelstand: "Wenn man zum Beispiel auf alle Investitionen in Forschung und Entwicklung, die unser Unternehmen leistet, zehn Prozent über eine Steuergutschrift an uns zurückzahlen würde, würden wir dieses Geld mit Sicherheit nehmen, um unsere bestehenden Innovationsleistungen weiter auszubauen." Doch in diese Richtung sei bisher noch nicht gedacht worden, so von Eben-Worlée .

Autor: Kathrin Erdmann
Redaktion: Rolf Wenkel

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