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Bildung

Von der Macht öffentlicher Empörung

Skandale schaffen Aufmerksamkeit. Denn der öffentliche Aufschrei des Entsetzens lässt niemanden kalt. Wie es zu Skandalen kommt und wie man sie vermeidet, wollten Hamburger Studierende wissen.

Fotografen am Roten Teppich, Foto: dpa

Die Medien suchen ihn, das Publikum liebt ihn - den Skandal

Am Anfang des Journalistik-Seminars stand die Frage: Was ist eigentlich ein Skandal? Und was löst ihn aus? Um dem Wesen des Skandals näher zu kommen, haben Hamburger Studierende zwei Semester lang mehr als 30 Prominente interviewt - Menschen, die über Skandale gestolpert sind, die bewusst welche provozieren, die Skandale aufdecken oder professionell mit Skandalabwehr beschäftigt sind. Unter den Befragten finden sich Namen wie Günther Wallraff, Catherine Millet oder Ulrich Beck.

"Es bedarf dreierlei Voraussetzungen, damit es zum Skandal kommt“, sagt Journalistik-Studentin Juliane Schramm. „Es muss ein moralisches Fehlverhalten vorliegen, die Medien müssen darüber schreiben, und es muss in der Öffentlichkeit zu einem Diskurs kommen." Für die Studentin Friederike Meister ist die öffentliche Empörung das Entscheidende: "Da wird einer an den Pranger gestellt und ist quasi der Südenbock für eine ganze Gesellschaft."

Subjektiv und kurzweilig

Cover des Buchs Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung

Der 352 Seiten dicke Interviewband


Zwei Semester Arbeit haben 26 Studierende in das Projekt gesteckt. Die Seminarleiter, der Journalistikprofessor Bernhard Pörksen und Jens Bergmann, Redakteur beim Wirtschaftsmagazin Brand Eins, hatten klare Vorstellungen, wie die journalistische Gattung des Interviews exemplarisch erlernt werden sollte - nicht als akademische Trockenübung, sondern als Projektarbeit anhand eines konkreten Themas. Das Ziel: ein Interviewband, der sich subjektiv, emotional und kurzweilig dem Phänomen des Skandals nähert.

Die prominenteste Gesprächspartnerin ist Natascha Kampusch, die im Alter von zehn Jahren entführt und achteinhalb Jahre in einem Keller gefangen gehalten wurde. Interviews gibt sie eigentlich grundsätzlich nicht. Dass es dennoch zu einem Gespräch kam, habe am "Studentenbonus" gelegen, wie Friederike Meister sagt. "Sie musste bei uns keine Angst vor fiesen Fragen haben. Dennoch hat uns ihr Pressesprecher schon verdeutlicht, dass sexueller Missbrauch das absolute Tabuthema ist." Friederike Meister hat mit Natascha Kampusch über ihre drohende Skandalisierung, ihren Kampf gegen Klischees und über Tabus gesprochen - und war überrascht, wie offen und natürlich Kampusch bei ihrem Aufeinandertreffen in Wien war.

Bewusste Persönlichkeitsverletzungen

Die Projektteilnehmer Marcus Schuster und Juliane Schramm mit dem Interviewten Mathias Prinz (von links), Foto: Juliane Schramm

Die Projektteilnehmer Marcus Schuster und Juliane Schramm mit dem Medienanwalt Mathias Prinz (von links)

Ein Gesprächspartner, der gerufen wird, wenn der Skandal schon da ist, ist der Medienanwalt Mathias Prinz. Er vertritt Prominente wie Claudia Schiffer oder Prinzessin Caroline von Hannover gegen Persönlichkeitsverletzungen durch die Medien. Dem Vorwurf, mit seinen unzähligen Anklagen letztendlich selbst Skandale auszulösen, ließ sich Prinz nicht gefallen. Juliane Schramm, die Prinz interviewt hat, überzeugt das nicht ganz. Für sie bleibt er ein Profiteur von Medienskandalen, der von den Fehlern vieler Journalisten, von bewussten Persönlichkeitsverletzungen lebt.

Nachdem die Interviews nun gedruckt und das Projekt zum Ziel gekommen ist, hat sich Juliane Schramm von der Journalistin in die PR-Frau verwandelt. Sie koordiniert die Pressearbeit für das Buch: Sie organisiert Fernsehauftritte, verschickt Rezensionsexemplare, gibt Interviews. Und erzählt dort, was sie bei dem ambitionierten Projekt gelernt hat. Zum Beispiel, wie unglaublich schwierig es sei, ein Print-Interview zu machen. Denn man habe danach unendlich viel Material und müsse das so ordnen und kürzen, dass es für den Leser hinterher verständlich ist.

Seit einer Woche ist das Buch im Handel erhältlich. Es trägt den Titel "Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung", ist 352 Seiten dick und kostet 18 Euro.

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