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Amerika

Von der "Kolonie Würde" zum bayerischen Dorf

In der deutschen Enklave im Süden Chiles wurden seit ihrer Gründung vor einem halben Jahrhundert grausame Menschenrechtsverletzungen begangen. Heute versucht Villa Baviera, die dunkle Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Mädchen in bayerischen Trachten bei einem Fest in der ehemaligen Colonia Dignidad im Süden Chiles - das Dorf nennt sich heute Villa Baviera (Foto: Archivo Villa Baviera)

"Bayerische Idylle" in Südchile: die frühere Colonia Dignidad heißt heute Villa Bavaria

Kindesmissbrauch, Waffenschmuggel und Steuerhinterziehung, das sind nur einige der Verbrechen, die der früheren Führungsriege der Colonia Dignidad zur Last gelegt werden. Jahrzehntelang war die deutsche Siedlung im Süden Chiles ein Staat im Staat und ein nahezu rechtloser Raum. Die Auseinandersetzungen um die in Villa Baviera umbenannte Enklave gelten als Symbol im Kampf für die Menschenrechte.

Viele der ehemaligen Bewohner sind inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt, oder leben heute in anderen Orten Chiles. Von den einst bis zu 300 Bewohnern leben heute nur noch 180 in Villa Baviera. Die Generation der Kinder der einstigen Führungsriege, die jetzt Anfang 40 ist, leitet die Geschäfte der ehemaligen Colonia Dignidad, die heute von Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus lebt. Villa Baviera wirbt mit einem eigenen Restaurant, einem Festsaal für Veranstaltungen, Unterkünften für Touristen und mit traditionellen deutschen Spezialitäten aus eigener Herstellung.

"In den letzten Jahren haben wir viel dafür getan, Licht in unsere dunkle Vergangenheit zu bringen, wir haben eng mit der deutschen und der chilenischen Regierung zusammengearbeitet", betont Martin Matthusen, einer der Geschäftsführer von Villa Baviera.

Einer der Geschäftsführer von Villa Baviera: Martin Matthusen mit seiner Familie (Foto: Archivo Villa Baviera)

Einer der Geschäftsführer von Villa Baviera: Martin Matthusen mit seiner Familie

Meinungsvielfalt statt Einheitsmeinung

Bis vor kurzem war Matthusen bekannt als "Sprecher" der deutschen Gemeinde, aber diese Bezeichnung lehnt er ab. "Wir haben keinen Sprecher, denn es gibt keine einzelne Stimme, die für alle Bewohner von Villa Baviera sprechen könnte", so Matthusen. "Wir sind in erster Linie eine Gruppe von Familien mit einer gemeinsamen Geschichte. Was uns jetzt zusammenhält, ist die gemeinsame Arbeit in der Landwirtschaft und im Tourismus."

Matthusen gibt zu, dass es auch Differenzen innerhalb der Familien gibt. "Das wird es immer geben, wir werden nie wieder zu dem früheren Zustand zurückkehren. Heute gibt es hier so viele Meinungen wie Bewohner. Und unsere Ansichten unterscheiden sich von denen der Älteren, die damals aktiv mitgewirkt haben in der Colonia Dignidad. Von ihnen kann man nicht erwarten, dass sie die Vergangenheit verurteilen, sie heben die guten Seiten hervor, wie zum Beispiel das Krankenhaus."

Zu den "dunklen Seiten" äußert sich aber auch Matthusen nur vage: "Viele Leute haben hart arbeiten müssen, um das hier aufzubauen und es zu erhalten. In unserem Krankenhaus ist vielen Menschen geholfen worden. Aber Paul Schäfer hat es auch missbraucht, um sich hinter dieser Fassade zu verstecken", gibt er zu.

Die langen Schatten der Vergangenheit

Luftaufnahme von Villa Baviera im Süden Chiles (Foto: Archivo Villa Baviera)

Villa Baviera lebt heute von Landwirtschaft und Tourismus

Einige der ehemaligen Führungspersonen der Colonia Dignidad sind inzwischen in Chile verurteilt worden. Andere, wie zuletzt Hartmut Hopp, haben sich durch ihre Flucht nach Deutschland der chilenischen Justiz entzogen.

Paul Schäfer selbst war 1997 die Flucht nach Argentinien gelungen, wo er jedoch acht Jahre später verhaftet werden konnte und nach Chile ausgeliefert wurde. Er starb 2008 in einem Gefängniskrankenhaus in Santiago.

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