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Europa

Von der Abschottung in die Freiheit

Von Albanien weiß man im Westen so gut wie nichts. Am 18. Februar haben Albanien und die EU ein Abkommen über die Stabilisierung und Assoziierung des Balkanlandes an die EU unterzeichnet. Rückblick in die Geschichte.

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Heute wie vor zehn Jahren: Alltag in Albaniens Hauptstadt Tirana

Enver Hoxha

Enver Hoxha

Albanien ist seit 1912, seit sich das Land vom Osmanischen Reich abspaltete, unabhängig. Seit Anfang der 1940er Jahre prägte ein junger Mann, der in Paris studierte und dann nach Albanien zurückkehrte, um Widerstand gegen die italienischen und deutschen Besatzungstruppen zu leisten: Enver Hoxha. Hoxha und seine Getreuen gründeten im November 1941 die Kommunistische Partei, die unterstützt wurde durch die jugoslawische Partisanen-Bewegung von Josip Broz Tito.

Länderinformationen zu Albanien finden Sie hier auf der DW-WORLD-Europakarte.

Sowjetunion als Vorbild

Die albanischen Kommunisten führten nach dem Abzug der deutschen Truppen einen blutigen Bürgerkrieg, um andere nationalistische Organisationen im Land auszuschalten. Im Oktober 1944 installierten sie eine provisorische Regierung mit Hoxha an der Spitze. Am 11. Januar 1946 rief Hoxha dann die Volksrepublik Albanien aus. Damit war bereits der Grundstein für die kommenden Jahrzehnte vorgezeichnet. "Albanien ist zunächst dem Weg Jugoslawiens gefolgt", erklärt der Berliner Südosteuropa-Experte Holm Sundhaussen rückblickend. "Auch der nächste Schritt - die albanische Verfassung am 14. März 1946 - ist knapp zwei Monate nach dem Erlass der jugoslawischen Verfassung erfolgt."

Stalin vor Wiederauferstehung Stalin-Denkmäler in Russland

Josef Stalin (Denkmal)

Beide Länder hätten als Modell die sowjetische Verfassung von 1936 adaptiert. "Das hieß, dass das Land auf eine sozialistische Gemeinschaft hinsteuerte, was eine Isolierung gegenüber dem Westen bedeutete." Was folgte, waren massive "Säuberungen", mit dem Hoxhas kommunistisches Regime seine tatsächlichen oder auch nur angenommenen Gegner auszuschalten versuchte. Tausende Albaner fielen diesen brutalen Verfolgungen zum Opfer. Große Besitztümer wurden konfisziert, alle Fabriken verstaatlicht und eine radikale Agrarreform durchgeführt.

Stalin statt Westen

Blick auf Tirana

Hauptstadt Tirana (2004)

Vor 1948 war Albaniens Außenpolitik von großen Spannungen mit Griechenland und dem Westen und einer engen Zusammenarbeit mit Jugoslawien gekennzeichnet. Es gab Pläne, Albanien an Jugoslawien anzugliedern, eventuell sollte auch Bulgarien hinzukommen, um eine Balkanföderation zu gründen. Aber als es 1948 zum Bruch der Beziehungen zwischen Belgrad und Moskau kam, wandte sich Hoxha von Tito ab und Stalin zu. Doch auch diese Beziehung sollte nicht von langer Dauer sein. "Es folgte eine Phase der engen Anlehnung an die stalinistische Sowjetunion, denn in Albanien genoss Stalin ein hohes Ansehen", so Sundhaussen. "Erst, als Nikita Chruschtschow die Verbrechen Stalins auf dem 20. KPdSU-Parteitag anklagte, zeichnete sich ab, dass das Verhältnis zwischen Albanien und der Sowjetunion schwierig werden würde."

Isolation statt China

Alltag in Albanien Tirana Jugendlich bei Enver Hoxha Museum

Hoxha hat heute ein Museum

Hoxha richtete nun die Augen nach China, weil er dort gleiche Interessen sah: Beide Länder lehnten die Entstalinisierung der Sowjetunion und Chruschtschows These von einer friedlichen Koexistenz zwischen sozialistischen und kapitalistischen Staaten ab. Doch nach Maos Tod 1976 näherte sich China wieder der Sowjetunion und den USA an - Hoxha brach die Beziehungen zu Peking sofort ab und führte sein Land in die völlige Isolation. "Der Wandel Hoxhas vom Internationalisten zum Nationalisten bedingte eine neue Strategie", wie Sundhaussen erklärt. "Diese Strategie zielte darauf ab, sich vor allem gegenüber äußeren Einflüssen abzuschirmen und das Land dicht zu machen - sowohl nach Westen wie nach Osten." Was im Inneren übrig blieb, war "eine Hoxha-Diktatur: Anders kann man das gar nicht nennen".

Der lange Weg in den Westen

Die Diktatur hatte schwere Folgen für die Bevölkerung: Das Land verarmte. Die komplette Abschottung endete auch nach Hoxhas Tod im April 1985 nicht: Sein Nachfolger Ramiz Alia setzte den Kurs des Diktators fort. Erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs Ende der 1980er Jahre brach das kommunistische Regime zusammen: Zehntausende Albaner versuchten, in Booten über die Adria nach Italien zu flüchten, Studenten gingen auf die Straße. 1990 schließlich wurde Alia zum Rücktritt gezwungen. Freie Wahlen folgten, aus der Volksrepublik wurde die Republik Albanien.

Alltag in Albanien Frau mit Sonnenschirm in Tirana

Mosaik aus vergangener Zeit

Die folgenden Jahre kehrte allerdings noch nicht Ruhe ein: Es gab häufige Regierungswechsel und endlose Machtkämpfe zwischen dem Demokraten Sali Berisha und dem Sozialisten Fatos Nano. 1997 stürzte das Land in einen kurzen Bürgerkrieg. Albanien hat bis heute mit Wirtschaftsproblemen, Korruption und organisierter Kriminalität zu kämpfen. Das Ziel ist jedoch klar: die Aufnahme in die EU. "Wenn der Erweiterungsprozess der EU weitergeht, dann ist Albanien von EU-Staaten umringt", argumentiert Sundhaussen. "Deshalb muss die Integration in die EU früher oder später kommen - aber das wird ein sehr schwieriger Prozess."

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  • Datum 11.01.2006
  • Autorin/Autor Sonila Sand
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