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Reise

Von den Mönchen lernen

Der heilige Benedikt hatte zum Fasten angehalten und zur Mäßigkeit im Essen und Trinken ermahnt. Im früheren Benediktinerkloster Alpirsbach erfährt man, wie die Mönche die klösterlichen Speisevorschriften unterliefen.

Die Klosterkirche Alpirsbach

Die Klosterkirche Alpirsbach

Wer im Kloster lebte, war nicht zu beneiden. Das Leben dort war streng geregelt. Es galt der Grundsatz "Bete und Arbeite", daher wurde bis zu neun Stunden am Tag (und in der Nacht) gebetet. Die Mönche lebten lange in ungeheizten Räumen. Enthaltsamkeit, Askese und Entsagung prägten ihr meist kurzes und oft tristes Leben: das Essen war für heutige Begriffe kärglich - kein Fleisch, kein Fett, keine Milchprodukte. Zum Ausgleich gab es eine Fülle von Fasttagen mit nur einer warmen Mahlzeit.

Nur das unbedingt Notwendige

Entsagung prägte das meist kurze und oft triste Leben der Mönche

Entsagung prägte das meist kurze und oft triste Leben der Mönche

"Da war es kein Wunder, dass die Mönche von - im Wortsinn - fleischlichen Gelüsten umgetrieben wurden", sagt die Karlsruher Historikerin Dagmar Schumacher, die bei Sonderführungen im früheren Benediktinerkloster Alpirsbach (Baden-Württemberg) im Auftrag der Staatlichen Schlösser und Gärten anschaulich über das entsagungsvolle Mönchsleben im Mittelalter berichtet (Termine 2009: 5.4. und 22.11. sowie nach Vereinbarung, Kosten: 16 Euro).

Nach der Regel des Ordensgründers Benedikt sollte jeder Mönch zum Essen das unbedingt Notwendige erhalten. Grundbestandteile der warmen Mahlzeiten waren Getreide, Hülsenfrüchte und Obst. Fleisch gab es nur für Kranke, Eier und Milchprodukte waren lange verpönt. Das Essen sollte in tiefstem Schweigen eingenommen werden, es wurde mit Lesungen aus der Bibel oder erbaulichen Texten gewürzt. Die Fast-Tage - an denen es nur eine warme Mahlzeit gab - waren überaus zahlreich und konnten schon mal eine Hälfte der Tage eines Jahres umfassen.

"Hühnerdiskussion" erlaubte Verzehr von Geflügel

Die überaus rigiden Ess- und Speisevorschriften ließen sich aber auf Dauer nicht durchhalten. Die Mönche entwickelten immer neue Überlebensstrategien, berichtet Historikerin Schumacher. So erlernten sie etwa eine Zeichensprache, mit der sie sich bei Tisch mühelos verständigen konnten, ohne formal das Schweigegebot zu brechen, und die umfangreichen Fastenvorschriften wurden fantasiereich aufgeweicht und unterlaufen.

Das Leben im Kloster war streng geregelt

Das Leben im Kloster war streng geregelt

Da der Genuss von Fisch immer - auch an Fast-Tagen - erlaubt war, kamen häufig Fischspeisen auf den Tisch. Geflügel wurde nach einer lang andauernden "Hühnerdiskussion" im elften Jahrhundert zum Verzehr mit der Begründung zugelassen, Vögel seien nach dem biblischen Schöpfungsbericht am gleichen Tag erschaffen worden wie die Fische.

Kostproben nach mittelalterlichem Rezept

Auch das anfangs strikte Fleischverbot ließ sich auf Dauer nicht halten: nach ungemein zahlreichen Anläufen wurde es 1336 von Papst Benedikt XII. aufgehoben. Von da an durfte es drei Mal wöchentlich Fleisch geben. Zudem nutzten die listigen Mönche immer neue Sondervorschriften: weil die Fastengebote für Kranke nicht galten, simulierten sie häufig Krankheiten und erlabten sich dann an den für andere verbotenen Köstlichkeiten. Die Teilnehmer der Führungen von Dagmar Schumacher können erleben, womit im 15. und 16. Jahrhundert gekocht und welches Tischgeschirr benutzt wurde. Außerdem werden Kostproben von Speisen und Getränken nach mittelalterlichen Rezepten gereicht. (epd)

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