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Asien

Von Bollywood nach Berlin

Im Jahre 2002 kam der Inder Sanjay Shihora der Liebe wegen nach Berlin. Heute findet er immer mehr Fans: als Stand-up Comedian in seinem eigenen Berliner Kookaburra-Klub.

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Die Berliner Comedians Sanjay Shihora und Sanam Afrashteh

Sanjay Shihora greift nach einem grünen Papier-Lampion, klappt ihn auf und setzt sich ihn Kopf. Der improvisierte Kopfschmuck erinnert sofort an einen indischen Turban. Aus seiner Herkunft macht Sanjay Shihora bei seinen Auftritten keinen Hehl, im Gegenteil: Er genießt sie in vollen Zügen: „Die Leute fragen mich immer wieder: ‚Hey, Du kommst aus Indien, Du lebst hier in Europa, gibt es da einen Kulturunterschied?’“ Sanjay Shihora ist sich sicher: Ja, den gibt es.

Unterschiedliche Kulturen, universaler Humor

„In Europa sagen die Leute: Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen. In Indien sagen wir: Dinge, die mir widerstreben, verschiebe ich auf das nächste Leben. Wir glauben nämlich an Recycling, an die Wiedergeburt!" Man könnte sagen, Sanjay Shihora ist in Europa bereits schon einmal wiedergeboren worden. Aufgewachsen in Indien, entdeckte ihn der Star-Pantomine Marcel Marceau bei einem franzöisch-indischen Festival und lud ihn ein, an seiner Schule in Paris Pantomine zu studieren. Hier begann das zweite Leben des Sanjay Shihora. Während er in Indien, wie er heute sagt, vor allem „ernstes Theater“ spielte und in Bollywoodfilmen auftrat, entdeckte er in Europa den Komiker in sich.

Aus Liebe nach Berlin

Nach Berlin zog er wegen seiner Frau Svenja, die er während seines Pantomine-Studiums in Paris kennen gelernt hatte. Der Berliner Flair und die lebendige Kulturszene überzeugten ihn sofort, doch eines fehlte: ein gemütlicher Comedy-Club, ein kleines Wohnzimmertheater mit Bar, so wie er als aus seiner Zeit als Stand-Up Comedian in London kannte. In den Räumen einer pleite gegangenen Bank eröffnete er 2002 in Berlin-Mitte seine eigene kleine Comedy-Welt, den Kookaburra-Klub. Seitdem treten hier täglich bekannte und weniger bekannte Komiker und Kleinkünstler auf, der Eintritt kostet zwischen 8 und 12 Euro.

Heimelige Atmosphäre auf dem Wohnzimmersofa

„Wenn ich damit reich werden wollte,“ sagt Shihora heute, „müsste ich einen Clubeintritt von 20 oder 25 Euro nehmen, das ist aber nicht das Ziel!“ Klein und gemütlich, das ist das Motto seines Klubs. „Ehrlich gesagt macht es mir mehr Spaß, mit wenigen Leuten zu spielen, die mit Freude dabei sind, als in einem Riesensaal mit 500 Leuten.“ An diesem Samstagabend sitzen nur rund 40 Zuschauer im Saal, der mit seinen kleinen Tischen und Sofas tatsächlich eher etwas von einem Wohnzimmer hat. Die Atmosphäre ist sehr entspannt, das Publikum amüsiert ist, verzeiht auch den ein oder anderen flachen Witz und belohnt Sanjay mit viel Applaus.
Seit 6 Jahren schon betreibt Sanjay Shihora den Kookaburra-Klub. Aufhören will er erst, wenn er eines Tages auf der Bühne steht, und ihm Comedy keinen Spaß mehr macht. Dass dieser Zeitpunkt einmal eintrifft, kann man sich angesichts der jeden Abend zufrieden lachenden Zuschauer allerdings nur schwer vorstellen.