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Asien

Von Barfußärzten und Krankenkassen

Auf dem Nationalen Volkskongress in Peking wird es auch um die Reformen auf dem Land gehen. Die Regierung hat die Entwicklung ländlicher Gebiete zum Ziel erklärt. Dazu gehört eine flächendeckende Gesundheitsversorgung.

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Die Lebensbedingungen auf dem Land sind hart

Stolz führt Wang Ying die Besucher in das Behandlungszimmer des „Hygienezentrums“ in einem Dorf am Stadtrand von Peking. Die Wände strahlen in frischem Weiß, der Boden glänzt. Jeder Dorfbewohner könne sich hier einmal im Jahr hier kostenlos untersuchen lassen, erklärt sie. „Der Kreis zahlt einen Anteil und das Dorf gibt auch etwas dazu.“

Ärzte und Barfußärzte

China Alltag Land und Leute in Kanton

Mittagpause in einem Dorf bei Kanton

Das Hygienezentrum, wie Krankenstationen in den Dörfern heißen, ist erst zwei Jahre alt. 1000 Menschen erhalten hier eine medizinische Grundversorgung. Die Behandlung ist kostenlos, die Medikamente müssen die Patienten selbst zahlen. Das Dorf ist wohlhabend. Es liegt im Einzugsgebiet des Pekinger Flughafens und profitiert kräftig von den Steuereinnahmen. Hier kann man es sich leisten, mehr Geld in die Gesundheitsversorgung zu investieren als üblich. Es gibt Krankenschwestern, Allgemeinmediziner und sogenannte „Landärzte“ – eine chinesische Besonderheit und ein Erbe aus der Mao Ära.

In den fünfziger Jahren führten die Kommunisten zum ersten Mal ein kostenloses Gesundheitssystem ein. Doch genug Ärzte, um Hunderte Millionen Bauern zu versorgen, hatte China nicht. In Schnellkursen bildete der Staat deshalb medizinisches Personal aus. „Barfußärzte“ werden sie im Volksmund genannt.

Zusammenbruch des alten Systems

China Unterschicht Wanderarbeiter in Peking am Hauptbahnhof

Auch Wanderarbeiter sollen in das Gesundheitssystem integriert werden

Vom Staat bezahlt behandelten sie die Bauern kostenlos. Doch nach dem Ende der Planwirtschaft brach das System zusammen. Lange gab es für die Landbevölkerung gar keine erschwingliche Krankenversorgung. Doch weil seit einigen Jahren die sozialen Spannungen in China zunehmen, ist die Armut der Landbevölkerung und der Wanderarbeiter in den letzten Jahren ins Bewusstsein der Führung in Peking gerückt. Die Ausweitung der Sozialsysteme auf Bauern und Wanderarbeiter ist eines der großen Projekte der Führung in Peking. Als ersten Schritt hat sie eine minimale Krankenversicherung für die Landbevölkerung etabliert. "Das System funktioniert ziemlich gut“, sagt Hubert Stüker, der die chinesische Regierung im Auftrag der EU berät. Weil der Eigenanteil für jeden Haushalt nur 10 Yuan im Jahr beträgt – das ist ein Euro – werde das Angebot flächendeckend genutzt. Die Regierung erklärt, dass bereits 700 Millionen Bauern an der Versicherung teilnehmen. Die Kosten teilen sich Zentral- und Provinzregierungen. Ein Rentensystem soll folgen. Bis 2020 soll jeder Chinese zumindest eine minimale Kranken- und Rentenversicherung haben.

China Alltag Land und Leute in Kanton Verkehr Bauer

Bauer bei Kanton

"Ich habe nicht daran geglaubt"

Ein paar Straßen von der Hygienestation entfernt wohnt der Bauer Zhao Lianjiang. In seinem Landkreis gibt es die Versicherung bereits seit 2004. „Ehrlich gesagt habe ich nicht geglaubt, dass dabei etwas herauskommt", erinnert er sich. Trotzdem trat er dem System bei.

Zhaos Tochter hat eine Nierenkrankheit und braucht regelmäßig Dialysen. Zwar verdient Zhao für einen chinesischen Bauern überdurchschnittlich gut, dennoch schlagen die Kosten deutlich zu Buche. Deshalb hat er sich für die höchste Versicherungsstufe entschieden. 60 Prozent der Behandlungskosten bekommt die Familie nun zurück, weit mehr als die gesetzliche Kasse für Bauern abdeckt, die jetzt landesweit eingeführt wurde. Dort bekommen Bauern maximal 300 Euro erstattet. Doch wohlhabende Landkreise stocken die Versicherung manchmal auf eigene Kosten auf. Zhao Lianjiang hat das Glück, am Standrand von Peking zu leben.

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