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Kultur

Vom Zuckerhut zum Kölner Dom

Neben dem etablierten Kölner Sitzungskarneval hat sich eine alternative Karnevalsszene in Hinterhöfen und alten Fabrikhallen entwickelt. Ein Verein feiert einen multikulturellen Karneval mit regionalem Ambiente.

Ein als Indianer verkleideter Mann nimmt am Rosenmontag (07.02.2005) in Köln am Karnevalsumzug teil.

Es muss nicht immer das Clowns-Kostüm sein: Rosenmontag in Köln (Archivbild)

"Den 'Humba Efau' (e.V. = Eingetragener Verein) haben wir gegründet, weil wir den Karneval in Köln toll finden, aber die Musik sich nicht so richtig toll entwickelt hat", erzählt Jan Krauthäuser, Vorstandsmitglied des Vereins, der sich für "regionale Kultur und progressives Brauchtum" stark macht.

Vor allem die ewig gleich Blasmusik war den Humba-Leuten ein Dorn im Auge - oder besser gesagt: im Ohr. Also schielten Jan Krauthäuser und seine gleich gesinnten Mannen und Frauen auf die Kölner "Multi-Kulti-Szene" und entdeckten unter der verkrusteten Oberfläche des eingefahrenen Brauchtums ermutigende neue Klänge. Dazu zählt etwa der Jodelsong einer persischen Sängerin.

Eurasisches Blaskombinat spielt auf

"Es gibt so viele tolle Musiker der unterschiedlichsten Kulturen in Köln, die wir beauftragen wollen, etwas für den Kölschen Karneval zu machen", erhofft sich das Vorstandsmitglied. "Dabei war uns wichtig, dass es nicht nur so ein Multikulti-Projekt ist, sondern dass es wirklich um praktizierte Regionalkultur geht." Eine gute Regionalkultur löse ein bisschen die Mauern und Ghettoschranken auf, so Krauthäuser.

Türkische Hochzeitsmusiker aus Köln und Istanbul, groovende Latinos, österreichische Alpenrocker oder gar ein eurasisches Blaskombinat adaptieren kölsche Klänge oder präsentieren schräge Eigenschöpfungen. "Für mich ist es eines der spannenden Elemente, dass gute Musik dann entsteht, wenn sie regionale Kultur mit globalen Tendenzen vermischt", betont Krauthäuser. Dafür sei Humba in Köln bereits eine Art Hotspot.

Multi-kulti, den Römern sein dank

Karnevalisten, als Clowns kostuemiert, feiern am Donnerstag, 19. Feb. 2004, vor dem Dom in Koeln den Beginn des Strassenkarnevals.

'Mr losse dr Dom in Kölle': Multi-kulti Karneval sieht anders aus

Auf Berührungsängste mit dem Kölschen Karneval ist der Humba Efau-Vorstand bei seiner Suche nach talentierten ausländischen Musikern nicht gestoßen - dann schon eher bei einigen Deutschen. "Viele Ausländer haben wesentlich weniger Probleme mit Volkskultur oder Karneval als der hoch gebildete Deutsche", erklärt Krauthäuser. "Für uns war es schwieriger, einen Kurs für die indonesische Musikrichtung Gamelan, der fast nur aus deutschen Akademikern bestand, dazu zu bewegen, Karnevalslieder einzustudieren, als eine lateinamerikanische Band in den Karneval zu holen."

Aber eigentlich hat der traditionelle Mix schon seit 2000 Jahren Tradition in Köln, findet Krauthäuser. "Köln ist ja ein uraltes Durchzugsgebiet und seit dem Neanderthaler sind hier natürlich immer die unterschiedlichsten Völker durchgezogen." Auch die Römer, die in der Antike in der Region waren, seien meistens keine Römer, sondern Legionäre aus den Randgebieten Vorderasiens und Nordafrikas gewesen. "Daher gibt es diesen Multikulti-Mix in Köln eigentlich schon seit der Gründung", sagt das Vereinsmitglied.

Eine Brasilianerin lernt Kölsch

Seit genau zwölf Jahren mischt Humba Efau mittlerweile die etablierte Musikszene auf und das nicht nur in der närrischen Zeit. Denn irgendwie ist im Rheinland immer ein bisschen Karneval. "Wir machen mittlerweile eine Sommertour, um auch Leute zu erwischen, die noch nicht mit dem Multi-Kulti-Virus infiziert sind." Es sei schon so etwas wie eine Missionsarbeit, findet Krauthäuser.

Die Brasilianerin Marcia Ramalho ist von Anfang an beim Humba Efau dabei. "Bei Humba stehen alle Möglichkeiten offen. Ich versuche, mir den Kölschen Dialekt beizubringen und nebenbei bringe ich meine Karnevalstradition aus Brasilien mit", erklärt Ramalho. "Ich finde, das ist eine tolle Mischung, die man hier in Köln auch dank Humba findet."

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