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Kultur

Vom Youngster möglichst bald zum Jung-Star

Sie zeigen Design wie es auch sein könnte: die Youngsters des Designmai in Berlin. Ihr Design ist nah an der Grenze zur Kunst, mal sinnlos, mal erfrischend innovativ. Ein Sprungbrett für die Karriere als Designer?

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Chillen in der Youngsters-Lounge

Der dritte Designmai in Berlin hat drei große Standorte. Einer ist dort, wo früher Fabrikarbeiter hart schufteten: in der Kunstfabrik am Flutgraben in Berlin. Vom fünften bis zum 16. Mai wird sie von 35 jungen deutschen und internationalen Designern und deren Stücken belagert.

Das denkmalgeschützte Gebäude mit den roten Backsteinmauern und den schmutzigen Fenstern ist eine echte Designer-Fundgrube. Denn auch ohne den Designmai ist die Kunstfabrik das Heim vieler Designer-Ateliers. Den alten Industriecharakter hat die Kunstfabrik trotzdem nicht verloren. Jeden Moment könnten auch die alten Fabrikarbeiter hineinspazieren und ihre Arbeit wieder aufnehmen. Nur die Maschinen fehlen.

Design wird beinahe zur Kunst

Designmai 2005

Durch Zerstörung zum Design: Pistolenschuss durch Silikonvase

Steigt man die Treppen hinauf zur Youngsters-Galerie, verwandelt sich das Gebäude. Die alten dreckigen Stufen und Wände werden zu einem hellen Flur und schließlich zum weißen, lichtdurchfluteten Galerieraum. Jedes Ausstellungsstück hat reichlich Platz. Der "teuerste" Mantel der Welt von Silke Wawro, zusammengenäht aus 7500 Labels, genauso wie die Vase aus Silikon, die die New Yorker Künsterlin Jeewon Jung mit einer Pistole senkrecht durchschossen hat.

Designmai 2005

Früher für die Entleerung, jetzt für die Beschallung: Toilettenlautsprecher

Hier bekommen auch Alltagsgegenstände eine neue Bedeutung und Funktion. Kaum wieder zu erkennen sind beispielsweise die Toilettenschüsseln, die Ralf Breternitz zu Lautsprechern umfunktioniert hat. Oder die einfachen gelb-schwarzen Netto-Plastiktragetaschen, die Tonia Welter in ihrer schönen neuen Welt aufgeblasen und zu Laptoptragetaschen verwandelt hat.

Bei manchem Ausstellungstsück stellt sich nicht nur die Frage nach der Funktion - auch der Sinn bleibt im Verborgenen. Wie beim Erwachsenen-Egg - in Anlehnung an das Kinder-Überraschungsei. Die Seile und Metallgegenstände des Erwachsenen-Egg lassen sich jedoch nicht sinnvoll zusammensetzen. Bei den Youngsters ist das erlaubt. Design darf sinnlos sein. Und auch die Anwendung im Alltag ist kein Muss.

Gute Ideen, die schwer zu verkaufen sind

Designmai

Hochhinaus will Thijs Ewalts mit seiner mobilen Aussichtsplattform

Wie beim mobilen Aussichtspunkt vom Niederländer Thijs Ewalts. Der Designer hat eine Aussichtsplattform in einen Kleintransporter eingebaut. Die Plattform kann bis zu fünf Metern Höhe ausgefahren werden. "Man ist total flexibel und kann damit überall hinfahren", sagt Ewalts. Eine Bauanleitung gibt es auch. "Es ist so einfach, dass sich jeder seine eigene Aussichtsplattform bauen kann. Das soll praktisches Design sein." Einen Abnehmer hat er noch nicht dafür gefunden. Noch keines seiner entworfenen Stücke hat es je bis in die Industrie geschafft. "Der Markt ist hart, vor allem hier in Deutschland", sagt Ewalts.

In den Niederlanden werden junge Designer stärker gefördert. Mit einer guten Idee, die gesellschaftlichen Nutzen hat, bekomme man schnell ein staatliches Stipendium sagt Ewalts. So arbeite ein Freund von ihm zum Beispiel an einem Projekt für neues Straßendesign in den Niederlanden.

Träume vom großen Auftrag

Trotzdem ging Ewalts nach Abschluss der Design-Akademie in Eindhoven nach Berlin. "Es ist wie ein Zentrum für Künstler und Designer. Ich denke, in den nächsten Jahren werden auch viele Ideen aus Osteuropa hierher kommen." An der Seite von Designmai-Youngsters-Organisator Jörg Suermann bereitete Ewalts die Ausstellung mit vor. Er hofft wie die anderen, dass neben dem Spaß am Designen für die Youngsters auch die Industrie von seiner Idee erfährt. Sein Traum: die Idee nicht einfach nur zu verkaufen, sondern am weiteren Entwicklungsprozess mitzuarbeiten.

Designmai 2005

Jan-Philipp Wittrin sitzt den Beweis - sein Wasserrohrstuhl ist stabil

Darauf hofft auch der deutsche Jungdesigner Jan-Philipp Wittrin. Er hat zusammen mit einem weiteren Produktdesigner und einem Bildhauer die POG. Design and Art Group gegründet. Ihre Ausstellungsstücke stehen neben dem Eingang zur Kunstfabrik in einem Laster - dem Poghaus-LKW. Eine Tasche aus zwei roten Malergittern oder ein Stuhl aus dünnen beigen Wasserrohren - Baumaterialen verwandeln sich im Poghaus-Baumarkt zu Designerstücken.

Ein hartes Pflaster und die einzige Chance

Vor zwei Jahren hat Jan-Philipp Wittrin sein Diplom an der Bauhaus-Universität in Weimar gemacht. Seitdem gab es immer wieder kleinere Aufträge von Designbüros. "In Deutschland hat man es verdammt schwer, als Designer Fuß zu fassen. Von Förderung kann keine Rede sein", sagt er. Und trotz der hohen Konkurrenz und der fehlenden Industrie ist Berlin für Wittrin der einzige Ort, an dem er in Deutschland arbeiten möchte. "Berlin ist ein einziges Spannungsfeld. Man bekommt immer neue Impulse." Eine andere Möglichkeit sei dann nur noch das Ausland.

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