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Kultur

Vom Würfel bis zum Joystick

Auf der internationalen Spielemesse in Essen (23. bis 26.10.) stellt die Branche ihre Neuheiten vor. Die Spielkultur ist im Wandel begriffen, die umfassende Vermarktung wächst. Neueste Entwicklung: der Roman zum Spiel.

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Nur scheinbar unpopulär: das gute alte Brettspiel

Sonntagabend, draußen regnet es. Drinnen sitzt die Familie um den Küchentisch, Mutter hat die Lesebrille aufgesetzt, vor sich ein Brett mit Holzfiguren. Spielkarten und Geldscheine wechseln den Besitzer - so sah er früher aus, der klassische Spieleabend. Inzwischen geht es auch anders: Dann steht das Spielbrett im Internet, die Mitspieler machen ihre Züge per Mausklick, Finger fliegen über die Tastatur, und auf dem Bildschirm entstehen künstliche Welten.

Auf den "Internationalen Spieltagen 2003" in den Essener Messehallen findet man beide Spielwelten: die guten alten Brettspiele, Spiele für Erwachsene und Kinder, Rollenspiele, Fantasy und Science Fiction - und natürlich, wie schon seit Jahren, alle Arten von Computerspielen. Auf 36.000 Quadratmetern haben die Besucher die Gelegenheit, alle Spiele auszuprobieren – ob klassisches Kartenspiel oder neustes Cyber-Game.

Keine echte Konkurrenz

Die Befürchtung, Computerspiele könnten das alte Brettspiel verdrängen, sind unangebracht. "Das Spielen in Wohnzimmern - oder wo auch sonst gespielt wird – lässt nicht nach", sagt Stephan von Löchtern, Chefredakteur des Internetforums "spieltrieb", im Gespräch mit DW-WORLD.

Computerspiel Anno 1503 Kleines Dorf

Moderne Spieloberflächen wirken täuschend echt

Online-Spiele brächten ein weiteres, neues Element des Spielens. Durch das Internet finden Spieler zusammen, die Hunderte Kilometer auseinander wohnen – Globalisierung auch in der Spielkultur. Was man früher mühsam in der Spielanleitung nachlesen musste, beantworten Internetforen heute in Minutenschnelle, unzählige Internetseiten zum Thema "Spiel" fungieren als Ratgeber.

Clevere Vermarktung

Cross over: Ein Fachbegriff aus der Wirtschaft taucht auch im Bereich Spiele immer wieder auf. Was im vergangenen Jahr noch als Brettspiel-Neuheit vorgestellt wurde, ist jetzt als Computerspiel auf dem Markt; Werbehinweise wie "das Spiel zur Fernsehserie" keine Seltenheit mehr. "Wer wird Millionär" als Brettspiel?

Solche Adaptionen müssen nicht automatisch schlecht sein, sagt Stephan von Löchtern: "Die Verlage haben verstanden, dass reine Merchandising-Produkte sich auf Dauer nicht durchsetzen". Deshalb werden alle Inhalte an die individuellen Medienformen – Spiel, Buch, Film – angepasst.

Die Siedler von Catan auf 800 Seiten

Roman zum Spiel: Die Siedler von Catan

Der Roman zum Spiel "Die Siedler von Catan"

Letzte Neuentwicklung in diesem Bereich ist ein gerade erschienener "Roman zum Spiel". Die Schriftstellerin Rebecca Gablé hat auf der Grundlage des erfolgreichen Brettspiels "Die Siedler von Catan" einen historischen Roman geschrieben, einen Wälzer von 800 Seiten. Der sei aber auch zu verstehen, wenn man das Spiel nicht kennt, betont Peter Molden von der Geschäftsführung der Lübbe Verlagsgruppe, die den Roman herausgegeben hat.

Seiner Meinung nach sind der Vermarktung einer Idee in unterschiedlichen Medien keine Grenzen gesetzt – solange der Stoff optimal angepasst werde. Eine Weiterentwicklung sei durchaus denkbar, so Molden. Ein Film zum Thema Siedler werde wahrscheinlich an den Kosten scheitern, aber "ich bin mir sicher, dass es das irgendwann einmal geben wird." Das passende Hörbuch zu Spiel und Roman ist jedenfalls schon in Arbeit.

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