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Fußball

Vom Trainingscamp zum Festvertrag

Wenn am 5. August die Bundesliga startet, sind einige Fußballer nur Zuschauer - wegen Arbeitslosigkeit. Für solche Profis ist ein Trainingscamp in Duisburg oft die letzte Hoffnung bei der Suche nach einem neuen Verein.

Dortmunder Spieler jubeln mit ihren Fans (Foto: AP)

Wenn man arbeitslos geworden ist, setzt man sich in den meisten Fällen hin und beginnt mit Bewerbungsschreiben für eine neue Stelle. Bei manchen Tätigkeiten ist dies schwierig - wie zum Beispiel im Profifußball. Die Möglichkeit, als vereinsloser Spieler fest in eine neue Mannschaft zu kommen, ist eher gering. Fußballer müssen sich daher den Trainern verschiedener Vereine präsentieren können, um eine Chance auf eine Einstellung zu haben. Außerdem verlangt das Spielen in einer Liga enorme körperliche Fitness. Allein durch Einzeltraining lässt sich diese kaum aufrechterhalten. Aber wie bekommt man nun eine Chance, diese Faktoren zu kombinieren?

Erfolgreiches Konzept

Ulf Baranowsky (Foto: dpa)

Ulf Baranowsky

Das Trainings-Camp der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV) ist die Antwort. Die VDV organisiert seit 2003 jährlich ein Fußball-Camp für vereinslose Spieler. Von Juli bis September wird in der Sportschule Wedau in Duisburg vier Mal die Woche zwei Mal täglich trainiert, um vereinslosen Fußballern eine optimale Vorbereitung auf die eventuelle Übernahme in einem Verein zu bieten. Damit die Spieler sich der Öffentlichkeit zeigen können, werden Testspiele gegen regionale Fußballclubs organisiert. Vereinstrainer und Manager werden zu diesen Spielen eingeladen. Sie können sich so der individuellen Leistung der Spieler versichern.

Wie erfolgreich dieses Konzept ist, erklärt VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky: "Im letzten Jahr hatten wir über 100 Anmeldungen. Und 85 Prozent der Spieler bekamen am Ende auch einen Job." Die Arbeitslosigkeit unter Profifußballern ist keine Seltenheit. Durch eine Verletzung könne die Karriere auch bei jungen Spielern von einem auf den anderen Tag vorbei sein, so Baranowsky. Außerdem liege das Problem in Insolvenzen von Vereinen und dem Vertragsauslauf beim Abstieg, so Baranowsky weiter.

Cheftrainer Christian Wück kann es selbst kaum glauben, "was für Spieler gerade im Camp sind". Manche von ihnen hätten mit Sicherheit Fähigkeiten, um in einer der ersten vier Ligen zu spielen. Gerade in der dritten und vierten Liga gebe es Bedarf nach günstigen, aber gut ausgebildeten Spielern. Deswegen setzt Wück auch auf die kommenden Testspiele. Wenn sich die Spieler dabei gut präsentieren, gebe es für sie durchaus Möglichkeiten, vermittelt zu werden.

Das Team ist das Ziel

Spieler im Trainingscamp in Duisburg-Wedau (Foto: DW)

Training im VDV-Camp

In den VDV-Mannschaften sind das Alter und die Erfahrungen der Fußballer recht unterschiedlich. Dennoch haben alle das gleich Ziel: die baldige Vermittlung. Mit der Hoffnung auf eine Festanstellung ist die Motivation für eine Topleistung sehr hoch. Dabei verlangt der körperliche Einsatz beim täglichen Training den Spielern einiges ab. Die Stimmung sei trotzdem positiv, sagt der ehemaliger Profi des MSV Duisburg, Robert Kruppa, denn: "Es gibt nicht so einen Konkurrenzkampf wie in normalen Vereinen. Alle kommen gut miteinander klar."

Der 30-jährige Roland Benschneider schränkt zwar ein, dass der Anlass, an einem VDV-Camp teilzunehmen, nicht so schön sei. Der frühere Spieler des 1. FC Köln blickt aber positiv in die Zukunft: "Wir sind guter Dinge, dass wir in absehbarer Zeit wieder einen Job haben werden", sagt Benschneider.

"Von Profis für Profis"

Weil die Arbeitslosigkeit jeden treffen kann, wie zwischenzeitlich den ehemaligen Nationalspieler Gerald Asamoah, engagieren sich prominente Fußballer für die VDV. Dazu gehören Christoph Metzelder, Carsten Ramelow, Simon Rolfes, Sebastian Kehl, Per Mertesacker und auch Asamoah selbst. Sie sind wichtige Mitglieder, die sich für vereinslose Spieler und Hilfsangebote für Vertragsfußballer einsetzen. Wie Geschäftsführer Baranowsky betont, ist die VDV ein Verein "von Profis für Profis".

Gerald Asamoah im Trikot des FC St. Pauli (Foto: dpa)

Ex-Nationalspieler Asamoah hält sich nicht im VDV-Camp, wohl aber beim Fünftligisten VfB Hüls fit

Nicht nur beim jährlichen Fußballcamp engagiert sich die VDV, sondern auch fernab des grünen Rasens. Schulungsveranstaltungen unter dem Motto "Fit for Job" bereiten junge Menschen und ihre Eltern auf die Risiken des Profifußballs vor und informieren sie auch über die Möglichkeiten einer parallelen Berufsausbildung.

Für die Zukunft hat die VDV noch weitere Ziele. Als nächstes soll laut Baranowsky ein Tarifvertrag im Lizenzfußball eingeführt werden. "Ein solcher Tarifvertrag würde viele Vorteile für den Gesamtfußball mit sich bringen, Rechtsicherheit schaffen und damit das System noch stabiler machen", so Baranowsky. Für mehr Sicherheit also in einem Traumberuf, der mit hohen Risiken verbunden ist.

Autorin: Jannike Bartkowiak
Redaktion: Arnulf Boettcher

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