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Fußball

Vom Straßenkicker zum Bundesligaprofi

21 Jahre alt und kaum Profi-Erfahrung - trotzdem hat Anthony Ujah das Unmögliche geschafft. Für den Bundesligisten Mainz 05 gegen Teams wie Bayern München zu spielen sei ein Traum, sagt der Nigerianer.

Eine kleine Gruppe von Zuschauern des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 schaut der Mannschaft beim Training zu. Die Frühlingssonne ist endlich da, und mehrere Profis passen sich im Kreis mit Begeisterung den Ball zu. In der Kreismitte ist einer der Jüngsten im Team, Anthony Ujah. Er läuft mit einem breiten Grinsen hin und her und versucht, den Ball zu erwischen.

Robert, ein junger Mainzer Fan, mag es, wie der neue Stürmer seine Arbeit angeht. "Ujah hat wenig für uns gespielt, das finde ich schade", sagt der 15-Jährige. "Es würde mich aber freuen, wenn er öfter in der Startelf wäre."

Die Statistik gibt Robert recht - Ujah war bis jetzt vor allem Ersatzspieler in Mainz. Nur vier Mal stand er in der Startformation bei einem Bundesligaspiel auf dem Platz. Der junge Nigerianer bleibt aber gelassen. "Mein Weg in die Bundesliga passierte so schnell. Wenn ich jetzt nicht viel spiele, ist es mir nicht so wichtig." Viel mehr sei es eine "große Ehre", für Mainz zu spielen.

Anthony Ujah mit Spielerkollegen von Mainz 05 im Training (Foto: Kathleen Schuster)

Anthony Ujah (2.v.r.) genießt das Training, mehr Spielminuten in der Bundesliga würden ihn aber auch freuen

Der Traumstart

Mit 19 Jahren ist der junge Stürmer von Nigeria nach Norwegen gezogen. Für den Erstligisten Lillestrøm SK schoss er 27 Tore in nur 36 Spielen. Und dann kam 2011 das Angebot aus Mainz. Seine erste Partie in Deutschland war ein Testspiel gegen Bayern München. "Ich habe zehn Minuten gebraucht, bis ich überhaupt zur Ruhe kam. Bis dahin hatte ich solche Stars nur auf dem TV-Bildschirm gesehen."

Anthony Ujah - oder Tony, wie er in Mainz genannt wird - ist in Ugbokolo im zentralen Nigeria aufgewachsen. Nigeria ist das größte Land Afrikas, was die Einwohnerzahl angeht. Seine Kindheit beschreibt Ujah als ganz normal. Er findet es aber unglaublich, dass er den Weg in die Bundesliga geschafft hat. "Es ist einfach lustig. Ich habe am Anfang immer barfuss auf den Straßen gekickt. Manchmal spielten wir nur mit einer Orange."

Fußball in der Familie

Ujahs Vater war auch ein guter Fußballer, entschied sich aber für einen Beruf und ein internationales Studium. Dennoch unterstützte er die sportliche Laufbahn seines Sohnes. "Ich habe mein Bestes in der Schule gegeben, aber es hat nicht funktioniert", sagt der heute 21-Jährige. "Irgendwann hat mein Vater das gemerkt, und er hat meine Fußballkarriere abgesegnet." Und tatsächlich schaffte Anthony den Sprung in die erste nigerianische Liga – zum neuen Club FC Abuja. Dann wechselte er zum Verein Warri Wolves, bevor es nach Norwegen ging. Während seiner zwei Jahre in Skandinavien konnte seine Familie ihn nicht einmal im Fernsehen oder live erleben.

Der Mainzer Anthony Ujah (r.) erzielt einen Treffer gegen den VfB Stuttgart (Foto:

Ujahs "Doppelpack" für Mainz gegen Stuttgart markierten einen stolzen Tag für seine Familie

Das erste Bundesliga-Spiel, das sein Vater anschauen konnte, war die Partie Mainz gegen den VfB Stuttgart, als Anthony zwei Tore erzielte. "Er war so stolz auf mich, ich hätte mir nicht mehr wünschen können."

"In der Bundesliga einen Namen machen"

Ujahs Trainer in Mainz, Thomas Tuchel, ist vor allem von den athletischen Fähigkeiten des Stürmers überzeugt. Auch sein Abschluss vor dem Tor sei gut, meint Tuchel. Probleme gebe es aber noch mit der deutschen Sprache. "Es ist schwer für ihn", sagt Tuchel. "Es ist nicht nur ein großer sportlicher Schritt, nach Deutschland zu kommen, sondern auch ein kultureller. Wir wissen, dass er erst einmal Zeit braucht."

Bei vielen Trainingseinheiten und nur wenigen Spielminuten sei es wichtig, die richtige Einstellung zu finden, sagt Anthony. Vor allem wenn er seine Traumliga, die englische Premier League, irgendwann erreichen will. "Meine erste Saison hier war nicht so wunderbar - aber meine Träume haben sich deswegen nicht geändert", sagt der Stürmer. Um nach England zu kommen, brauche man harte Arbeit und Disziplin. "Ich will mir hier erst einen Namen in der Bundesliga machen, danach kann ich an die Zukunft denken."