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Asien

Vom starken Mann zum Diktator - General Pervez Musharraf hat in Pakistan bitter versagt

Er war angetreten, das Land von Korruption und Willkür zu befreien. Neun Jahre später hatte Pervez Musharraf alle Sympathien im Volk verspielt und galt als machtverliebter Diktator.

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Dem Westen galt er als treuer Verbündeter, in Pakistan dagegen wuchs der Widerstand gegen Musharrafs Politik

Erst galt er als starker Mann Pakistans, dann als Bush-Freund und Militärdiktator. Als General Pervez Musharraf am 12.Oktober 1999 die Macht in Islamabad übernahm, fiel kein einziger Schuss. Niemandem wurde bei diesem Militärputsch ein Haar gekrümmt. Trotzdem hatte der damalige Ministerpräsident Nawaz Sharif nicht den Hauch einer Chance, seine Position zu verteidigen. Musharraf hatte den Umsturz perfekt geplant - ganz so, wie er es als Armeechef gewohnt war.

Er schickte seine Soldaten aus, um Sharif unter Hausarrest zu setzen und übernahm die Hauptstadt in einer Nacht- und Nebelaktion. In der Bevölkerung überwog zu diesem Zeitpunkt die Sympathie für den Armeegeneral, hauptsächlich, weil die Regierung Sharif – wie auch die vorherigen Regierungen – als durch und durch korrupt galt.

Vom Retter der Nation zum Handlanger der USA

USA Pakistan George W. Bush und Pervez Musharraf in Washington

Als Erfüllungsgehilfe der USA wurde Musharraf in seinem eigenen Land beschimpft

Die großen Versprechungen, die Musharraf seinem Land nach dem Putsch gemacht hatte, konnte der General allerdings nicht einhalten. Zwar blühte die Korruption während seiner ersten Jahre an der Macht nicht mehr ganz so ungehindert, aber wirtschaftlich kam Pakistan nicht aus dem Tief heraus. Mit eiserner Konsequenz gelang es Musharraf, extreme islamistische Kräfte aus der Regierung fernzuhalten – eine Strategie, die ihm viel Sympathie in der westlichen Welt eintrug, im eigenen Land aber zu Unwillen führte. Auch der hochgefährliche Dauerkonflikt mit dem verfeindeten Nachbarland Indien um die umstrittene Grenzregion Kaschmir wurde unter Musharraf entschärft.

Am 20. Juni 2001 ließ sich Musharraf zum Präsidenten von Pakistan wählen, obwohl er immer noch Armeechef war. Dieses Amt gab er erst Ende 2007 ab.

Nach den Terroranschlägen in New York und Washington 2001 bot sich Pakistans neugewählter Präsident sofort als Verbündeter des Westens im Kampf gegen den Terror der Taliban an. Diese Haltung brachte ihm großes Wohlwollen von Seiten der USA ein – die Pakistan fortan mit großen Dollar-Summen unterstützten. Für viele Pakistaner aber hatte Musharraf damit sein Land verraten. Er bekam den Spottnamen "Busharraf" verpasst, von seinem ursprünglichen Rückhalt in der Bevölkerung blieb nichts mehr übrig. Vor allem die gebildete Schicht im Land begann, gegen ihn zu kämpfen.

Am Ende alle Sympathien verspielt

Pakistan Präsident Pervez Musharraf tritt zurück Protest

Im Konflikt mit den Richtern und Anwälten hat Musharraf sich verrechnet. Am Ende traten seine Gegner sein Bild mit Füßen

Der Streit zwischen der Regierung Musharraf und den Richtern und Anwälten des Landes eskalierte immer weiter und brach dem General schließlich das politische Genick. Ende 2007 setzte Musharraf mehr als 60 regierungskritische Richter kurzerhand ab. Hunderte Anwälte durften ihren Beruf nicht mehr ausüben. Je größer der Widerstand gegen die Regierung wurde, desto mehr Kritiker wurden unter Hausarrest gestellt oder in die Gefängnisse gesteckt. Als im Oktober 2007 die beliebte Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto – zweimalige ehemalige Ministerpräsidentin mit korrupter Vergangenheit - aus dem Exil in ihr Land zurück kehrte, wurde sie begeistert empfangen. Sie setzte sich an die Spitze der Musharraf-Gegner. Im Dezember 2007 starb Benazir Bhutto durch ein Attentat und wurde so in den Augen der Bevölkerung zur Märtyrerin, obwohl nie geklärt werden konnte, wer für ihren Tod verantwortlich war. Musharrafs Zeit an der Macht war abgelaufen. Bei den darauffolgenden Wahlen wurde die ihn unterstützende Partei PMLQ nur noch drittstärkste Kraft im Land. Im August 2008 trat General Pervez Musharraf von seinem Amt als Präsident von Pakistan zurück.