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Afrika

Vom Sorgenfall zum Musterland

Ghana wählt am 7. Dezember einen neuen Präsidenten. Unter den letzten beiden Staatsoberhäuptern hat sich das westafrikanische Land zu einem Vorzeigestaat gemausert. Trotzdem kämpft auch Ghana mit massiven Problemen.

John Agyekum Kofuor (Quelle: AP)

Räumt nun den Präsidentensessel: John Agyekum Kofuor

Kwame Nkrumah 1961 (Quelle: AP)

Ghanas erster Präsident: Kwame Nkrumah

Unter dem Namen "Goldküste" war das heutige Ghana bis 1957 Teil des britischen Royal Empire. Dann erlangte der westafrikanische Staat die Unabhängigkeit, erstes Staatsoberhaupt wurde der Freiheitskämpfer Kwame Nkrumah. "Ghana ist frei für immer!" - sein Ausspruch von 1957 schrieb Geschichte. Ghana blieb für immer frei, Nkrumah allerdings wurde nach neun Jahren im Amt von seinem Präsidentensessel geputscht.

Ghana galt lange als politisch instabil

Jerry John Rawlings (Quelle: AP)

Der ehemalige Präsident Jerry John Rawlings

Auf den ersten Umsturz folgten weitere. Die Zeche zahlten die Ghanaer. Ihr Land wurde politisch immer instabiler und mit der Wirtschaft ging es bergab. Bis 1981 Jerry John Rawlings die Herrschaft übernahm. Auch er putschte sich an die Macht, betonte aber schon am Tag seiner Machtübernahme: "Dies ist nicht einer dieser einfachen Umstürze. Wir werden eine Revolution beginnen, die den Charakter und das Gesicht dieser Nation verändern wird."

Präsident Rawlings stand für Sanierung

Jerry John Rawlings festigte seine Macht wie seine Vorgänger-Putschisten mit Gewalt. Dann aber entwickelte er sich zu einem Reform- und Langzeitpräsidenten. Zwischen 1981 und 2001 führte er Ghana auf einen Sanierungskurs. Rawlings arbeitete eng mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank zusammen, trieb die Entschuldung voran und demokratisierte Ghanas politisches System. 1992 setzte er einen wichtigen Meilenstein in Ghanas Geschichte: Per Referendum ließ er über eine demokratische Verfassung abstimmen, die unter anderem die Zulassung von Parteien vorsah. Wenige Monate später trat sie in Kraft. Rawlings selbst bewies im Jahr 2000, dass er es ernst meinte mit dem demokratischen Wandel, als er sagte: "Am Ende meiner Amtszeit ist mein tiefster Wunsch zu sehen, wie mein Nachfolger ehrenhaft, fair und ohne jede Kontroversen gewählt wird." Sein Wunsch sollte sich erfüllen.

Auch der Vorzeigestaat hat noch Probleme

Goldmine in Ghana (Quelle: AP)

Goldmine westlich von Accra

Mit der Wahl von John Agyekum Kufuor zum neuen Präsidenten erlebte Ghana seinen ersten demokratischen Machtwechsel. Kufuor regiert seit 2001 über ein Land mit Vorbildcharakter. Medien- und Meinungsfreiheit sind garantiert, Korruption ist vergleichsweise wenig verbreitet. Fast 20 Parteien sind in der politischen Landschaft aktiv, und nur noch ein gutes Drittel der Ghanaer lebt unterhalb der Armutsgrenze. 1990 war es noch die Hälfte. Doch auch Ghana kämpft mit massiven Problemen: AIDS und andere Krankheiten sind weit verbreitet. Zudem fußt Ghanas Wirtschaft bis heute vor allem auf dem Export von Erdgas, Öl und Gold und ist damit abhängig von den Weltmarktpreisen. Zugleich bleibt Ghana auf Nahrungsmittel-Importe und Entwicklungshilfe angewiesen.

Außenpolitisch pflegte John Agyekum Kufuor Ghanas Beziehungen zu den USA und zu anderen westlichen Industriestaaten, auch in militärischer Hinsicht. Ghanas Armee ist seit langem an verschiedenen internationalen Friedensmissionen beteiligt, unter anderem im Libanon, in Darfur und im Kosovo. Mit Deutschland pflegt Ghana traditionell enge Beziehungen. Deutschland "unterstützt die westafrikanischen Länder dabei, sich von den politischen Turbulenzen und Konflikten der Region zu erholen", betonte Kufuor 2004. Um diese Erholung wird sich auch Kufuors Nachfolger kümmern müssen. Denn John Agyekum Kufuor selbst kandidiert nicht wieder für die Präsidentschaft. Die ghanaische Verfassung erlaubt keine dritte Amtszeit.