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Afrika

Vom Sockel gestürzt: Rhodes muss gehen

Seit Anfang März haben Studenten der Universität Kapstadt für das Entfernen der Cecil-John-Rhodes-Statue protestiert. Jetzt haben sie sich durchgesetzt: Der britische Kolonialist ist weg. Aus Kapstadt Julia Jaki.

Nur wenige Wochen dauerte es, bis Cecil John Rhode gehen musste. Am Donnerstag kurz vor 18 Uhr entfernen Handwerker die Statue des britischen Kolonialisten vom Campus der Universität Kapstadt. Die Studierenden feiern.

Alles begann vor rund vier Wochen mit einem Plastikbehälter voller Fäkalien. Am 10. März 2015 bewarf der Politik-Student Chumani Maxwele die Statue von Cecil John Rhodes auf dem Oberen Campus der Uni Kapstadt mit Exkrementen. Maxwele und eine Gruppe Mitstudenten forderten einen Strukturwandel in der Universität und die Entfernung der Rhodes-Statue, für sie ein Symbol der weißen Überlegenheit. In Anspielung auf Nelson "Madiba" Mandela äußerte Maxwele damals gegenüber südafrikanischen Medien: "Wie kann diese Statue an einer Straße stehen die ´Madiba Circle´ heißt? Wir färben die Geschichte schön, obwohl sie in Wahrheit schrecklich war." Cecil John Rhodes (1853-1902) gilt als Symbolfigur des britischen Kolonialismus und Rassismus in Afrika: Der Geschäftsmann, Minen-Magnat und Politiker verfolgte zeitlebens die Vergrößerung des britischen Empire, die Angelsachsen bezeichnete er als "erlesenste Rasse", ab 1890 war er sechs Jahre lang Premierminister der britischen Kap-Kolonie.

Proteste schwappen über

Studentin mit Klebeband über dem Mund, auf dem steht: #RhodesMustFall (Foto: REUTERS/Mike Hutchings)

Aus #RhodesMustFall ist #RhodesHasFallen geworden

Zwar äußerten sich Studierende in sozialen Netzwerken kritisch gegenüber der Verschmutzung der Statue durch Exkremente. Doch nur zwei Tage nach dem Fäkalien-Wurf wuchs die Zahl der Protestierenden auf Kapstadts Campus auf über 1000 an. Auf Twitter und Facebook formierte sich unter dem Hashtag #RhodesMustFall, Rhodes muss fallen, digitaler Protest. Ende März sprang der Funke von Kapstadt auf andere südafrikanische Universitäten über: Auf dem Howards Campus in Durban spritzen Studenten Farbe auf die Statue des britischen König Georg V. und forderten ein Ende der "Privilegien für Weiße". In Grahamstown protestieren Studierende für eine Umbenennung der "Rhodes University".

Rund 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid und den ersten demokratischen Wahlen formiert sich eine breite Bewegung gegen den institutionalisierten Rassismus an südafrikanischen Universitäten. "Das ist erst der Anfang", sagt Fumi Ngqele kämpferisch. Die Jurastudentin hat die Proteste an der Uni Kapstadt seit dem ersten Tag unterstützt. "Wenn diese reale Statue entfernt wurde, dann werden wir gegen die unsichtbaren Statuen in dieser Institution kämpfen, die den Prozess der Entkolonialisierung überdauert haben." An vielen Universitäten des Landes ist der Großteil der Lehrenden nach wie vor weiß, Studierende kritisieren zudem eurozentrische Curricula und die Vernachlässigung schwarzer Stimmen etwa im Bereich der Sozialwissenschaften.

Keine Debatte ohne Gegenstimmen

Cecil John Rhodes

Umstrittener Kolonialist: Cecil John Rhodes

In Südafrika haben die Campus-Proteste eine nationale Debatte über den Umgang mit Symbolen losgetreten. Während die liberale Öffentlichkeit die Forderungen der Studenten unterstützt, regt sich Widerstand aus dem konservativen Lager. Eine Handvoll Vertreter der "Front National", eine Vereinigung weißer Südafrikaner, hat sich bei einer Demonstration in Kapstadt gegen den Abbau und die Verunstaltung von Statuen ausgesprochen. Dies seien Attacken gegen alle, die ihr Blut für den Aufbau dieses Landes gegeben hätten, so eine Vertreterin der Gruppe. Doch auch auf dem Campus der Universität Kapstadt finden sich Gegenstimmen. Eine Universitätsmitarbeiterin, die nicht genannt werden will, sprach sich gegenüber der Deutschen Welle gegen den Abbau der Rhodes Statue aus: "Die Statue kann niemandem etwas zu Leide tun. Die Menschen, die dahinter stehen, die Universitäts-Leitung, sollte entfernt werden. Es herrscht nach wie vor Unterdrückung in der Verwaltung, doch Mandela hat gesagt, dass keine Rasse eine andere unterdrücken soll.

Rhodes fällt

Knapp einen Monat nach Chumani Maxweles Attacke auf die Bronze-Statue wird aus der Forderung Realität: Nach mehreren Gesprächen zwischen der Leitung der Universität Kapstadt und der Studentenvertretung votiert der Rat der Universität am 8. April für eine Entfernung der Statue. Bereits am Morgen des 9. April schlingen die Handwerker Seile um Rhodes bronzene Körperteile, Holzkeile stecken zwischen Statue und Sockel, ein Bauzaun schirmt die bereits wackelige Figur ab.

Statue von Cecil John Rhodes wird entfernt (Foto: REUTERS/Sumaya Hisham)

Unter dem Jubel von Studenten wird Rhodes von seinem Sockel gehoben

Studentenvertreter Siyabonga Thombela freut sich über den Sieg: "Wir haben drei Wochen lang auf dem Campus übernachtet. Ich bin sehr glücklich, dass sich unser Einsatz unter dem RhodesMustFall-Banner gelohnt hat. Es ist ein Sieg, aber es ist nicht das Ende. Es wird den Weg bereiten für eine Entkolonialisierung." Dass die Proteste jetzt so an Fahrt gewonnen haben, liegt seines Erachtens an einem wachsenden Selbstbewusstsein der schwarzen Studenten - und an Maxweles Aktion: "Seine Aktion war nötig um uns die Augen zu öffnen." Am Abend erhebt sich Rhodes schließlich von seinem Sockel über dem Rugby-Feld der Universität Kapstadt. Aus #RhodesMustFall wird #RhodesHasFallen.

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