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Deutschland verstehen

Vom "rastlosen Rocker" bis zum "alten Eisen"

Reisende Rentner, die ihren Lebensabend im Süden verbringen. Senioren, die das Wort Altersarmut am eigenen Leib spüren. Nie war das Bild der älteren Menschen so vielfältig wie heute. Und es werden immer mehr.

Seniorentreff auf der Bank

Seniorentreff auf der Bank

Die Stones, Udo Lindenberg oder auch Bob Dylan - allesamt rastlose Rocker im besten Rentenalter, die zusammen mehrere Millionen Alben verkauft haben und an alles denken, nur nicht an den Ruhestand. Rentner, die ihren Lebensabend auf Mallorca oder Teneriffa verbringen, jeden Abend an ihrem Rotwein nippen und die mediterrane Sonne endlich ausgiebig genießen können. Oder auch Alte, die von etwa 400 Euro Sozialrente leben müssen, ihre Wohnung aufgeben, keinerlei familiäre Bindungen mehr haben und zum Sozialfall werden - auch so leben viele ältere Menschen. 20 Millionen Menschen in Deutschland sind zurzeit Rentner. 2050 werden es 30 Millionen sein. Damit werden mehr als die Hälfte der Wähler dann im Ruhestand sein.

Der Streit um die Rente

Zwei Rentnerinnen in Santa Ponca auf Mallorca

Zwei Rentnerinnen in Santa Ponca auf Mallorca

"Wir sind auf dem Weg in die Renten-Republik Deutschland", titelte vor kurzem Deutschlands größtes Boulevardmagazin. Nach dem Kabinettsbeschluss im Frühjahr 2008, die Renten außer der Reihe um 1,1 Prozent zu erhöhen, glauben viele an den Anfang einer "stillen Revolution". Viele der "Jungen" sahen die außerplanmäßige Rentenerhöhung mit großer Skepsis. Sie erinnerten daran, dass die Jungen heute bis 67 Jahre arbeiten müssen, hohe Beiträge in das Rentensystem einzahlen, aber nur niedrige Renten erhalten werden. Den heutigen Alten gehe es dagegen noch richtig gut, merkten sie an.

Von den Altern lernen

Dabei könnten auch die Jungen von den Alten lernen; ebenso, wie die Senioren von anderen Generationen profitieren könnten - sind sich die Experten einig. Dabei meinen sie nicht nur das Know-how aus dem Beruf. Auch verloren gehende Tugenden wie die der Rücksichtsnahme oder auch der Entschleunigung könnten wir uns von den Älteren abgucken, ist der Soziologe und Altersforscher Klaus R. Schroeter etwa überzeugt. Die Potenziale des Alters sind gerade für eine Gesellschaft mit geburtenschwachen Jahrgängen eine wertvolle Ressource.

Altersheim, Mehrgenerationenhaus oder Senioren-WG?

Treffen am Dresdner Elbufer

Treffen am Dresdner Elbufer

Doch die Senioren müssen sich auch neuen Herausforderungen stellen. Wie lebt man im Alter? Ein Altersheim bietet gerade dem kranken Senioren ein abgesichertes Wohnen mit gesundheitlicher Versorgung. In einem Altersheim sind jedoch die Alten unter sich. Deshalb entscheiden sich - zumindest die rüstigen - Senioren immer häufiger für den Lebensabend in einem Mehrgenerationenhaus. In Weimar zum Beispiel gibt es seit einigen Jahren eine moderne Wohnanlage für Senioren und Familien. Auch genügend Infrastruktur - ein Friseur, ein Café, ein Schwimmbad und Arztpraxen - befinden sich vor Ort. So wurde in Weimar "ein Stück Stadt in der Stadt" geschaffen, das die Älteren in das alltägliche Leben integriert, anstatt sie auszugrenzen.

Intelligente Systeme

Wer im Alter nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein möchte, kann auch in seinen eigenen vier Wänden wohnen bleiben - mit Unterstützung modernster Technik. Die Dortmunder Fraunhofer-Gesellschaft hat einen Haustyp entwickelt, in dem ein alter Mensch wohnen und sich mit Hilfe des Computers durch sein Leben navigieren kann. Die neuen Technologie- und Anwendungslösungen sollen Senioren möglichst lange ein eigenständiges Leben ermöglichen - in hochmoderner Umgebung.

Neuer Hedonismus

Produkte aus einem Seniorenladen in Hannover

Produkte aus einem Seniorenladen in Hannover

Die Generation der heutigen Senioren rückt zunehmend ins Visier der Marketingfachleute. Bei den über 50-Jährigen, die in zehn Jahren fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung stellen wird, handelt es sich inzwischen um eine attraktive Zielgruppe: Die meisten dieser "jungen Alten" sind sportlich aktiv, verfügen über ein relativ hohes Einkommen und geben ihr Geld gerne aus. "Hedonismus statt Sparen heißt der Trend dieser Generation", meint die Nürnberger Agentur Age, die zu den Pionieren des Generationen-Marketings gehört.

Insgesamt pumpen die Alten etwa 310 Millionen Euro pro Jahr in den Wirtschaftskreislauf, das sind ein Drittel aller Konsumausgaben. Um das Marktpotenzial der "Generation Silber" zu nutzen, haben inzwischen ganze Branchen ein Angebot speziell für das ältere Klientel entwickelt: Handykonzerne bieten Displays mit größeren Zahlen an, die Spielwarenindustrie produziert Spielkarten mit großer Schrift. Inzwischen gibt es im Bundesland Nordrhein-Westfalen sogar einen eigenen Arbeitskreis, der sich mit der Zukunftsbranche Seniorenwirtschaft ausgiebig auseinandersetzt.

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