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Asien

Vom Problemfall zum Musterknaben

Seit Anfang 2010 gibt es eine Freihandelszone in Südostasien - mit 500 Millionen Verbrauchern und traumhaften Wachstumsraten. Davon profitiert auch Indonesien, das sehr optimistisch in die Zukunft blicken kann.

Eine indonesische Kassiererin zählt Rupiah-Scheine (Foto: AP)

Die Rupiah rollt wieder in Indonesien...

Überfüllter Markt auf Sumatra (Foto: AP)

Belebter Markt auf Sumatra

Fast unbemerkt von der übrigen Welt hat sich der Inselstaat zu einer der dynamischsten Volkswirtschaften Asiens gemausert. Indonesien ist mit 240 Millionen Einwohnern das größte muslimische Land der Erde und liegt an vierter Stelle der bevölkerungsreichsten Staaten der Welt, hinter China, Indien und den USA. Doch es ist nicht nur die schiere Größe des Landes, die Jan Rönnfeld, den Hauptgeschäftsführer der deutsch-indonesischen Handelskammer in Jakarta, begeistert:

"Das Spannende ist die Dynamik: Indonesien hat in den vergangenen sechs Jahren sein Bruttosozialprodukt verdoppelt, und es wird erwartet, dass es in den nächsten fünf Jahren sein Bruttosozialprodukt noch mal verdoppeln wird." Heute liegt es bei einem Wert von 600 Milliarden US-Dollar, rechnet Rönnfeld vor: "Wenn sich das noch einmal verdoppelt, dann liegen wir bei über einer Billion US-Dollar. Insofern ist es ein großes, wichtiges, dynamisches Land mit einer sehr jungen, sehr experimentierfreudigen und konsumfreudigen Bevölkerung."

Junge Indonesier lieben Facebook, Twitter und Blackberry

Indonesiens Wirtschaft hat sich von der Asienkrise erholt (Foto: AP)

Indonesiens Wirtschaft hat sich von der Asienkrise erholt

Bereits heute ist Indonesien das Land mit der zweitgrößten Anzahl von Facebook-Nutzern und Besitzern von Blackberry-Smartphones. Bei Twitter, dem derzeit beliebtesten Kurzmitteilungsdienst im Internet, sind die Indonesier sogar weltweit die Nummer Eins: Fast 21 Prozent aller über 15-jährigen Internet-Anwender twittern dort – das hat eine aktuelle Studie des US-Marktforschungsunternehmens ‚Comscore’ ermittelt.

Eine schnell wachsende, junge Bevölkerung mit Spaß an den neuesten digitalen Spielereien ist Ausdruck einer wirtschaftlichen Dynamik, die sich auch bei Investoren herumgesprochen hat: In den beiden vergangenen Jahren gehörte die Börse in Jakarta stets zu den Wertpapiermärkten mit den größten Wertzuwächsen in Asien. Vergessen sind die Jahre der tiefen Rezession, die auf die Asienkrise im Sommer 1997 folgten. Damals befand sich die Wirtschaft des Landes im freien Fall: Firmenschließungen, Massenarbeitslosigkeit und der Absturz der Landeswährung Rupiah führten das Land an den Rand des Zusammenbruchs.

Gestärkt aus der Krise

Indonesiens Präsident Yudhoyono (Foto: AP)

Auch Präsident Yudhoyonos Wirtschaftsreformen haben einen Anteil am Aufschwung

Die Staatsfinanzen hat Indonesien seit dem Ende der Herrschaft seines autoritären Machthabers Suharto vor zwölf Jahren erstaunlich gut in den Griff bekommen: Nach der Asienkrise von 1997/98 lag die Staatsverschuldung bei bis zu 130 Prozent der Wirtschaftsleistung. Seitdem wurden die Schulden auf 30 Prozent gesenkt und sollen in naher Zukunft bis auf 25 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig konnte die ehemals zweistellige Inflationsrate auf aktuell rund drei Prozent gedrückt werden.

Unter Präsident Yudhoyono wurde die Wirtschaft reformiert und die grassierende Korruption zurückgedrängt. Doch während sich das Land aus der Krise befreite, ging in den vergangenen zehn Jahren der deutsche Handel mit Indonesien um rund ein Drittel zurück In die Bresche sprangen Japan, Südkorea und zunehmend China.

Nachholbedarf bei Investitionen

Hafenarbeiter verladen Tabak in ein indonesisches Frachtschiff (Foto: dpa)

Hafenarbeiter verladen Tabak in ein indonesisches Frachtschiff

Dabei bietet Indonesien durchaus Potential für die deutsche Wirtschaft: Als größte Volkswirtschaft des ASEAN-Staatenbundes profitiert das Land besonders stark von der seit Januar 2010 bestehenden Freihandelszone ‚AFTA’. Diese ‚ASEAN Free Trade Area’ umfasst die fünf ASEAN-Gründungsmitglieder Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur und Thailand, sowie das Sultanat Brunei auf der Insel Borneo.

Jan Rönnfeld wünscht sich deshalb, dass Indonesien in Deutschland stärker als ein Land der Chancen gesehen wird: "Es wird wahrgenommen als Land mit Terrorismus, Islam-Extremismus und Naturkatastrophen." Aber bei einem Land, dass das viertbevölkerungsreichste Land der Erde ist, die drittbevölkerungsgrößte Demokratie der Erde und eine Flächenausdehnung wie Europa hat, ist es schon oft erschreckend oder bedauerlich, dass so wenig über das Land und die Möglichkeiten bekannt ist." Rönnfeld wünscht sich, dass man beim Blick auf den Inselstaat stärker auf die Chancen und das große Potential Indonesiens blicken sollte.

Chancen für deutsche Unternehmen

Eine Magdeburger Maschinenbaufirma exportiert Großdiesel nach Indonesien (Foto: dpa)

Dieser Magdeburger Maschinenbauer exportiert seine Produkte bereits nach Indonesien

Für deutsche Unternehmen ergeben sich vor allem Chancen bei der Erneuerung von Industrieanlagen, die in Indonesien anstehen. Durch die Asienkrise, die Indonesien besonders stark getroffen hatte, waren größere Investitionsprojekte erst einmal auf Eis gelegt worden. Nachdem die Staatsfinanzen saniert worden waren, wurden diese Pläne wieder aus den Schubladen geholt und neue Projekte im Öl-, Gas- und Pipelinebereich in Angriff genommen. Außerdem ist der Inselstaat dabei, seine teilweise maroden Fähren und Häfen zu modernisieren.

Seit das geopolitische Gewicht Indonesiens als Teil der G20 stark zugenommen hat, sind auch andere Industrienationen wie die USA dabei, sich stärker wirtschaftlich für das Land zu interessieren. Indonesien spielt außerdem in der aktuellen Diskussion über die Neuordnung des globalen Finanzsystems eine mit entscheidende Rolle.

Ehrgeizige Pläne der Regierung

Währenddessen reformiert und modernisiert die Regierung unter Präsident Yudhoyono das Land, treibt Investitionsoffensiven und neue Infrastrukturprojekte im Energie- und Transportsektor voran. Der jährliche Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes, so der Plan der Regierung, soll von 4,5 Prozent im Jahr 2009 und anvisierten 5,5 Prozent in diesem Jahr bis 2014 sieben Prozent im Jahresdurchschnitt erreichen. Dieses Ziel, da sind sich die Experten einig, ist zwar ehrgeizig, aber durchaus zu erreichen.

Autor: Thomas Kohlmann
Redaktion: Thomas Latschan