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Kultur

Vom National- zum Staatstheater

Eines der traditionsreichsten deutschen Theater wird zum Staatstheater: Das Deutsche National Theater Weimar wird nach jahrelangem Streiten vom Land Thüringen übernommen.

Vor dem Nationaltheater in Weimar steht das bekannte Goethe- und Schiller Denkmal von Ernst Rietschel (Quelle: AP)

Goethe- und Schiller Denkmal vor dem Theater

Der Stadtrat der thüringischen Klassikerstadt entschied am Mittwochabend (19.7.) mit 39 zu 3 Stimmen, das traditionsträchtige Haus unter das Dach des Freistaates zu geben. Das Land steigt mit 79 Prozent in das Gesellschaftskapital am Theater und der Staatskapelle ein und bekommt den Vorsitz im Aufsichtsrat. Der Freistaat will seine Förderung um 750.000 Euro auf 16,6 Millionen erhöhen. Weimar hat nach hartem Ringen beschlossen, seinen Anteil um 1,3 Millionen auf 4,4 Millionen Euro aufzustocken.

Die Auseinandersetzung um das Deutsche Nationaltheater und seine Eigenständigkeit dauert nun schon seit zehn Jahren an. Zunächst sollte das traditionsreiche Haus mit dem Theater der thüringischen Landeshauptsstadt fusionieren, die Pläne platzten unter anderem wegen der Weigerung beider Städte, eines der Orchester und Musiktheater aufzugeben.

Thüringer Sparkurs

Das Kultusministerium wollte ursprünglich in einer allgemeinen Sparrunde bei allen Theatern und Orchestern seine Finanzierung um 10 auf 50 Millionen Euro zurückschrauben. Das Deutsche Nationaltheater und die Oper Erfurt sollten dabei zusammen nur noch 20 Millionen Euro aus dem Staatssäckel bekommen - 2,3 Millionen Euro weniger. Weimar sollte auf 1,6 Millionen Euro verzichten. Das Defizit konnte die Stadt allein nicht auffangen.

"Webfehler korrigiert"

Ministerpräsident Dieter Althaus und Kultusminister Jens Goebel (beide CDU) hatten im Juni überraschend im Theaterstreit Weimar- Erfurt eingelenkt und sich für ein Staatstheater Weimar ausgesprochen.

Intendant Stephan Märki sieht mit der Staatstheater-Lösung die Zukunft und Eigenständigkeit des Theaters gesichert. "Damit wurde ein Webfehler nach der Wiedervereinigung korrigiert", sagte er. Märki wertete die Entscheidung als die einzig richtige für Weimar und Thüringen. "Sie war allerdings politisch lange nicht gewollt. Es ist jedoch in der Politik ein seltener Fall, dass die Landesregierung die Souveränität besitzt, über ihren eigenen Schatten zu springen." Der permanente Existenzkampf habe auch Positives im Theater bewirkt. Die Mitarbeiter seien in Zeiten knapper Kassen zusammengerückt. "Dieses Weimarer Modul der Mitverantwortung möchte niemand mehr missen, auch wenn wir jetzt in den Deutschen Bühnenverein zurückkehren." (sams)

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