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Wirtschaft

Vom Medienzar zum Autoverkäufer?

"Wenn ich Zeit hätte, würde ich mich anbieten, die Geschicke des Konzerns selbst in die Hand zu nehmen." So attackierte der italienische Ministerpräsident Berlusconi das Management des italienischen Autokonzerns Fiat.

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Silvio Berlusconi weiß, wie man Autos verkauft

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat der Fiat-Führung in ungewöhnlich scharfer Form die Schuld an der Krise des Konzerns zugewiesen. Zudem machte der Politiker und Unternehmer Lösungsvorschläge, wie die Autosparte der Turiner Gruppe gerettet werden könnte: Der Konzern solle die Marke Fiat komplett abschaffen und sich unter dem Namen Ferrari auf die Luxus-Marken Ferrari, Alfa Romeo, Lancia und Maserati konzentrieren, erteilte Berlusconi den Autoproduzenten Nachhilfe.

"Fiat abschaffen!"

Für die Idee des Fiat-Managements genau umgekehrt vorzugehen, also die Luxus-Marken Alfa, Lancia und Ferrari eventuell an ausländische Firmen zu verkaufen, kann sich der Politiker gar nicht begeistern. "Verrückt!", empörte er sich und zeigt sich verständnislos: "Jemand hat Marken wie Lancia und Ferrari und will sie abgeben?"

"Stattdessen sollten wir lieber den Namen Fiat abschaffen", meint der Politiker. Die Krise des Konzerns sei zudem nur vorübergehend und bisher ohne Vertrauen in die Zukunft angegangen worden. Mit dem richtigen Management könnten die aktuellen Probleme leicht überwunden werden.

"Fiat Stilo" heißt jetzt "Young Ferrari"

Auch den "richtigen Kandidaten für das richtige Management" hat Berlusconi schon zur Hand. Er könne sich Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo als zukünftigen Chef einer neuen Ferrari-Gruppe vorstellen. Fiat reagierte überrascht auf die Äußerungen Berlusconis: "Ausgerechnet jetzt, wo sehr komplexe Verhandlungen mit der Regierung als Vermittler im Gange sind, scheinen uns seine Worte völlig unverständlich und fehl am Platze", hieß es in einer Mitteilung.

Berlusconi hatte derweil sehr konkrete Vorschläge für eine Rettung des Turiner Traditions-Unternehmens parat. Auf die Frage, ob die neuen Wagen statt "Fiat Stilo" künftig etwa "Stilo-Ferrari" heißen sollen, konterte Berlusconi: "Aber nein, das Wort Stilo muss weg." Seine Namens-Vorschläge für die neuen Autos: "Ferrari Woman" oder "Young Ferrari".

Staat will nicht helfen

Der Fiat-Konzern steckt mit einer Milliarden-Verschuldung und immer weiter zurückgehenden Verkaufszahlen momentan in der größten Krise seiner Geschichte. Experten halten einen Verkauf der Fiat-Autosparte an den US-Giganten General Motors für unumgänglich. GM hält derzeit bereits 20 Prozent an Fiat Auto und könnte auf Wunsch der Italiener ab 2004 auch die restlichen 80 Prozent übernehmen. Für Italien wäre dies eine Tragödie, weil das Land so seinen wichtigsten und traditionellsten Industriezweig verlieren würde.

Ein Lösungsmodell zur Rettung des Unternehmens, das kürzlich den Abbau von über 8000 Stellen angekündigt hat und sich derzeit mit einer enormen Protestbewegung der Arbeiter auseinander setzen muss, könnte ein direkter Eintritt des Staates in das Kapital der Gruppe sein. Berlusconi schloss einen solchen Schritt jedoch aus: "Ich hoffe, dass dies nicht nötig sein wird." Gleichzeitig ließ er aber durchblicken, dass die Regierung im Falle eines Eintritts ins Fiat-Kapital ein Wörtchen bei der Wahl des zukünftigen Managements mitzureden habe.