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Europa

Vom Manager zum Präsidenten aller Ukrainer

Mit Schokolade wurde er Milliardär. Jetzt wird er ukrainisches Staatsoberhaupt: Petro Poroschenko. Wer ist dieser erfolgreiche Unternehmer und Politiker, der nun die Aufgabe hat, das Land aus der Krise zu führen?

Mit deutlichem Vorsprung setzte sich Petro Poroschenko bereits im ersten Wahlgang gegen alle Mitbewerber um das höchste Staatsamt durch. Niemand konnte seinen politischen Durchmarsch ernsthaft gefährden. Als Unternehmer ist er schon längst eine Größe im Land, an der niemand vorbeikommt. Sein Gespür für das Geschäft und die Politik hat er vielleicht aus Odessa mitgebracht. Nahe der Hafenstadt am Schwarzen Meer, die für ihre Handelstradition bekannt ist, wurde er geboren. Ihm gehören mehrere Großunternehmen, die in den unterschiedlichsten Branchen tätig sind. Auch Medienbetriebe sind dabei. Poroschenko ist Eigentümer des populären TV-Nachrichtensenders "5. Kanal".

Schokolade der ukrainischen Firma Roshen (Foto: wikipedia.org)

Poroschenkos Süßwaren kennt in der Ukraine jeder

Die Menschen in der Ukraine nennen ihn aber vor allem den

"Schokoladenkönig"

- wegen der leckeren Süßwaren, die eine seiner bekanntesten Firmen herstellt. Mit dem Verkauf von Kakaoprodukten begann Poroschenkos wirtschaftlicher Aufstieg. Dabei hat er sich als geschickter Manager erwiesen. Seinen Süßwarenkonzern "Roshen" hat er konsequent modernisiert und wettbewerbsfähig aufgestellt. Deswegen sehen viele Ukrainer in ihm ein Vorbild für gutes Unternehmertum.

Ein wendiger Politiker mit Überzeugungen

Parallel zur Wirtschaft engagierte sich Poroschenko immer auch politisch und gesellschaftlich. Er unterhält eine eigene Stiftung. Als Minister diente er in verschiedenen Regierungen und hat dabei mehrfach die Partei gewechselt. Er gehörte zu den Gründern der einst mächtigen "Partei der Regionen", die Viktor Janukowitsch einst vertrat. Nach Wahlfälschungen im Jahr 2004 unterstützte Poroschenko dann allerdings die "Orange Revolution" mit ihren damaligen Reformpolitikern. Später diente er als Wirtschaftsminister unter Präsident Janukowitsch. Doch als dessen Regime immer autoritärer und korrupter wurde, schlug sich Poroschenko auf die Seite des Volkes. Er trat auf dem Maidan auf und unterstützte auch finanziell die Protestbewegung.

Trotz aller Kurswechsel trat Poroschenko immer für demokratische und marktwirtschaftliche Reformen in der Ukraine ein. Dass er dabei häufig die Lager wechselte, war sicher auch ein Zeichen der Anpassung an die jeweilige Macht. Politik und Wirtschaft sind in der Ukraine eng verflochten. Poroschenko gehört zu den so genannten Oligarchen, die die Politik in der Ukraine bestimmen oder sich an sie anpassen müssen, wenn sie ihre Geschäfte nicht verlieren wollen. Mit dieser Tradition will Poroschenko als Staatspräsident nun brechen. Denn er hat angekündigt, dass er sich von seinen Unternehmen trennen werde, falls er die Wahlen gewinnt sei. Diesen Beweis wird er nun antreten können.

Ein Manager, der das Land einen könnte

Wahl in der Ukraine, Hohe Wahlbeteiligung in einem Wahllokal (Foto: REUTERS/Gleb Garanich)

Die Menschen in der Ukraine haben ein überzeugendes Votum abgegeben

Vor allem aber wird Poroschenko zeigen müssen, dass er mit seinen Managementfähigkeiten auch das ganze Land führen kann. Das überzeugende Votum für ihn zeigt: Die Ukrainer trauen ihm das durchaus zu. Dabei wird Poroschenko zugute kommen, dass er in alle politischen Lager hinein immer gute Verbindungen hatte. Er ist ein Mann der Mitte. Als Politiker setzte er in der Vergangenheit immer wieder auf politischen Kompromiss und Ausgleich.

Pragmatisch wird Poroschenko jetzt wohl auch die gewaltigen Probleme der Ukraine angehen. Seine außenpolitischen Positionen hat er klar umrissen: Er will eine Annäherung der Ukraine an Europa. Ziel ist sogar eine EU-Mitgliedschaft. Aber er setzt auch auf eine Verständigung mit Russland. Seine Schokoladenerzeugnisse sind dort jedenfalls ebenso beliebt wie in der Ukraine. Wie der Kreml politisch mit Poroschenko umgeht, wird sich zeigen. Als Anführer einer "Junta" - wie Moskau bislang die Übergangsführung in Kiew nannte - lässt sich der gewählte ukrainische Präsident sicher nicht bezeichnen.

Mit den militanten

Separatisten im Osten der Ukraine

schließt Poroschenko den Dialog aus. Das hat er nach seiner Wahl noch einmal bekräftigt. Aber er hat angekündigt, dass er seine erste Reise als Präsident in den Osten machen will. Viele Menschen dort konnten bei der Wahl nicht für ihn stimmen, weil der Terror der Separatisten sie daran hinderte. Dennoch zeigen die Wahlergebnisse, dass Poroschenko in allen Teilen der Ukraine bei den Menschen ankommt. Mit diesem klaren

Mandat der Bevölkerung

im Rücken hat Poroschenko eine starke Legitimation. Damit könnte er ein Präsident werden, der das Land eint und Frieden schafft. Aber leicht wird das nicht.

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