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Nahost

Vom lokalen Konflikt zum Stellvertreterkrieg?

Die jemenitische Regierung versucht, sich mit allen Mitteln gegen die schiitischen Houthi-Rebellen im Norden durchzusetzen. Ihre Behauptung: Die Houthis werden vom Iran unterstützt. Aber stimmt das überhaupt?

Jemens Armee (Foto:dpa)

Viele freiwillige Kämpfer haben sich der Armee angeschlossen

Diszipliniert, entschlossen und gut ausgerüstet – so präsentieren sich die Houthi-Rebellen auf ihrer Homepage, und so kämpfen sie gegen die Truppen der jemenitischen Regierung. Das Ziel der Rebellen: kulturelle und religiöse Freiheit – und mehr Mitsprache in politischen Fragen. Doch davon will der jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh nichts wissen. Im Gegenteil. Er gibt den Houthis die Schuld an den blutigen Kämpfen im Nordjemen. 5000 bis 8000 Rebellen halten dort die Truppen der Regierung in Schach.

Ein Soldat der jemenitischen Armee bei einer Militäroffensive gegen Houthi-Rebellen in der Provinz Saaba (Foto:dpa)

Ein Soldat der jemenitischen Armee bei einer Militäroffensive gegen Houthi-Rebellen in der Provinz Saaba

Ausschalten der Konkurrenz

Vor einigen Monaten hat sich der Konflikt in der Provinz Saada zugespitzt – mit schlimmen Folgen für die Bevölkerung: Hunderttausende sind auf der Flucht. Schon seit 2004 liefern sich die Houthis Gefechte mit den Regierungstruppen. Sie sind unzufrieden mit der Politik des Präsidenten. Die Houthis repräsentieren eine einflussreiche konservative Strömung unter den zu den Schiiten gezählten Zaiditen, die die große Mehrheit im nordjemenitischen Bergland um Saada stellen. Die jemenitische Bevölkerung besteht zu etwa einem Drittel aus Zaiditen und zu zwei Drittel aus Sunniten, deren Siedlungsschwerpunkt der Süden und Westen des Landes ist. Auf sie hat das benachbarte Saudi-Arabien großen Einfluss.

Der jemenitische Staatspräsident Ali Abdallah Saleh (Foto:ap)

Der jemenitische Staatspräsident Ali Abdallah Saleh

Dass der seit 1978 regierende Ali Abdullah Saleh versucht, den Houthi-Aufstand brutal niederzuschlagen, hänge mit seiner Angst vor Machtverlust zusammen, meint Guido Steinberg, Nahost-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik. Der Präsident befürchte, dass sich die Houthis eine Art religiöse Monarchie zurückwünschten – das so genannte zaiditische Imamat, das 1962 von den Republikanern gestürzt wurde. „Saleh will im Grunde jegliche Unabhängigkeitsbestrebungen, jegliche Konkurrenz gegen seine Regierung frühzeitig ausschalten“, sagt der Wissenschaftler. „Das ist sozusagen die Paranoia des nahöstlichen Diktators.“

Allianz mit Saudi-Arabien

Steinbergs Interpretation: Der Präsident will von seiner eigenen Macht nichts abgeben und seinen Sohn als Nachfolger aufbauen. Das kommt bei den Houthis gar nicht gut an. Kein Wunder also, dass sich der jemenitische Präsident von den Rebellen bedroht sieht. Ali Abdullah Saleh startete deshalb die Offensive „Verbrannte Erde“. Im November eilten saudi-arabische Truppen dem jemenitischen Präsidenten zu Hilfe - „aus purer Schiiten-Feindlichkeit“, wie Steinberg sagt. Die saudi-arabische Regierung sehe den Konflikt als eine Art Stellvertreterkrieg zwischen der jemenitischen Regierung auf der einen Seite und den Houthi-Rebellen auf der anderen Seite – unterstützt vom Regime in Teheran.

Regierung gegen Rebellen

Soldaten aus Saudi Arabien an der Grenze zum Jemen (Foto:ap)

Jenseits der Grenze im Norden hat sich die saudische Armee in Stellung gebracht

Auch der US-General David Petraeus, zuständig für die amerikanischen Truppen im Nahen Osten, schließt nicht aus, dass der Iran die Houthis unterstützt – und sich der Konflikt zwischen jemenitischer Regierung und Houthi-Rebellen zu einem Stellvertreterkrieg entwickeln könnte. Wenn es nach Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik geht, dann ist der Stellvertreterkrieg allerdings reine Propaganda, die der jemenitischen Regierung nutzt, um auch weiterhin gegen die Houthis vorzugehen. Die Tatsache, dass mittlerweile auch die saudi-arabische Regierung gegen die Rebellen vorgeht, könne die Houthis allerdings tatsächlich in die Arme der Iraner treiben, warnt Steinberg: „Bisher lässt sich diese schiitische Allianz zwischen dem Iran und den Houthis nicht belegen“, meint er. Die große Gefahr bestehe allerdings darin, dass die Saudis schon jetzt der Meinung seien, dass es sich um einen Stellvertreterkonflikt handelt und entsprechend aktiv werden. „Jetzt fehlen nur noch die Iraner“, befürchtet Steinberg. Wenn der faktische Waffenstillstand zwischen Houthi-Rebellen und den saudischen Streitkräften vom vergangenen Wochenende halten sollte, besteht immerhin wieder die Hoffnung, dass ein Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und Iran im Jemen vermieden werden kann.

Autorin: Anne Allmeling
Redaktion: Thomas Latschan

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