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Bildung

Vom Kap nach Konstanz oder Köln?

20 Jahre nach dem Ende der Apartheid treibt Südafrika seinen Wissenschaftsaustausch mit anderen Ländern voran. Doch wenn Südafrikaner zum Studium nach Deutschland kommen, ist die Sprache noch immer eine große Hürde.

Stellenbosch University in Südafrika (Foto: Deur Erhardt Thiel)

Die Stellenbosch University

Südafrika gilt als wichtiges Ankerland für die deutsch-afrikanische Hochschulkooperation. Dazu zählt zum Beispiel der Austausch deutscher und südafrikanischer Studenten und Wissenschaftler. Der deutsche Politikwissenschaftler Norbert Kersting hat den Willy-Brandt-Lehrstuhl für Transformation und Regionale Integration des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) inne und lehrt seit vier Jahren an der Stellenbosch University in Südafrika. DW-WORLD.DE hat mit ihm über die Internationalisierung der Stellenbosch University und das Interesse südafrikanischer Studierender an einem Studium in Deutschland gesprochen.

DW-WORLD.DE: Herr Professor Kersting, was für eine Universität ist die Stellenbosch University?

Prof. Norbert Kersting: Die Universität Stellenbosch hat eine besondere Geschichte. Sie war im Apartheids-Regime die alte weiße Elite-Uni und war besonders dadurch geprägt, dass sie in Afrikaans gelehrt hat und in Englisch. Von daher ist sie jetzt in einem Transformationsprozess, der besonders spannend ist. Auf der einen Seite öffnet sie sich schon seit langem sehr stark in Richtung Europa und USA. Auf der anderen Seite richtet sie sich jetzt zunehmend auch Richtung Afrika, und man versucht seiner entwicklungspolitischen Verantwortung auch gerecht zu werden.

Sie lehren seit vier Jahren schon in Stellenbosch und haben die Studierenden in dieser Zeit kennen gelernt. Wie groß ist denn das Interesse südafrikanischer Studierender, zum Studium nach Deutschland zu kommen?

Stellenbosch University in Südafrika (Foto: Deur Erhardt Thiel)

Eine Hochschule mit besonderer Vergangenheit: Die Stellenbosch University war eine weiße Elite-Uni.

Es ist erstmal so, dass viele Studierende aus dem Ausland nach Südafrika kommen. Die größte Gruppe sind US-Amerikaner. Dann gibt es sehr viele Deutsche, so um die 300, 400 Studenten. Danach kommen andere Länder wie zum Beispiel natürlich Namibia, was sprachlich dann auch näher liegt. Da gibt es viele, die auch Afrikaans sprechen. Afrikaans ist in Bezug auf die Bachelor-Studiengänge immer noch die dominierende Sprache, alle Masterstudiengänge sind auch auf Englisch, und die sind dann besonders interessant für die ausländischen Studenten. Die wiederum wecken das Interesse der südafrikanischen Studenten, ins Ausland zu gehen. Dabei bevorzugt man natürlich die Länder, die englischsprachig unterrichten. Kanada, USA, Großbritannien, Australien sind da die interessanten Länder, aber auch Länder in Europa wie zum Beispiel die Niederlande oder Schweden, die dieses anbieten.

Wenn man sich die Zahlen für Deutschland anguckt, haben im Wintersemester 2008/2009 laut Statistischem Bundesamt gerade einmal 156 Studenten aus Südafrika in Deutschland studiert. Das sind sehr wenige, nicht einmal ein Prozent aller afrikanischen Studierenden in Deutschland. Wie erklären Sie sich das – abgesehen von den sprachlichen Hürden?

Das hat verschiedene Gründe. Man muss sehen, dass Südafrika schon seit langem das angelsächsische BA-Master-System hat. Das sind alles Studiengänge, die sehr eng geführt sind, die wenig Spielraum lassen, ins Ausland zu gehen. Zudem kommt es häufig dazu, dass die guten Studenten dann oft auch noch eingebunden werden als Tutoren oder als Mitarbeiter. Und von daher ist das ein zusätzliches Argument, das gegen so einen Austausch spricht.

Ein Grundargument ist aber wie sie sagten auch die Sprache. Denn man kann natürlich nur in Deutschland studieren, wenn man Deutsch spricht. Nach und nach werden jetzt in Deutschland aber auch Kurse in Englisch angeboten. Wäre das eine Sache, wie man das Studium in Deutschland für südafrikanische Studierende attraktiver machen könnte?

Langenhoven Students' Centre der Stellenbosch University in Südafrika (Foto: Stellenbosch University)

Heute sind mehr als 24.000 Studierende an der südafrikanischen Universität eingeschrieben.

Das wäre meiner Meinung nach der zentrale Aspekt. Es gibt wenige Universitäten, die volle Studiengänge in Englisch anbieten. Es läuft dann häufig darauf hinaus, dass man zum einen halt ein bestimmtes Kontingent englischsprachig hat oder dass man Kurse hat, die bilingual sind. Das heißt, man geht davon aus, dass man sich gegenseitig versteht, aber in seiner Landessprache, also in der Regel in seiner Muttersprache, sprechen kann. Das heißt, man kann in England auf Englisch vortragen, aber die deutschen Studenten dürfen dann auf Deutsch vortragen. Das ist natürlich nur eine Zwischenlösung.

Ist es Ihrer Meinung nach denn überhaupt sinnvoll, viel mehr südafrikanische Studierende nach Deutschland zu holen? Denn dann besteht unter Umständen die Gefahr des sogenannten Braindrain, dass also die Studierenden ihr Knowhow nicht wieder mit zurück nach Südafrika nehmen, sondern in Deutschland bleiben?

Es ist eine zweischneidige Geschichte. Auf der einen Seite hat man natürlich darüber die Möglichkeit, den südafrikanischen oder den afrikanischen Studenten einen Blick über den Tellerrand zu gewähren. Sie sehen wie deutsche Kultur aussieht, wie europäische Kultur aussieht, welche Möglichkeiten bestehen. Auf der anderen Seite hat man aber häufig den Effekt, dass viele der Studierenden, die nach Deutschland kommen, kaum wieder den Schritt zurück machen. Das heißt, sie integrieren sich so stark in die deutsche Gesellschaft und finden diese so attraktiv, dass sie lieber in Deutschland oder Europa oder in den USA oder in anderen Ländern bleiben. Inzwischen gibt es mehr und mehr Tendenzen, so ist zumindest mein persönlicher Eindruck, die dahin gehen, dass man viel stärker auch von verschiedenen Gebern darauf drängt, die Ausbildung in dem jeweiligen Land in Afrika zu gewährleisten. Das heißt, es gibt zunehmend Stipendien auch für südafrikanische Studenten in Südafrika, für simbabwische Studenten in Simbabwe. Und ich glaube, da ist man auf dem richtigen Weg. Auf der einen Seite kann man natürlich über andere Institutionen wie Goethe-Institute etc. die deutsche Kultur und Lebensweise vermitteln. Auf der anderen Seite hat man aber diesen Braindrain nicht, der im Grunde die Länder dann auf lange Sicht auch ausbluten lässt.

Das Gespräch führte Svenja Üing
Redaktion: Gaby Reucher

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