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Asien

Vom Juniorpartner zum Mitspieler

Wenn Chinas Spitzenpolitiker den russischen Regierungschef Putin empfangen, werden wieder Verträge in Milliardenhöhe unterzeichnet. Doch das Verhältnis zwischen beiden Staaten hat sich grundlegend gewandelt.

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin ist am Dienstag (11.10.2011) in Peking für politische Gespräche eingetroffen. (Foto: dapd)

Der russische Ministerpräsident Putin in Peking

Mit dem wirtschaftlichen und weltpolitischen Aufstieg gewinnt China die Oberhand im Verhältnis zu Russland, dem "ehemaligen großen Bruder". Das hat das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI herausgefunden. "Es fehlt an echtem politischen Vertrauen" im Gegensatz zu der öffentlich zur Schau gestellten strategischen Partnerschaft, stellt der SIPRI-Bericht fest. Während beim Treffen des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin mit seinem chinesischen Gastgeber Hu Jintao die gute Partnerschaft gepriesen und freundliche Reden gehalten werden, herrscht hinter den Kulissen zwischen den beiden aufstrebenden Mächten ein unerbittlicher Kampf um regionale Vormachtstellung und internationalen Einfluss.

Die aufsteigende Macht Chinas in der Weltwirtschaft und Globalpolitik verhelfe dem Land zu einer Position der Stärke im Verhältnis zu dem ehemaligen großen Bruder, heißt es in dem Bericht. Diese Veränderung der Machtverhältnisse im Fernen Osten sehen die SIPRI-Autoren vor allem in den bilateralen Kooperationen bei der Rüstungslieferung und Energieversorgung. In beiden Bereichen hätten die Chinesen ihre Abhängigkeit von den russischen Anbietern wesentlich abgebaut.

Gehemmte Kooperation wegen fehlenden Vertrauens

China ist einer der größten Kunden Russlands für das Kampfflugzeug SU-30. (Foto: picture-alliance/dpa)

China ist einer der größten Abnehmer des Kampfflugzeugs SU-30

Einer der Autoren der Studie, der Direktor des Programms für Rüstungstransfer bei SIPRI Paul Holtom, sieht einen großen Unterschied zwischen der chinesischen und russischen Position bei der Rüstungskooperation: Die Russen seien vor allem daran interessiert, bestimmte Rüstungsmaterialien in großen Mengen zu verkaufen. Die Chinesen dagegen wollten kleine Mengen anschaffen, um dann die Technologie zu kopieren und auf deren Basis eigene Waffen zu entwickeln. "Dagegen hat Russland große Bedenken", sagt Holtom, "Russland ist nicht bereit, China mit fortschrittlichen Waffen und Technologien zu versorgen."

Da die EU und USA ihr Waffenembargo gegen China noch nicht aufgehoben haben, stünden weltweit nur wenige Rüstungshändler zur Verfügung. Inzwischen sei die militärische Macht Chinas in der Welt deutlich gewachsen. Das Interesse Chinas, neuere Technologien einzuführen und die eigene Rüstungsindustrie zu modernisieren, wachse auch mit, sowohl für den Eigenbedarf als auch für den Export.

Nach Ansicht von Huang He, einem Professor am Institut für Internationale Politik der Fudan Universität in Shanghai, ist die Antwort Chinas klar: Entweder bietet Russland die fortschrittlichsten Waffen an, oder China wendet sich an andere Lieferanten. Seit Langem vermeide China eine zu große Abhängigkeit von russischen Lieferanten. "Manche Waffen kann man auch durch die Ukraine bekommen", so Huang weiter.

Auch bei der Energieversorgung verfolgt China die gleiche Strategie: Risiken verteilen. Als größter Energieverbraucher weltweit hat China seine Lieferanten diversifiziert. Der prozentuale Anteil der Öllieferungen aus Russland am gesamtchinesischen Energieimport hat in den letzten fünf Jahren spürbar abgenommen. Heute sind Saudi-Arabien, Angola, der Iran und Oman die größten Lieferanten. Auch für Erdgas hat China neue Partner vor allem in Zentralasien gefunden.

"Scheinkoordinierung" in der Globalpolitik

Die Öl-Pipeline zwischen Ostsibirien und dem Pazifik trägt den Schriftzug Russland und China (Foto: picture-alliance/dpa)

Die Pipeline zwischen Ostsibirien und dem Pazifik führt durch China nach Südkorea

Neben der problematischen Zusammenarbeit auf dem Energie- und Rüstungssektor hätten die beiden Großmächte keine gemeinsame Weltsicht, urteilt SIPRI, auch wenn sie als Gegengewicht zu den USA in globalen Fragen oft gemeinsame Positionen einnehmen, wie zuletzt bei der UN-Resolution gegen Syrien. "Es gibt strategische Planer in Peking und Moskau, die die andere Seite langfristig als ultimative strategische Bedrohung betrachten", heißt es in dem Bericht. Ko-Autor Holtom bezeichnet deshalb diese gefühlte "Scheinkoordinierung" beider Länder in der globalen Politik als "pragmatische Zusammenarbeit ohne gegenseitiges Vertrauen und Verständnis".

Nach einer aktuellen Umfrage in Russland betrachten 13 Prozent der Russen China als die Hauptbedrohung des Landes. Die Ergebnisse der gleichen Umfrage durch die russische "Stiftung für Öffentliche Meinung" im Jahr 2000 zeigten, dass damals nur acht Prozent der Befragten China als potentiellen Gegner betrachteten. Die angst vor dem Nachbarn ist also gewachsen. Als Hauptgrund dafür wird der Aufstieg Chinas zur Rüstungs- und Wirtschaftsmacht vermutet.

Autorin: Yuhan Zhu´
Redaktion: Hao Gui/Martin Muno

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