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Kunst

Vom IS zerstörte Ruinenstadt Nimrud verwahrlost

Der IS hatte die archäologische Stätte im März 2015 zerstört. Vor acht Monaten dann konnte die irakische Armee Nimrud zurückerobern. Archäologen hofften auf ihren raschen Wiederaufbau, doch bis jetzt ist nichts passiert.

Irak Archäologie Nimrud (picture-alliance/Bildagentur-online/Tips Images)

Nimrud vor der Zerstörung

Größere und kleinere Brocken, Mauerstücke, viel mehr hat der Islamische Staat (IS) von der assyrischen Königsstadt Nimrud nicht übrig gelassen. Im März 2015 hatte die Terrormiliz die fast 3000 Jahre alte Ruinenstadt mit mehreren Tonnen Sprengstoff zerstört. Ein Video der Explosion zeigt eine gewaltige Druckwelle, die einen braunen Staubpilz in den Himmel schießen Iässt.

Im November 2016 gelang es irakischen Truppen, Nimrud zu befreien, das auf der irakischen Vorschlagsliste für das UNESCO-Weltkulturerbe steht. Sie hissten die irakische Flagge zum Zeichen des Sieges - doch seitdem liegt die historische Stätte brach. 

Mitarbeiter müssen erst überprüft werden

"Bislang ist gar nichts passiert", sagte die Archäologin Laila Saleh der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie ist die ehemalige Leiterin der lokalen Behörde für Kulturerbe und jetzt für die NGO "Gilgamesch Center" aktiv. Zuständig für den Wiederaufbau wäre die oberste Antikenbehörde in Bagdad. Diese aber habe ihren 300 lokalen Mitarbeitern in der Provinz Ninawa bislang nicht erlaubt, die Arbeit wieder aufzunehmen, sagte Faisal Dschaber, stellvertretender Leiter des Gilgamesh Center. Weil diese unter dem IS gelebt hätten, müsse das Innenministerium sie nun zuerst überprüfen. "Aber selbst nach acht Monaten hat nicht ein einziger Mitarbeiter eine Genehmigung bekommen", so Dschaber.

Still Nimrud Zerstörung Propaganda Video Islamischer Staat (Militant video via AP)

Ein Propagandavideo des IS zeigt die Zerstörung der Ruinenstadt Nimrud 2015

Experten vermuten politische Gründe hinter dem Stillstand

Es gibt auch noch keine systematische Bestandsaufnahme der Schäden. Die Trümmer sind dem Wetter ungeschützt ausgesetzt. So wie die Überreste der mehr als mannshohen geflügelten Bullen, die die Palasteingänge flankierten. Lange Zeit blieb das befreite Gelände zudem praktisch ohne Bewachung. Archäologen befürchten deswegen, dass Teile der verbliebenen Überreste Räuber zum Opfer fallen könnten. Zuletzt stellten Arbeiter allerdings einen Zaun fertig, finanziert von der UNESCO. Vertreter der Organisation hatten die Stätte im Dezember besucht und ihre Absicht bekräftigt, die irakischen Behörden beim Wiederaufbau zu unterstützen.

Experten wie der Archäologe Faisal Dschaber vermuten hinter der Untätigkeit politische Gründe. Iraks Regierung ist in der Mehrheit  schiitisch - Nimrud aber liegt im Kernland der Sunniten, die sich seit Jahren über Diskriminierung beklagen. Schon seit dem Sturz von Diktator Saddam Hussein 2003 sei Nimrud vernachlässigt worden, sagte Dschaber.

Salim Chalaf, Verantwortlicher der Obersten Antikenbehörde in Bagdad, verwies im Gespräch mit der dpa auf die kritische Sicherheitslage im Nordirak. "Wir haben erste Pläne zur Rekonstruktion, aber die lassen sich noch nicht umsetzen, weil die Befreiungsoperation in der Region noch läuft", sagte er. Nötig seien auch die Hilfe ausländischer Helfer und gewaltige Geldsummen. Der Irak arbeite dabei mit der UNESCO zusammen.

Einzigartiges Zeugnis einer vergangenen Hochkuktur

Irak Ruinen von Nimrud (Getty Images/AFP/S. Hamed)

Irakische Soldaten fanden im November 2016 in Nimrud nur noch Trümmer vor

Nimrud, rund 30 Kilometer südlich der Großstadt Mossul im Nordirak gelegen, ist einer der berühmtesten archäologischen Fundorte des Landes. Es gilt als einzigartiges Zeugnis einer vergangenen Hochkultur. Seine Ursprünge gehen auf das 13. Jahrhundert v. Chr. zurück. Seit dem Jahr 2000 steht Nimrud auf der irakischen Vorschlagsliste für die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe. Der IS bezeichnet solche archäologischen Überreste als Symbole des Unglaubens aus der vorislamischen Zeit, die vernichtet werden müssen.

Auch in Hatra und Mossul, nicht weit von Nimrud entfernt, zerstörten die Extremisten, was die Jahrtausende überlebt hatte. Kostbare Kulturgüter wurden, wie in der syrischen Wüstenstadt Palmyra, in kurzer Zeit vernichtet.

Archäologen waren schockiert, als sie die Nachricht von der Zerstörung Nimruds hörten. "Sie ist auf eine Stufe zu stellen mit der Zerstörung in Palmyra", sagt Stefan Hauser, Archäologie-Professor an der Uni Konstanz. "In Nimrud ist ein Gesamtkunstwerk der Architektur und der Skulpturen verlorengegangen."

ka/suc (dpa/unesco.org)

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