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Nahost

Vom Holzfäller zum Chef der Streitkräfte

Generalmajor Yoav Galant ist zum neuen israelischen Generalstabschef bestimmt worden. Damit dürfte der ehemalige Holzfäller zu einem der einflussreichsten Männer im Nahen Osten avancieren.

Israels neuer Stabschef der Streitkräfte Generalmajor Joav Galant (Foto: AP)

Israels neuer Stabschef der Streitkräfte, Generalmajor Joav Galant

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hat der Regierung empfohlen, Generalmajor Joav Galant zum neuen Generalstabschef der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte zu ernennen. Er wird damit schon bald einen der wichtigsten Posten im Nahen Osten bekleiden. Galant, der im Krieg gegen die Hamas im Januar 2009 persönlich die Panzer in den Gazastreifen führte, erklimmt die höchste Sprosse im Militär zu einer kritischen Zeit: Israel stehen an mehreren Fronten wichtige Entscheidungen bevor. Die Friedensgespräche mit den Palästinensern stehen an, während das iranische Atomprogramm voranschreitet. Unterdessen rüsten Hamas und Hisbollah weiter auf. Galants Ratschläge bestimmen mit, welche Richtung Israel in den kommenden Konflikten einschlägt.

Gabi Aschkenasi (Foto: AP)

Galant wird Nachfolger von Gabi Aschkenasi

Galants Lebensweg ist eng mit dem Meer verbunden. Seine Mutter, eine Holocaust-Überlebende, versuchte, auf dem legendären Flüchtlingsschiff "Exodus" aus Europa nach Israel zu flüchten. Später heiratete sie einen Scharfschützen der israelischen Armee. Joav wurde 1958 in einem armen südlichen Stadtteil Tel Avivs direkt an der Küste geboren. Die Idee für den Namen ihres Sohnes erhielten die Eltern von einer Militärkampagne, an der der Vater teilgenommen hatte und in der Israel im Unabhängigkeitskrieg 1948 die Negevwüste eroberte. Als Joav 17 Jahre alt war, wurde sein Vater im Krieg getötet. Im Jahr 1977 wurde Joav eingezogen und machte bei den Kampftauchern der Marine Karriere. Schon in seiner ersten Dienstzeit bewährte er sich in zahlreichen Kampfeinsätzen im Mittelmeer. Nach sechs Jahren Wehrdienst hatte der junge Offizier erst einmal genug und ging nach Alaska, wo er als Holzfäller arbeitete.

Stratege des Gaza-Krieges

Schnell zog es Galant jedoch zurück. Als einer der Ersten wechselte er von der Marine ins Heer. Später bestimmt er als Militärberater von Premierminister Ariel Scharon Israels Politik entscheidend mit. Geheime Informationen liefen bei ihm zusammen. Er entschied, was der Premier zu sehen bekam und was nicht. "In dieser Funktion lernte er die komplexen Zusammenhänge zwischen Diplomatie, Politik und Gewaltanwendung", sagt Rechtsanwalt Dov Weinglass, damals ein enger Berater Scharons. Im Jahr 2005 wurde Galant Kommandant von Israels Südkommando.

Als Befehlshaber im Süden plante Galant die Militäroffensive "Gegossenes Blei" gegen die radikalislamische Hamas im Gazastreifen im Januar 2009. In dieser Funktion erwies er sich als Falke. Galant soll auf die Eroberung Gazas gedrängt haben, um die Hamas zu Fall zu bringen. Er erntete viel Respekt für den Krieg in Gaza, der Israels Süden eine lange Phase der Ruhe bescherte. Um seine Soldaten zu schützen, sorgte er dafür, dass den Soldaten bei der Invasion Gazas mehr Feuerkraft zur Verfügung stand als je zuvor. Die Palästinenser freilich zahlten dafür einen hohen Preis: Sie hatten im Krieg mehr als 1000 Tote zu beklagen, Israel lediglich 13.

Gaza-Stadt nach dem Krieg 2009 (Foto: AP)

Gaza-Krieg 2009: Joav Galant war der Organisator der "Operation Gegossenes Blei", bei der über 1000 Palästinenser und 13 Israelis getötet wurden.



Besorgte Iraner?

Dem Nahen Osten könnte die Ernennung Galants eine heiße Phase bescheren: Arabische Zeitungen nannten ihn nach der Wahl den "Metzger von Gaza". Auch israelische Beobachter fürchten bedrohliche Konsequenzen: Galants Vorgänger Gabi Aschkenasi gilt als "Bremser", der die Regierung davon abhalten wollte, den Iran im Alleingang zu bombardieren. Galant hingegen "kennt die Grenzen und Vorzüge von Gewalt, und scheut sich nicht, sie anzuwenden", sagt ein hochrangiger Berater des Premiers: "Die Iraner sind zurecht besorgt."

Wegen der Ernennung eines Nachfolgers von Gabi Aschkenasi war es in den letzten Wochen zu erheblichen Spannungen gekommen. Auslöser war die gefälschte Pressemitteilung einer israelischen PR-Firma. Sie hatte den Eindruck erweckt, dass Galant eine Schmierkampagne gegen Aschkenasi und andere Offiziere plante, um seine eigenen beruflichen Chancen zu verbessern. Israelische Medien berichten seit Wochen ausführlich über die sogenannte "Galant-Affäre". Aschkenasis Amtszeit läuft im Februar 2011 aus.

Autor: Gil Yaron

Redaktion: Ina Rottscheidt