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Welt

"Vom Himmel fiel eine Rose..." - Kinderarbeit in Ecuador

"Vom Himmel fiel eine Rose..." - so lauten die ersten Worte eines beliebten ecuadorianischen Abzählreims. Zum Spielen haben viele Kinder in der Hauptstadt Quito aber keine Zeit. Denn sie müssen arbeiten, um zu überleben.

Kleiner Junge aus Ecuador

Viele Kinder in Ecuador müssen sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen.

Marco schlängelt sich zwischen den Autos hindurch, hält Zeitungen hoch und preist sie den Fahrern an. Wie er müssen in Ecuador rund zwei Millionen Kinder arbeiten. Das ist fast die Hälfte aller Kinder im Land – und eine der höchsten Quoten Lateinamerikas. Die Straßen von Quito sind voll von solchen Jungen und Mädchen, die zwischen dichtem Verkehr und den Abgasen der Autos Schuhe putzen, Rosen oder Bonbons verkaufen. Diese Kinder sieht man, nicht aber jene, die abseits der Straßen arbeiten: Mädchen. die Hausarbeit machen oder sich prostituierten. Der Staat kümmert sich kaum um dieses Problem, es ist einfach kein Geld da.

Mit der Realität umgehen

Vier Kinder sitzen und stehen um Teller mit Essen herum

An Essen mangelt es vielen arbeitenden Kindern auch

Es sind die kirchlichen und privaten Organisationen, die diese arbeitenden Kinder auffangen. Sie bieten Essen, Schulunterricht oder einfach nur ein ruhiges Plätzchen, wo sie sich zurückziehen können. Im "Zentrum für arbeitende Kinder" in Quito können Kinder und ihre Familien unter anderem frühstücken, bevor sie zu arbeiten beginnen. Aber vor allem lernen die Kinder, wenn sie nicht bei der Arbeit sind, lesen und schreiben.

Nicht nur dieses Hilfszentrum akzeptiert Kinderarbeit im wirtschaftlich armen Ecuador als gesellschaftliche Realität. Es geht nicht darum Kinderarbeit abzuschaffen, daran glaubt sowieso keiner. "Es ist in Ordnung, solange man die Arbeit des Kindes kontrollieren kann. Und solange es auch Zeit zum Spielen hat, mit der Familie zusammen sein kann", sagt Cindy, die Leiterin des Zentrums. "Das Kind hat doch ein Recht die Familie zu unterstützen, sich als ein echtes Mitglied der Familie zu fühlen."

Scham und Stolz

Mädchen mit Säcken über der Schulter

Arme Familien müssen ihre Kinder oft zur Arbeit schicken

Viele arme Familien haben oft einfach keine andere Wahl - die Kinder müssen Geld verdienen, damit alle überleben können. Manche Eltern schämen sich dafür. "Ich musste mein Kind zur Arbeit schicken", sagt eine Mutter. "Wir sind aber deshalb keine schlechten Menschen. Wir versuchen alles um die Situation zu ändern."

Die Kinder und Jugendlichen dagegen sind oft stolz, dass sie mit ihrer Arbeit den Eltern und Geschwistern helfen können. Manche können sich ein Leben ohne Arbeit kaum noch vorstellen. "Man hat sein eigenes Geld, man kann sich seine eigenen Klamotten kaufen. Man muss nicht immer bei den Eltern betteln, kauf‘ mir das, kauf‘ mir jenes", sagt ein 12jähriger Junge. "Wenn man nur lernt, weiß man nicht, wie man sich auf der Straße bewegen soll, man weiß eigentlich nichts."

Ausbildung als Ausweg

Dabei ist Bildung die Grundlage für eine besser Zukunft der arbeitenden Kinder und Jugendlichen. Zwar herrscht Schulpflicht in Ecuador. Trotzdem gehen zwei Drittel der Kinder zwischen sechs und fünfzehn Jahren nicht zur Schule. Der Grund: Den Familien fehlt Geld. Selbst für die geringe Einschreibegebühr, für die Schuluniform oder das Lehrmaterial reicht es nicht. Viele der Hilfsprojekte in Quito setzen hier an: Der Orden der Salesianer zum Beispiel bietet Straßenkindern Unterricht an und eine Ausbildung zum Handwerker. Nach dem Schulanschluss hilft der Orden bei der Arbeitssuche.

Die kleinen Erfolge der Hilfsorganisationen in Ecuador machen Mut - auch wenn es manchmal schwer ist, den Schützlingen ein besseres Leben zu bieten. Ein Sozialarbeiter des Salesianer-Ordens sagt: "Ich weiß, dass es manchmal schwierig ist, von einem Ecuador ohne Kinder auf der Straße zu träumen; aber ich habe einfach diesen Ehrgeiz."

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