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Kultur

"Vom Gehalt einer Fabrikarbeiterin kann keiner die Familie ernähren"

Prostitution ist in Thailand offiziell verboten. Doch Verbote funktionieren nicht, wenn es sich dabei um den blühendsten Wirtschaftszweig des Landes handelt. Immer mehr Organisationen versuchen jetzt Schadensbegrenzung.

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Einnahmequelle Sexarbeit

Es ist später Abend, Leuchtreklamen erhellen die Straße, an der sich Bierbars, Karaokeläden und Bordellen aneinander reihen. An den Eingängen stehen Gruppen meist junger Frauen, die Röcke sind kurz, die Musik dröhnt. Die Amüsiermeile der Stadt Pattaya im Südosten von Thailand ist eines der Zentren des Sextourismus.

Zwar ist Prostitution in Thailand offiziell verboten, doch funktioniert ein Verbot nicht, wenn jene, die es durchsetzen sollen, wie etwa Beamte und Polizisten, teilweise korrupt oder selbst involviert sind. Außerdem ist das Gewerbe lukrativ: Schätzungen zufolge beschert das Rotlichtmilieu dem Land jährlich Einnahmen von rund 50 Milliarden Thai-Baht - mehr als eine Milliarde Euro.

Hilfe für Prostituierte

Thailand Amüsiermeile in Pattaya

Amüsiertmeile in Pattaya: Bierbars, Karaokeläden und Bordelle

Armut, familiäre Probleme, der Mangel an Ausbildung oder schlichtweg Zwang führen die Frauen in die Prostitution. Sich für die Rechte der Prostituierten einzusetzen und ihnen Bildung vermitteln, das setzen sich immer mehr NGOs in Thailand zum Ziel.

Eine von Ihnen ist "SWING": Die "Service Workers in Group" bietet Englisch- und Computerkurse sowie Gesundheitsberatung an. Wiphaphorn Intharat ist Koordinatorin für die Ausbildungsprogramme bei SWING und erklärt: "Wir bieten ihnen eine Grundausbildung, so dass sie eine Chance haben, auch eine andere Arbeit zu bekommen und so aus dem Milieu herauskommen."

"Wie ein zweites Zuhause"

Die Frauen nehmen die Hilfe dankbar an: Für Tip etwa ist SWING mittlerweile schon zu einem zweiten Zuhause geworden: "Ich bin glücklich bei SWING, und hier bekomme ich die Möglichkeit, besser Englisch zu lernen. Tip kommt aus einer armen Familie, die finanzielle Not hat sie in die Prostitution getrieben.

Prostituierte in Jakarta

Aufklärungsarbeit durch private Initiativen

Das sei häufig in Thailand der Grund, bestätigt Phil Robertson, Experte für Menschenrechtsfragen, Migration und Entwicklung: "Es geht um den Lebensunterhalt. Von dem Mindestgehalt einer Fabrikarbeiterin kann niemand eine Familie ernähren." Daher entschieden sich viele Frauen, 'freiwillig' für die Prostitution, zumindest für eine Weile. Aber es gebe natürlich auch die Fälle, wo sie Opfer von Menschenhändlern würden.

Nicht nur Touristen

Thailands Sexindustrie sei ein sehr uneinheitlicher Markt, sagt Phil Robertson: "Da sind die bekannten Orte wie Patpong, Soi Cowboy oder Nana hier in Bangkok, Pattaya in der Provinz Chonburi oder Patong auf Phuket, wo mehrheitlich Touristen zu finden sind. Auf der anderen Seite aber gibt es auch Märkte, die hauptsächlich thailändische Männer bedienen."

Organisationen wie SWING werden daher nicht müde, den Hilfe suchenden Frauen immer wieder einzuschärfen, dass sie, wenn sie schon als Sexarbeiterinnen ihr Geld verdienen müssen, trotzdem auf ihre Rechte bestehen sollen. Angesichts der wieder anwachsenden Zahl von HIV-Infektionen kann das lebensrettend sein.

Aufklärung als Aufgabe

Denn wie in ganz Südostasien steigt auch in Thailand die Zahl der HIV-Infizierten stetig: Etwa 900.000 Menschen sind derzeit mit dem Virus infiziert, die Hälfte von ihnen Frauen. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein. Doch das Wissen hinsichtlich Prävention, Infektion oder Erkrankung sind nach wie vor sehr dürftig. Und um staatliche Hilfe ist es in Thailand schlecht bestellt.

Auch hier springen Organisationen wie SWING ein: Nan etwa betreut die männlichen Sexarbeiter: "Wir gehen jeden Abend raus und verteilen kostenlos Kondome an die jungen Männer. Wir sprechen mit ihnen und schärfen ihnen immer wieder ein, dass sie Kondome benutzen sollen. Die Devise lautet: Kein Kondom, kein Sex."

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