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Kultur

Vom Gangsta-Rapper zum Vorbild

Samy Deluxe galt lange als harter Gangsta-Rapper. Inzwischen hat er das soziale Engagement entdeckt: mit seinem Verein Crossover e.V. motiviert er junge Menschen, die Grenzen zwischen sozialen Schichten zu überwinden.

Rapper Samy Deluxe (Foto: DW)

Engagiert sich jetzt für die Integration: Skandal-Rapper Samy Deluxe

Es sind weiche Reggae-Beats, über die Samy Deluxe auf seiner neuen Platte "Dis wo ich herkomm" diese Zeilen singt:

"Dies hier ist unser Deutschland
Dies hier ist euer Deutschland
Dies ist das Land, wo wir leben
Dies ist das neue Deutschland

Dis wo ich herkomm

Dis is wo ich herkomm…"

Es ist eine Stimme die unter die Haut geht, sie ist überzeugend - und viele Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren, die sich eigentlich nicht für Politik oder soziales Engagement interessieren, hören aufmerksam zu, wenn ihr Hip-Hop-Idol singt: "Hier gibt es Chancen, was aus seinem Leben zu machen" und: "Es gibt viel zu tun, das hilft gegen die Langeweile".

Von einem Rapper, der früher hauptsächlich durch seine gekonnten Reime über Sex, Drogen und die eigene Großartigkeit auffiel und sich gerne als Gangsta-Rapper, umgeben von teuren Autos und schönen Frauen inszenierte, mutierte Deluxe zu einem nachdenklichen Sänger. Heute sinniert er über nationale Identität, den Sozialstaat in Zeiten der Krise und die Notwendigkeit, den Jugendlichen eine Perspektive zu geben.

"Den Leuten Mut machen"

Deluxe ist einer der erfolgreichsten deutschen Rapper, bisher hat er über eine Million Tonträger verkauft, und er ist sich seines Einflusses schon sehr bewusst. Nur ist seine Botschaft jetzt eine andere: "Der Ansatz für dieses Album war, den Leuten Mut zu machen, ihnen aber auch Denkansätze zu geben, kritischer nachzudenken über sich selbst und über ihre Umwelt", erklärt Deluxe. Vielen Jugendlichen der Hartz IV-Generation, die für sich keine Perspektive sehen, sagt er:

"Wenn man genauer hinschaut, ist Deutschland schon ganz in Ordnung,
Hier gibt es zumindest Chancen was aus seinem Leben zu machen,
Gibt es noch eine Mittelschicht zwischen Reichen und Armen,
Gibt es noch eine Basis auf der man aufbauen kann".

Allein bei den Hip-Hop-Songs wollte es Samy Deluxe aber nicht belassen. Bürgerlich als Samuel Sorge, Sohn eines sudanesischen Vaters und einer deutschen Mutter in Hamburg aufgewachsen, erlebte er schon in seiner Kindheit wegen seiner dunklen Hautfarbe verschiedene Formen der Ausgrenzung und Ghettoisierung. Und sehr früh lernte er diese Grenzen zu überwinden.

In einer weißen Umgebung groß geworden, erfuhr er die eigene Andersartigkeit, später irgendwann wollte er auch seine schwarze Seite ausleben und umgab sich mit anderen Schwarzen. In der Schule hatte er viele türkische oder kroatische Freunde, später ging er in die USA: "Ich kenne viele Kulturen und fühle mich nicht unwohl, sobald ich in einer Gruppe bin, die nicht so ist wie ich", sagt er heute über sich.

Teams bilden, Grenzen überwinden

Crossover-Projekt - Julia von Dohnanyi (m.) mit Sophie Niewegal (l.) und Tom Ulris (r.) (Foto: DW)

Sie organisieren Hip-Hop-Workshops und Basketball-Kurse: die Jungs und Mädels von Crossover

Um diese Erfahrung weiterzugeben, gründete er vor zwei Jahren zusammen mit der Hamburger Designerin Julia von Dohnanyi und Marvin Willoughby, früher Spieler der deutschen Basketball-Nationalmannschaft, den Verein "Crossover". An verschiedenen weiterführenden Schulen in Hamburg organisierten sie Basketball- und Hip-Hop-Workshops, in denen Schüler unterschiedlicher sozialen Gruppen zusammenkommen. So trafen Kinder aus dem Villenviertel auf Jugendliche aus dem sozialen Brennpunkt, bildeten gemeinsame Teams und reimten zusammen Rap-Songs.

Julia von Dohnanyi, die jahrelang in den USA lebte, wusste, wie wichtig die Kommunikation über Grenzen hinweg ist. Ihre Botschaft an die Jugendlichen: "Je mehr Menschen man kennt und je mehr verschiedene Typen von Menschen man kennen gelernt hat, um so leichter wird es im Leben. Wenn man sich abschottet und sagt: nur so wie ich bin ist es richtig, dann wird das Leben schwer."

Einige Workshops wurden auch bundesweit ausgeschrieben, und angezogen vom Namen Samy Deluxe, kamen Jugendliche aus ganz Deutschland. Einer von ihnen war der 17-jähriger Tom Ulris aus Aschaffenburg. Ihn begeisterte die Gemeinschaft, die in der gemeinsamen Arbeit entstand: "Bei dem Workshop war es spannend zu sehen, dass die Jugendlichen aus ganz Deutschland kamen, und was es da für Unterschiede gibt. Die einen aus dem Osten, andere aus dem Westen. Und nach einer Stunde waren wir ein Team."

Weg mit den Barrieren

Und auch für Sophie Niebergal ist die kulturelle Vielfalt der "Bunten Republik Deutschland" ein Wert, für den es sich zu engagieren lohnt. Auch deshalb hat die 19-jährige ihr einjähriges Praktikum bei Crossover e.V. angefangen. Sie möchte mit den Jugendlichen arbeiten und helfen, die Barrieren, die es da zwischen ihnen gibt, abzubauen. Denn, wie Samy Deluxe singt:

"Das Land ist schon ok, ich glaub ich kann meinen Standpunkt vertreten
Obwohl mich viele hier anschauen, wie von nem andren Planeten
Und ich bin nicht religiös, doch möchte anfangen zu beten
Dass Leute endlich aufwachen und endlich anfangen zu reden
Über paar andere Themen als Promis, Fußball und Wetter,
Zum Beispiel wie man die Bedingungen unserer Jugend verbessert
Und zwar jetzt Mann,
Denn dies hier ist unser Deutschland
Dies hier ist euer Deutschland…"

Autor: Zoran Arbutina

Redaktion: Andrea Lueg