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Kultur

Vom Feiern und Fasten - eine kleine Karnevalsgeschichte

An Karneval ist alles anders. Und für Neu-Jecken ist das ganz schön gewöhnungsbedürftig - Khalid El Kaoutit weiß das aus eigener Erfahrung. Neugierig geworden fragte er nach dem Ursprung des närrischen Treibens.

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Maskenball im Bonner Schloss: François Rousseaus "Bönnsches Ballstück" von 1754

Sehr laut, sehr bunt und voller Menschen, so ist mir der erste Karneval meines Lebens in Erinnerung geblieben. Rote Jacke, ein Hut mit klingelnden kleinen Glocken, geschminkte Augen und rote Nase - als Clown lief ich damals durch die Straßen und war überrascht von der Ausgelassenheit und dem übermäßigen Alkoholkonsum. Es schien, als meinten die Leute, sie würden nicht erkannt, wenn sie als Clowns oder Narren verkleidet durch die Stadt laufen. Gut, dass es in der Karnevals-Hochburg Köln ein Karnevalsmuseum gibt. Ein Besuch dort klärt mich auf: Narr zu sein heißt, seinen Trieben ungehemmt nachzugehen. Dieser Spruch stammt aus dem Mittelalter, und aus dieser Zeit stammt auch der Karneval.

Feiern mit dem Segen des Papstes

In anderen Regionen als dem Rheinland wird Karneval auch "Fasching" oder "Fastnacht" genannt, erklärt mir Matthias von der Bank, der Leiter des Karnevalsmuseums. Alle drei Namen bezeichnen das Ende der normalen Essgewohnheiten und den Anfang der Fastenzeit. Vierzig Tage lang müssen fromme Christen auf Fleisch, Eier, Krapfen und Alkohol verzichten. Heute tun das nur wenige Menschen aus reiner Frömmigkeit und Überzeugung. Im Mittelalter jedoch war es Pflicht. Wer zwischen Fastnacht und Ostern beim Fleischessen erwischt wurde, der hatte hohe Strafen zu erwarten.

Erste schriftliche Erwähnung des Kölner Karnevals

Erste schriftliche Erwähnung des Kölner Karnevals 1341 aus dem Eidbuch des Stadtrats

Aus dieser Not wurde bereits im 13. Jahrhundert eine Tugend: Kurzerhand wurden die Fleischvorräte vor der Fastenzeit in der so genannten Fastnacht aufgegessen. Weitere Feierlichkeiten und Trinkgewohnheiten kamen nach und nach hinzu, um sich gebührend auf die Fastenzeit vorzubereiten. Die Katholische Kirche stützte diesen Brauch: Papst Martin IV. persönlich empfahl 1284 den Gläubigen, etliche Tage Fastnacht zu feiern und fröhlich zu sein. Man müsse die „Krankheit“ kennen, die man durch die Fastenzeit „heilen“ wolle - so die Begründung der Kirche.

Erst feiern - dann fasten

Genau das ist der Gegensatz, von dem der Karneval lebt. Es ist ein Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Sünde und Erlösung. Auch wenn das wohl den Wenigsten, die ich bei meinem ersten Karneval beim ausgelassenen Feiern getroffen habe, bewußt gewesen sein dürfte. Doch genau diesen Gegensatz zeigt mir im Kölner Karnevalsmuseum auch ein Gemälde von Pieter Brueghel dem Älteren aus dem Jahr 1559. Was auf dem ersten Blick wie eine ganz normale mittelalterliche Stadt mit Kirche, Marktplatz und Brunnen aussieht, sei in Wirklichkeit eine Phantasie, erklärt Matthias von der Bank.

Kampf zwischen Karneval und Fasten 1559, Pieter Brueghel der Ältere

Der Kampf zwischen Fasten und Fastnacht bei Pieter Brueghel auf einer Reproduktion des Originals

"Das Bild ist in der Mitte geteilt. Auf der rechten Seite ist die Welt des Fastens abgebildet, die moralische Welt, wie sie sein soll, geordnet nach den göttlichen Geboten. Auf der linken Seite wird diese Welt auf den Kopf gestellt. Das ist die sinnliche Welt, die Welt der Fastnacht", so Matthias von der Bank. Pieter Brueghel der Ältere stellt die Fastenzeit als eine magere alte Frau dar mit Büßergewand, Bienenkorb auf dem Kopf und eine Brotschaufel in der Hand. Die Schaufel dient als Lanze im Kampf gegen die Fastnacht. Diese wird im Gemälde durch einen dicken Mann abgebildet, der auf einem Weinfass reitet und als Lanze einen Bratspieß führt. Als Sattel dient ihm eine Tischdecke, Töpfe sind seine Steigbügel und auf dem Kopf trägt er eine Vogelpastete.

Lesen Sie im zweiten Teil wie der Karneval wurde, was er ist

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