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Fußball

Vom Ersatzmann zum Präsidenten

Er galt eigentlich nur als "Plan B". Gianni Infantino, der Mann, der sechs Sprachen spricht, ist der neue Repräsentant des Weltfußballverbandes. Ein altgedienter Funktionär, allerdings einer ohne FIFA-Vergangenheit.

Nun ist er es also tatsächlich doch geworden. Gianni Infantino, der UEFA-Generalsekretär, der ursprünglich nur als Ersatz für den gesperrten UEFA-Präsidenten Michel Platini ins Rennen um die FIFA-Präsidentschaft gegangen war, steht nun als neuer erster Mann des Fußballs dem Weltverband vor. Damit ist nun jemand Nummer eins, der bislang nie über die Rolle der Nummer zwei herausgekommen war. Doch die spielte der Schweizer, dessen Heimatort Brig nur wenige Kilometer von dem seines Vorgängers Blatter entfernt liegt, mit größter Perfektion.

Der 45-Jährige, der auch mit der Unterstützung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zum neuen FIFA-Präsidenten gewählt wurde, war sechs Jahre lang Platinis rechte Hand im mächtigen Europaverband. Unter anderem war er als "Losfee" für die Ansetzung der Partien in der Europa League zuständig. Seitdem Platini im Dezember 2015 für acht Jahre aus dem Verkehr gezogen wurde, mauserte sich Infantino vom Strohmann, der sich bei einer Zulassung Platinis zur Wahl sofort wieder zurückgezogen hätte, zum Mann der Stunde, zu demjenigen, der die FIFA aus dem Krisensumpf ziehen soll - und dem das auch zugetraut wurde. Dass Infantino lediglich ein "Plan B" war, geriet durch dessen aufwendigen und teuren, von der UEFA finanzierten Wahlkampf schnell in Vergessenheit.

Rauball: "Reputation und Erfahrung"

Gianni Infantino bei Ziehung der UEFA Europa League (Foto: FABRICE COFFRINI/AFP/Getty Images)

Gewohnte Pose: Infantino bei der Europapokal-Auslosung

"Er kennt durch seine Arbeit als Generalsekretär der UEFA alle Facetten des Fußballs, ist international ausgezeichnet vernetzt und spricht sechs Sprachen", sagte DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball vor der Wahl über Infantino, der den meisten Fußballfans durch seine Rolle als Zeremonienmeister bei unzähligen Europapokal-Auslosungen bekannt ist: "Mit seiner Reputation und Erfahrung bringt er die nötigen Voraussetzungen mit, um die strukturellen Veränderungen und kommenden Herausforderungen anzugehen", so Rauball.

Auf dem diplomatischen Parkett der internationalen Sportpolitik ist der Vater von vier Kindern tatsächlich alles andere als ein Neuling. Seit 15 Jahren arbeitet Infantino für die UEFA, seit Oktober 2009 als Generalsekretär. Neben der Schweizer besitzt der Anhänger von Inter Mailand auch die italienische Staatsbürgerschaft, spricht neben Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch sowie Italienisch auch Arabisch und gilt nicht nur deswegen als gut vernetzt in der Fußball-Welt.

Tragende Rolle bei Reformpaket

"Es ist wahr, dass ich vor ein paar Monaten noch nicht über eine Kandidatur nachgedacht habe. Aber manchmal im Leben gibt es Situationen, in denen man Entscheidungen treffen muss", räumte Infantino im Vorfeld des außerordentlichen FIFA-Kongresses in Zürich ein. "Doch als ich gesehen habe, was passiert, war mir klar, dass ich mich nicht einfach zurücklehnen und dabei zusehen kann, wie alles zerstört wird oder sich selbst zerstört. Es muss etwas getan werden, und zwar für den Fußball."

Die Umsetzung der auf dem Kongress verabschiedeten Reformen zu begleiten und zu moderieren, dazu hat Infantino nun zunächst vier Jahre lang Zeit. Bereits im Juli 2015 wurde er in das 13-köpfige FIFA-Reformkomitee unter der Leitung des ehemaligen IOC-Generaldirektors Francois Carrard berufen, das das nun beschlossene Reformpaket erarbeitete. FIFA-Insider sprechen Infantino, und nicht Carrard, die tragende Rolle dabei zu.

asz/og (dpa, sid)

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