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Afrika

Vom Empfänger zum Unternehmer

Wie die Berliner Noah-Foundation auf Madagaskar Geschäft und Hilfe zu einem Modell mit Zukunft verknüpfen will.

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Unternehmer der Zukunft?

"Ein Mensch der arm ist, ist nicht doof." Helen Spaull sieht in jedem Menschen einen potenziellen Unternehmer, einen, der zurzeit nur durch die Umstände daran gehindert wird, sich und seine Familie selbst zu versorgen. Das will sie ändern, gemeinsam mit ihrem Chef David Diallo und seiner Noah Foundation.

David Diallo steht unter Dampf. Der 31jährige Deutsch-Malier muss sich um vieles gleichzeitig kümmern, um seine Familie, sein Unternehmen, seine Stiftung, seinen Think-Tank. Dabei könnte er es ruhig angehen lassen, jetzt, wo er seine Internetfirma "myphotobook.de" an den Holtzbrink-Verlag verkauft hat. Doch gelangweilter Internetmillionär, dass passt nicht zu David Diallo. Stattdessen machte er sich daran, seinen Traum von einer anderen Entwicklungshilfe umzusetzen: "Wenn man jetzt sehr erfolgreich Unternehmer ist, hat man die Möglichkeit, einerseits zu spenden, relativ neutral, anonym übers Rote Kreuz. Und man hat eben auch die Möglichkeit, selbst ein Projekt ins Leben zu rufen."

Ein Think-Tank für social-business

Helen Spaull (28), Europa-Repräsentantin der Noah-Foundation.

Helen Spaull (28), Europa-Repräsentantin der Noah-Foundation.

Diallo entschied sich für Letzteres. Er steckte sein Geld in eine Stiftung, die Noah-Foundation, er suchte sich einen geografischen Schwerpunkt, die der afrikanischen Ostküste vorgelagerte Insel Madagaskar und er initiierte das Genisis-Institut als Think-Tank für Social-Business-Projekte. Das Institut arbeitet an Social-Business-Modellen, soll den theoretischen Überbau liefern für die inhaltliche Ausrichtung der Projekte. Denn die Noah-Foundation will Möglichkeiten entwickeln, wie sich Projekte dauerhaft selbst finanzieren. Und die Teilnehmer so aus der Abhängigkeit von Gebern befreien. Dabei können eigene Ideen mit den Modellen der Genisis-Stiftung und bestehenden Projekten anderer Organisation vermischt werden, erklärt David Diallo: "Welche guten Ansätze gibt es? Wie kann man diese bestehenden Modelle optimieren? Um danach auf dieser Insel so eine Art Best Practice Beispiel zu haben. So könne man ein Gegengewicht zu den ganzen großen Projekten finden, sagt Diallo.

Kinder, Brot und Unternehmergeist

David Diallo (31), Gründer von myphotobook.de und der Noah-Foundation in Berlin

David Diallo (31, rechts), Gründer von myphotobook.de und der Noah-Foundation in Berlin

Ein Beispiel: Die Noah-Foundation baut auf Madagaskar ein Heim für junge Single-Mütter auf. Die Frauen lernen, ein Baby zu pflegen, gesund zu kochen, einen Haushalt zu führen. Aber auch, wie man deutsches Brot backt und zum Beispiel Hotels als Kunden gewinnt. Zutaten wie Karotten oder Kräuter werden im Heim-eigenen Garten angebaut, Kosten so gesenkt. Das Projekt erfordert trotzdem eine Anschubfinanzierung und die wird von der Stiftung geleistet. Helen Spaull ist die Europa-Repräsentantin der Noah-Foundation: Während der ersten drei Jahre würden die Projekte noch Firmen oder Hilfsorganisationen gesponsert, sagt sie. Aber innerhalb von drei Jahren müsse das Projekt dann selbsttragend sein.

Umstände machen arm, nicht die Gene

Podiumsdiskussion mit Merkel und Yunus

Was hilft gegen Armut? Mohammed Yunus und Angela Merkel

Die Noah-Foundation will aber auch erreichen, dass sich das Bild von Entwicklungsländern in der deutschen Öffentlichkeit ändert. Weg vom Image der Hand aufhaltenden, kindlichen Empfänger westlicher Almosen. Hin zum partnerschaftlichen Teilnehmer eines globalen Handels. Ein internetgestütztes Buchprojekt soll dabei helfen. Der erste Band der Reihe heißt: "Kinder fragen Yunus" - den Nobelpreisträger und Vorreiter des Mikrokreditwesens.

Autor: Dirk Bathe
Redaktion: Christine Harjes

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