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Wirtschaft

Vom Bergsteiger zum Unternehmer

Als Bergsteiger bezwangen sie mehrere Achttausender. Als Unternehmer organisieren sie nun für andere Reisen rund um den Erdball. Da gibt es manche Parallelen zwischen dem Klettern und der Führung einer Firma.

An den Wänden seines Büros hängen Karten vom Himalaya, auf dem Schreibtisch liegen Zeitschriften über die Alpen. Marcus Walter ist Bergsteiger und Geschäftsführer. Der Sachse hat sein Hobby zum Beruf gemacht und mit drei Gleichgesinnten in Dresden das Reiseunternehmen 'Diamir' gegründet. Namensgeber ist der Nanga Parbat, der neunthöchste Berg der Welt, auch Diamir genannt, ins Deutsche übersetzt "König der Berge". Fast entschuldigend ergänzt der 38-jährige Walter: "Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen unbescheiden, aber uns passte das ganz gut als Sinnbild, weil wir auch Bergtouren und Bergreisen anbieten."

Die Dresdner haben sich auf Kleingruppen oder Privatreisende spezialisiert und organisieren dafür alles bis hin zum deutsch sprechenden Reiseleiter. Es sind hauptsächlich Wander- und Naturreisen, zum Beispiel Vulkantrekking auf der russischen Halbinsel Kamtschatka, Inselhüpfen in der Südsee oder die exklusive Fotokreuzfahrt ins Eisbärenland.

Erster Katalog ein Highlight

Markus Walter, Geschäftsführer Diamir, im Basislager des Manaslu in 4900m Höhe (Foto: DIAMIR Erlebnisreisen GmbH)

Kennt sich aus in großen Höhen: Markus Walter im Basislager des Manaslu auf 4900 Metern Höhe

1999 haben die Sachsen ihre Firma gegründet und als Startkapital ihre Reiseerfahrungen und ihre Begeisterung für ferne Länder mitgebracht. Der Ort ihrer Existenzgründung und "Firmensitz" in den ersten beiden Jahren war, wie bei Bill Gates oder Steve Jobs, eine Garage. Wie bei den Amerikanern ging es auch mit Diamir stetig bergauf, wenn auch in bescheideneren Dimensionen. Heute, 13 Jahre nach Gründung, erwirtschaftet das Unternehmen 17 Millionen Euro Umsatz. An die erste Million kann sich Markus Walter nicht erinnern, aber an das Erscheinen des ersten Kataloges: "Als der aus der Druckerei kam, da haben wir eine Flasche Sekt aufgemacht, haben die Kartons aufgerissen, haben den in die Hand genommen. Das war wirklich ein sehr emotionaler Moment." 48 Seiten war der erste Katalog dünn, der aktuelle ist immerhin 360 Seiten dick.

Erfahrung als Erfolgsfaktor

Auszeichung mit dem GO ASIA-Award für die innovativste Gruppenreise 2012 (Foto: DIAMIR Erlebnisreisen GmbH)

Grund zur Freude für die Geschäftsführung: Auszeichung mit dem GO ASIA-Award für die innovativste Gruppenreise 2012

Ein Spaziergang war und ist der erfolgreiche Weg jedoch nicht. Aber die Kombination aus Bergsteiger und Unternehmer scheint ein Erfolgsfaktor zu sein. Markus Walter sieht durchaus Parallelen. "Sowohl beim Bergsteigen als auch bei der Führung eines Unternehmens müssen Entscheidungen von großer Tragweite getroffen werden. Und man muss die schnell und fundiert treffen und möglichst natürlich die richtigen." Das ist ihm als Bergsteiger gelungen, und es ist ihm als Unternehmer gelungen. Dafür spricht die Entwicklung der Firma.

Sorgenfalten verursacht ihm jedoch gegenwärtig der unkalkulierbare Wechselkurs von Euro und Dollar. Denn die Reisen müssen ein Jahr im Voraus kalkuliert und die Kataloge gedruckt werden. "Und man hat da natürlich große Schwierigkeiten, das alles so zu handhaben, dass man zum einen preislich noch attraktiv ist, zum anderen durch den Dollarkus nicht in ein finanzielles Desaster gerät."

Denn es gilt die Arbeitsplätze von inzwischen 50 Mitarbeitern zu erhalten. Doch nicht nur die. "Wir sichern ja auch tausende von Arbeitsplätzen in den Zielländern, besonders in den unteren Einkommensschichten." Dazu gehören zum Beispiel auf den Touren Träger, Köche und Helfer, die "von uns auch eine faire Bezahlung erhalten."

Von der Garage ins neue Haus

Seit Dezember vergangenen Jahres hat das Unternehmen seinen Sitz im eigenen Haus, einer über 100 Jahre alten, frisch sanierten Villa. Auf drei Etagen werden die exklusiven Reisen recherchiert, geplant und organisiert. Die durchsichtigen Glastüren zu den einzelnen Büros stehen meistens offen, vermitteln dem Besucher das Gefühl von Transparenz und lassen Gesprächsfetzen in Hindi, Arabisch, Russisch mithören. Rund ein Dutzend Sprachen werden bei Diamir gesprochen. Auch das ein Mosaikstein zum Erfolg des Dresdener Unternehmens.