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Europa

Vom Bauerndorf zum Bücherdorf

Bücher bestellen im Internet ist praktisch, aber keine besonders sinnliche Erfahrung. Ganz anders funktioniert es im kleinen, belgischen Bücherdorf Redu. Hier gibt es seit 25 Jahren Bücher zum Anfassen.

Bücherverkauf im ehemaligen Kuhstall (Foto: DW/Susanne Henn)

Bücherverkauf im ehemaligen Kuhstall

Pascal Grognard steht in einer umgebauten Molkerei hinter der Ladentheke und verkauft Comics. An den Wochenenden herrscht Hochbetrieb in Redu, und so hat der Vorsitzende des Bücherdorf-Vereins kaum Zeit, sich an die Anfänge vor 25 Jahren zu erinnern: "Der Bürgermeister und ein paar andere Leute suchten nach einer Idee, wie man ein fast verlassenes Bauerndorf wieder aufwerten könnte", erzählt Groniard, "und so hat man ein Bücherfest organisiert, zu Ostern 1984."

25-jähriges Bestehen für das Bücherdorf (Foto: DW/Susanne Henn)

25-jähriges Bestehen für das Bücherdorf

Innerhalb von drei Tagen kamen etwa 15.000 Besucher in die Scheunen und Ställe, um nach Büchern zu stöbern. Damit war der Grundstein für das Bücherdorf gelegt, das erste auf dem europäischen Kontinent. Inzwischen sind Bücherdörfer keine Seltenheit mehr, insgesamt gibt es über 20 in ganz Europa. Das erste Buchdorf wurde bereits 1962 in Wales gegründet, es heißt "Hay-on-Wye".

22 Buchhandlungen, nur 400 Einwohner

Heute gibt es in Redu 22 Buchhandlungen, viele Händlerinnnen und Händler sind mittlerweile aus der Großstadt ins das 400-Einwohner-Dorf umgesiedelt. "Früher habe ich in Brüssel gewohnt, jetzt ist ein Traum für mich wahr geworden", erklärt Marie-Alix van de Sande, die schräg gegenüber der Kirche eine zweisprachige französisch-flämische Buchhandlung führt - auch ein paar deutsche Bücher gibt es hier.

Wegweiser zur den Büchern (Foto: DW/Susanne Henn)

Wegweiser zur den Büchern

Wenn Besucher sie auf die Konkurrenz durch die vielen andere Buchhandlungen ansprechen, sagt sie immer: "Wir sind keine Konkurrenten, wir sind Kollegen."

Tausende Bücher im früheren Kuhstall

Einer dieser Kollegen ist Paul Brandeleer, der einen Kuhstall zur Fachbuchhandlung umgebaut hat. Es war früher Erzieher und ist dann mit dem Beginn des Bücherdorfs jnach vielen Jahren in Afrika ins kleine Redu umgesiedelt. Viele Stammkunden, die sich wie er auf Kirchengeschichte, Afrika-Literatur oder die Region der Ardennen spezialisiert haben, kommen zu ihm.

Aber nicht nur die, betont Brandeleer: "Es gibt auch diejenigen, die nicht oft in eine Buchhandlung gehen, aber weil es Redu ist, kommen sie hierher zum bummeln und kaufen spontan ein Buch"

Anfassen erlaubt

In der Comic- und Kinderbuchhandlung von Pascal Grognard steht ein Vater mit seinen zwei Söhnen und stapelt Comics auf die Verkaufstheke.

Williams Lieblingsbücher: Comics (Foto: DW/Susanne Henn)

Williams Lieblingsbücher: Comics

Die Familie ist zum ersten Mal in Redu: "Wir haben keinen Fernseher, also sind Bücher für uns automatisch sehr wichtig zu hause", sagt Jean-Yves Cornelis.

Sein Sohn William möchte am Liebsten mehr mitnehmen, als er tragen kann. Er darf die Comics hier alle anfassen und ein paar Seiten lesen.

Persönlicher als im Internet

Buchhändler Pascal Grognard erlaubt das gerne. Sein Laden ist ein bißchen unordentlich, er mag es nicht steril, und vor allem will er keinesfalls ein Buchhändler im Internet werden: "Deshalb liebe ich Redu, wo die Leute selbst herkommen und man in Kontakt kommt." Das schönste Kompliment sei es, wenn ein Kunde ein lange gesuchtes Buch statt im Internet in einer seiner Bücherkisten entdeckt.

Pascal Grognard hofft, dass das Bücherdorf in Redu auch die nächsten 25 Jahre noch viele Besucher anzieht, die die gut gefüllten Bücherregale in den Ställen und Scheunen durchstöbern. Zurzeit sind es jedes Jahr immerhin 200.000 Buchliebhaber.

Autor: Susanne Henn
Redaktion: Heidi Engels

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