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Wirtschaft

Vom Banker zum staatlichen Banken-Aufkäufer

Er kam, um den Banken mehr Freiheit zu geben. Jetzt muss er sie von Staats wegen retten: US-Finanzminister Henry Paulson steht im Mittelpunkt aller Bemühungen zur Bewältigung der Finanzkrise. Wer ist dieser Mann?

US- Finanzminister Henry Paulson lehnt sich bei einer Pressekonferenz weit vor und deutet mit dem Zeigefinger nach vorn

Der Mann, der den Weg aus der Krise finden soll: US-Finanzminister Henry Paulson (62)

"Die ganze Welt hängt vom Wohlergehen der amerikanischen Wirtschaft ab". Das sagte Henry Paulson, als er im Juli 2006 John Snow als Finanzminister in Washington ablöste. Paulson, bis dahin acht Jahre lang Chef der international erfolgreichen Investmentbank Goldman Sachs kam von der Wall Street nach Washington, um als Minister in der Regierung Bush den Staatshaushalt der Wirtschaftsmacht USA zu konsolidieren. Außerdem wollte er die Regulierung der Finanzwelt abbauen. Er lag damit ganz auf der Linie des reinen Kapitalismus der Börsianer, in deren Kreisen er sich drei Jahrzehnte lang bewegt hatte. Der Staat gilt vielen von ihnen nicht als Problemlöser sondern als Hindernis für die freie Marktwirtschaft.

Minister Paulson mischt sich kräftig ein ins Bankensystem

Zwei Jahre später erkennt man die Grundsätze des Ex-Investmentbankers, heute 62 Jahre alt, kaum wieder: Mit einem beispiellosen Hilfsprogramm, das die Steuerzahler 700 Millarden Dollar kosten soll, will Paulson den krisengeschüttelten Bankensektor retten. Mit Eingriffen seines Ministeriums hat er das US-Wirtschaftssystem schon vorher radikal verändert: Er organisierte die Rettung der Investmentbank Bear Stearns, übernahm die Kontrolle bei den Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac und rettete den Versicherungskonzern AIG vor der Pleite. Der milliardenschwere Plan zur Rettung der Banken löst große Aufregung aus. So etwas hat es noch nie gegeben. Paulson wirbt vor allem um die Zustimmung der Kongressabgeordneten.

Finanzminister Paulson sitzt in einer Fernseh-Talkshow und erläutert seine Finanzpläne

In Talkshows wirbt US-Finanzminister Henry Paulson für den Banken-Rettungsplan

"King Henry" nennt das Magazin Newsweek Henry Paulsen, für die New York Times ist er der "mächtigste Finanzminister in der Geschichte der USA". Henry Paulsen macht bei all dem einen sehr entschlossenen, aber nicht eben glücklichen Eindruck. Übernächtigt und zunehmend heiser zieht er von Talkshow zu Talkshow und entschuldigt sich fast für seinen Auffangplan, der die Steuerzahler Milliarden kosten soll: "Es ist schrecklich, dass wir es tun mussten", sagt er, "Es schmerzt mich ungeheuer, den amerikanischen Steuerzahler in diese Lage zu bringen". Er spricht von einer "sehr, sehr demütigenden Zeit für die Vereinigten Staaten von Amerika". Auf die Frage, was er tun wolle, wenn der große Rettungsplan nicht funktioniert, entgegnet er beschwörend: "Er muss funktionieren!"

Harte Arbeit, Naturverbundenheit und Idealismus

Als Macher und entschlossener Entscheider gilt Paulsen, der wie Bush an der Eliteuniversität Harvard studiert hat und in seiner College-Zeit unter dem Spitznamen "Hammer" begeistert Football spielte. Ein Mann, der lieber zum Telefon greift, als E-mails zu schreiben, der sieben Tage in der Woche arbeitet und das auch schon mal 20 Stunden am Tag, wie er selber dem Wall Street Journal sagte. Schon in New York galt Paulson eher als Einzelgänger, der nicht trank, nicht Golf spielte und kein Ferienhaus auf Long Island unter Künstlern und Wohlhabenden baute. Bis heute verbringt der Familienvater mit zwei erwachsenen Kindern seine Freizeit auf dem Land im Bundesstaat Illinois, wo er aufgewachsen ist. Er liebt das Wandern und er begeistert sich für Schlangen.

Dass der erfolgreiche Ex-Banker und entschlussfreudige Finanzminister idealistische Züge hat, zeigt sein jahrelanges Engagement für den Naturschutz und sein bei vielen Republikanern Anstoss erregendes Bekenntnis zum Klimaschutz. Außerdem prangerte er gleich in einer seiner ersten Reden als Finanzminister den starken Gegensatz zwischen Arm und Reich als eines der größten Probleme für die Zukunft der USA an.

Finanzminister Paulson folgt Präsident Bush auf dem Weg zu einer Pressekonferenz am Weißen Haus

Präsident Bush geht voraus - Finanzminister Paulson aber soll die Finanzkrise richten

Jetzt also soll Paulson die größte Finanzkrise der USA seit vielen Jahrzehnten bewältigen. Sein Präsident überlässt ihm das schwierige Feld voll und ganz. Bushs Pressesprecher Tony Fratto sagte, Paulson sitze jetzt im Fahrersitz, und genau dort wolle ihn der Präsident haben. Fratto: "Die Haltung ist: Du bist nun der Boss und ich hoffe, dass das funktioniert". Vertrauen in den erfahrenen Ex-Investmentbank-Chef demonstriert nicht nur Noch-Präsident George Bush. Auch der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama deutete an, falls er die Wahlen gewinne, könne er Henry Paulson vielleicht übergangsweise in seinem Team brauchen. (ag)

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