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Politik

Vom Bürgerkrieg geprägt

Ruanda: Der kleine Staat im Herzen Afrikas wurde vor zehn Jahren Schauplatz eines blutigen Genozids. Die Spannungen zwischen den Volksgruppen reichen jedoch bis weit in die Kolonialzeit zurück.

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Der zentralafrikanische Binnenstaat Ruanda ist etwa so groß wie das Bundesland Hessen. Er grenzt im Norden an Uganda, im Osten an Tansania, im Süden an Burundi und im Westen an die Demokratische Republik Kongo. Von den rund acht Millionen Einwohnern gehören zwischen 80 und 85 Prozent den Hutu an, zwischen 10 und 14 Prozent sind Tutsi und zirka ein Prozent Twa. Mit mehr als 300 Einwohnern pro Quadratkilometer gehört Ruanda zu den am dichtesten besiedelten Ländern Afrikas.

Erst Deutschland und später Belgien waren Kolonialmächte in Ruanda. Sie förderten vor allem die Tutsi als vermeintlich herrschende Schicht und heizten damit nach Experten-Meinung den Konflikt zwischen den Gruppen an. Die Bezeichnungen Hutu und Tutsi unterscheiden nicht Völker, sondern soziale Gruppen von Viehzüchtern und Bauern. Beide sprechen die gleiche Sprache: Kinyarwanda.

Ausbruch der Gewalt

1959 kam es zu Massakern der Hutu-Mehrheit an den Tutsi, die zu einer Massenflucht von Tausenden von Tutsi nach Uganda führten. 1962 erlangte das Land seine Unabhängigkeit unter einem Hutu-Präsidenten. In der Folge setzten sich Massaker und Spannungen fort.

1990 begann der Bürgerkrieg, als die von Tutsi-Exilanten geführte "Ruandische Patriotische Front" (RPF) von Uganda aus angriff. Nach dem Scheitern mehrerer Waffenstillstandsabkommen kam es 1993 zum Friedensvertrag von Arusha. Am 6. April 1994 wurde das Flugzeug von Präsident Juvenal Habyarimana im Anflug auf Kigali abgeschossen. Bei den anschließenden Massakern wurden mindestens eine halbe bis eine Million Tutsi und moderate Hutu ermordet.

Der Sieg der RPF-Rebellen beendete den Völkermord im Juli 1994. Ihr Anführer Paul Kagame wurde erst Vizepräsident und dann Präsident des Landes. Bei den Wahlen 2003 erhielt er 95 Prozent der Stimmen. Trotz eines Wirtschaftsaufschwungs gehört Ruanda zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt rund 220 US-Dollar jährlich, die Lebenserwartung liegt bei rund 40 Jahren. Im "Land der Tausend Hügel" leben die meisten Menschen von der Landwirtschaft. Hauptanbauprodukte sind Kochbananen, Süßkartoffeln und Maniok, exportiert werden Kaffee und Tee. (epd/ert)

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