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Politik

Vom Außenseiter zum Terroristen – der Fall Breininger

Der Fall Eric Breininger verdeutlicht, dass eine neue, anders motivierte Generation von Terroristen heranwächst. Zunächst war der islamistische Terror weit weg. Jetzt ist er mitten unter uns.

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Innerhalb eines Jahres wurde er zum radikalen Islamisten: Eric Breininger

Eric Breininger ist das Gesicht einer Generation von Terroristen, die den Dschihad, den "heiligen Krieg", in den Westen tragen will. Er wandelte sich binnen eines Jahres vom deutschen Kleinstadt-Schüler zum international gesuchten Terroristen.

Eric ist der Typ Mitläufer. Etwas dicklich, immer voll im Trend gekleidet kämpft er in seinem beschaulichen Leben in Neunkirchen im Saarland Tag für Tag um Anerkennung. Er möchte dabei sein, nicht als Außenseiter gehänselt werden. Seine Eltern lassen sich scheiden. Eric lebt mit seiner Schwester bei seiner Mutter. In der Schule ist er nur mäßig erfolgreich. In seiner Freizeit spielt er Fußball, raucht Haschisch, trinkt Alkohol, prügelt sich öfter und hat Ärger mit der Polizei.

Keine Sonnenbank, kein Schweineschnitzel

Im Dezember 2006 beginnt der heute 21-jährige Eric, neben der Handelsschule als Paketzusteller zu arbeiten. Ein Nebenjob mit verheerenden Folgen. Er lernt einen Pakistaner kennen, der ihm von der extremen Auslegung des Korans vorschwärmt. Der Wendepunkt in Erics Leben.

Er wirft das Kreuz, das er um den Hals trägt, weg, verbrennt CDs und T-Shirts im Garten, geht nicht mehr ins Fitnessstudio, nicht mehr unter die Sonnenbank, hört auf Fußball zu spielen. Für ihn zählt nur noch eines: der radikale Islamismus. Nicht einmal ein Jahr vergeht, schon konvertiert Eric zum Islam.

Im Kreis seiner Glaubensbrüder, mit denen er gemeinsam in einer Moschee in Neunkirchen betet, findet er das, wonach er gesucht hat – Anerkennung, Respekt und die Überzeugung etwas Besseres zu sein, einer Gruppe anzugehören die die Wahrheit kennt.

Zimmereinrichtung bei Ebay verkauft

Ausschnitt Fahndungsplakat Eric Breininger

Bekannt durch Fahndungsplakate: Eric Breininger

Eric lernt Arabisch, nennt sich Abdul Ghaffar el Almani, meidet alte Freunde, stylt sich nicht mehr, hört mit dem Rauchen und Trinken auf, isst kein Schweinefleisch mehr. Er heiratet in der Moschee, getraut von einem Imam, eine junge deutsche Frau, die sich fortan nur noch verschleiert zeigt. Die Beziehung hält nicht lange: "Er wollte, dass ich koche, putze und irgendwann Kinder bekomme. Er hat auch gesagt, er sucht sich noch eine andere Frau", sagte seine Angetraute nachdem sie ihn verlassen hatte.

Im Juni 2007 bricht Eric die Schule ab, verkauft seine Zimmereinrichtung bei Ebay. Zwei Monate später verlässt er Deutschland in Richtung Ägypten. Später geht’s dann weiter nach Pakistan. Zuhause bauen einige seiner Glaubensbrüder, die sogenannte Sauerland-Gruppe, Autobomben und fliegen auf. Die Polizei greift zu. Eric ist da längst weg.

Im März 2008 schreibt er seiner Schwester, dass er für Allah in Afghanistan kämpfen möchte. Das BKA wird aufmerksam, lässt Fahndungsfotos von Breininger für die Einheiten in Afghanistan drucken. Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass Breininger in Pakistan in einem Ausbildungslager für Terroristen war.

"Plane keinen Anschlag auf Deutschland"

Screenshot Videobotschaft Eric Breininger

Screenshot Breiningers aus einer im Internet verbreiteten Videobotschaft

"Ich befinde mich in Afghanistan und plane persönlich keinen Anschlag auf die Bundesrepublik Deutschland. Wenn man die Berichte in der deutschen Presse verfolgt, erkennt man schnell, dass das deutsche Volk von der Politik, geblendet wird," heißt es in der neusten Video-Botschaft des Gesuchten.

Für Entspannung sorgt diese kaum: Terrorismusexperten sind sich sicher: Eric Breininger soll sich in die Luft sprengen. Auf islamistischen Webseiten hat er mit Kalaschnikow und Turban verkündet: "So Allah will, wird er mich als Dschihadi zu sich nehmen". Der Junge sei brandgefährlich, so ein hochrangiger Sicherheitsbeamter.

Terrorexperten sind sich einig: Breininger hätte genauso Neonazi werden können. Ihm geht es um die Anerkennung, die Aufmerksamkeit, die Sache ist zweitrangig. Er ist nur zufällig Terrorist geworden. Für die Dschihadisten ist er "der nützliche Idiot", wie ein Sicherheitsbeamter sagt. Der "Diener des Allvergebenden", nichts anderes bedeutet auch sein Name Abdul Ghaffar el Almani.

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