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Wirtschaft

Volvo wird chinesisch

Der schwedische Autohersteller Volvo geht in chinesische Hände über. Der US-Konzern Ford will die Traditionsmarke an den Autobauer Geely verkaufen. Die schwedische Tochter hatte zuletzt rote Zahlen geschrieben.

Logo der Marke Volvo (Foto: AP)

Volvo soll an den chinesischen Autobauer Geely verkauft werden

Nach den Übernahmeverhandlungen sei die Einigung "in allen wesentlichen Punkten" zustande gekommen, erklärten sowohl der Volvo-Mutterkonzern Ford in Detroit als auch ein Geely-Sprecher in Peking am Mittwoch (23.12.2009). Der Vertrag solle im ersten Quartal 2010 unterschrieben und der Deal im zweiten Quartal abgeschlossen werden. Offene Fragen bleiben im Hinblick auf die Finanzierung, auch die Genehmigungen der Kartellbehörden stehen noch aus.

Über den Kaufpreis machten die Konzerne bisher keine Angaben. Verhandlungskreise und Analysten nannten Summen zwischen 1,8 bis 2,3 Milliarden Dollar. Das wäre nur noch ein Drittel des Preises von 6,45 Milliarden Dollar, den Ford vor zehn Jahren für die Pkw-Sparte von Volvo bezahlt hat.

Ford behält keine Aktienanteile an Volvo

Ford will sich vollständig aus der Tochter Volvo zurückziehen und erklärte, mit dem Verkauf könne Volvo seine Ressourcen bündeln. Geely betonte, nach der Übernahme könne Volvo seine Wettbewerbsposition auf dem chinesischen Markt schnell ausbauen. Außerdem versicherte der chinesische Autobauer, dass "die weltberühmte Marke Volvo weiter bei Sicherheit und Umweltschutz an der Weltspitze der Autotechnik bleiben soll."

Der Geely Panda bei einer Automobilausstellung in China (Foto: dpa)

Geely ist in China das größte Privatunternehmen der Autobranche

Streitfragen bei den Verhandlungen waren bis zuletzt vor allem Patente und die Übertragung technologischer Konzepte. Sicherheitstechnik und andere Volvo-Entwicklungen finden sich inzwischen auch in Autos der Marke Ford. Deshalb nehmen Beobachter an, dass es in dem Vertrag auch Klauseln zum Umgang mit Urheberrechten und Patenten gibt. Ford erklärte, das Unternehmen werde auch nach dem Verkauf "auf verschiedenen Gebieten mit Volvo zusammenarbeiten."

Volvo trotz Absatzeinbrüchen überlebensfähig

Volvo agierte zuletzt mit hohen Verlusten. Trotz massiver Absatzeinbrüche wurde das Unternehmen jedoch immer als überlebens- und verkaufsfähig eingestuft. 2008 produzierte Volvo mit 20.000 Beschäftigten knapp 375.000 Wagen.

Ford hatte seine schwedische Tochter kurz nach dem Beginn der Finanzkrise zum Verkauf angeboten. Im Gegensatz zur Saab- und Opel-Mutter General Motors sowie zum anderen heimischen Rivalen Chrysler hatte Ford die Krise ohne staatliche Hilfe überstanden und will bis 2012 wieder Gewinne machen.

Ein Ford-Mitarbeiter vor dem Logo des US-Konzerns(Foto: AP)

Ford will bis 2012 zurück in die Gewinnzone

Der US-Konzern hatte bereits im Oktober Geely als besten Kaufinteressenten für Volvo bewertet. Geely fertigte nach seiner Gründung im Jahr 1986 zunächst Ersatzteile für Kühlschränke an. Das in der Provinz Zhejiang beheimatete Unternehmen baut nach eigenen Angaben erst seit 1997 Autos. Inzwischen hat Geely 12.000 Mitarbeiter und ist zum größten Privatunternehmen der Branche in China avanciert.

Geely ist seit langem auf der Suche nach moderner Technik, um seine Modellpalette aufzurüsten und stärker in den internationalen Wettbewerb einzugreifen. Technologisch klafft noch eine erhebliche Kluft zwischen den Autobauern der Volksrepublik und ihren ausländischen Konkurrenten.

Gewerkschaften sahen Übernahme durch Geely skeptisch

Die schwedischen Gewerkschaften begleiteten die monatelangen Übernahmeverhandlungen zunächst eher skeptisch. Geely habe keinerlei Erfahrung mit der Produktion hochmoderner Autos mit komplexer Technik, hieß es oft. Außerdem befürchteten die Gewerkschaften, die Produktion werde aus Europa nach China verlagert.

Ein Pluspunkt für Geely war hingegen der unmittelbare Zugang zu den großen Wachstumsmärkten in Asien. China ist nach dem drastischen Einbruch in den USA dieses Jahr der größte Automarkt weltweit geworden und dürfte diese Führungsposition im kommenden Jahr weiter ausbauen.

Der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt begrüßte den angestrebten Verkauf. Er hoffe, dass Geely ein starker und langfristiger Partner werde und dass es möglich sei, einen Großteil der Produktion in Schweden zu halten.

Volvos Konkurrent Saab blickt in ungewisse Zukunft

Beim kleineren schwedischen Volvo-Konkurrenten Saab fürchten dagegen 3400 Beschäftigte weiterhin um die Existenz ihres Arbeitgebers. Der US-Mutterkonzern General Motors (GM) hatte Saab Mitte Dezember teilweise an den chinesischen Konzern BAIC verkauft. GM verhandelt derzeit noch mit dem niederländischen Sportwagenbauer Spyker, ansonsten will es die Reste von Saab stilllegen.

Autorin: Brigitta Moll (ap, afp, dpa, rtr)

Redaktion: Oliver Samson