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Ausbildung

Volontariat: Das Neue ist (auch) das Alte

Ein Gespräch mit Ramón García-Ziemsen, Leiter des DW-Volontariats, über Möglichkeiten und Unmöglichkeiten journalistischer Ausbildung.

Ramón García-Ziemsen, Leiter Journalistische Ausbildung DW Akademie

Unter Leitung von Ramón García-Ziemsen wurde das DW-Volontariat 2015 neu aufgelegt - mit starkem Fokus auf Bilingualität

Alle bilden mittlerweile crossmedial aus, Sender, Zeitungen, Online-Plattformen sowieso. Kann die DW da etwas anders machen?
Ramón García-Ziemsen: Alles!
Nein, natürlich nicht. Viele journalistische Ausbilder sind auf der Suche nach der richtigen Mischung aus der Vermittlung von Handwerk und neuen online-basierten Erzählformen, von Social Media, aber auch Themen wie Drohnenjournalismus, Virtual Reality oder Constructive Journalism …

Das klingt nach viel, vielleicht zu viel?
Am Anfang ist immer noch das Wort. Dazu muss man das Handwerk können: Vom Nachrichtenschreiben über Recherche, die Five-Shot-Rule bis zur Live-Schalte im Fernsehen. Das ist das Erste. Und dann geht es um die Lust auf Inhalte, politisch zu denken, Betroffenheit zuzulassen und auch darum, verändern zu wollen, Menschen zu helfen, bessere Entscheidungen für ihr Leben zu treffen. Das ist natürlich bei der DW ein besonders wichtiger Aspekt. Anders gesagt: Wer nichts zu erzählen hat, braucht auch nichts zu verpacken. Ehrlich: Mir ist der Umweltaktivist mit journalistischem Talent lieber als derjenige, der 20 Praktika absolviert hat, um dann "irgendwas mit Medien" zu machen. Journalistische Ausbildung ist Haltungsarbeit.

Das wirkt aber nicht gerade modern.
"Man hatte plötzlich die Möglichkeit, alles zu sagen, aber man hatte nichts zu sagen." Das hat Bertolt Brecht geschrieben - in seiner Radiotheorie in den 30ern. Ich überspitze das jetzt mal: Der Journalismus der Zukunft ist der Journalismus der Vergangenheit. Der erfolgreichste Retweet der Geschichte ist übrigens die über Jahrhunderte von Hand abgeschriebene Bibel …

Kenia Mediendialog 2015

Internationale Projekte wie dieser Austausch mit kenianischen Journalisten in Nairobi und Bonn gehören auch zum Ausbildungsprogramm der DW-Volontäre

Sehr verbreitet ist heute bei den vielen, vielen Anbietern von journalistischen Inhalten das "Journalism as Businesss"-Modell.
Ein guter Punkt: Ideen auf der einen Seite und diese im journalistischen Kontext anwendbar machen auf der anderen. Anwendbar machen heißt konsequent vom Nutzer aus denken. Aber das kann man und muss man auch lernen. Design Thinking ist ein Stichwort. Wenn unsere Volontäre später einmal als Freie arbeiten, müssen sie Ideen verkaufen können. Aber auch als feste Mitarbeiter innerhalb der Deutschen Welle müssen sie ihre Chefs überzeugen lernen, etwas anders, etwas besser zu machen. Business nach innen, sozusagen.

Was ist dafür wichtig?
Social Media zum Beispiel. Aber natürlich nicht nur. Bestimmte Themen laufen bei uns immer mit - Digital Literacy etwa kann man nicht einmalig in einem Seminar abhandeln.
Die Methode ist deduktiv: Ich will über etwas berichten, etwas erzählen, was vielleicht schon tausendmal erzählt wurde und oft von anderen Anbietern besser gemacht wird. In dem Moment stellt sich die Frage, wie mir gelingen kann, es anders zu machen. Und plötzlich ist man bei Instagram, Snapchat, Vine und Co. Es hilft auch, Suchmaschinenoptimierung (SEO) zu verstehen oder wie man User Generated Content (UGC) verifiziert. Oder vielleicht auch dabei jemanden im Netz zu finden, der es besser tun kann als ich. Do what you can do best - link to the rest. Das muss auch ein Mantra der DW sein.

Welche Mantras habt ihr denn in der Ausbildung sonst noch? Zum Trainerteam gehören auch ein Poetry-Slammer und ein Schauspieler.
Wichtig ist für mich vor allem, Möglichkeiten zu schaffen, den Referenzrahmen Journalismus zu verlassen. Erfahrungen außerhalb des Berufsfeldes möglich zu machen. Es geht auch um Irritation, darum, Dinge aufzubrechen. Eine Volontärin hat kürzlich in etwa gesagt, sie fühle sich wie in ihre Einzelteile zerlegt und jetzt müsse sie sich wieder neu zusammenbauen. Das Bild hat mir sehr gefallen. Während einer beruflichen Ausbildung gibt es selten die Möglichkeiten dafür.
Wenn wir die Welt verändern wollen, dann kann es helfen, das auch mit sich selbst zu tun. Dafür braucht es tolle Trainer, die auch begleiten wollen und nicht nur ihr Wissen abwerfen und dann Tschüss sagen. Es ist gut, dass wir diese Leute bei uns haben.

Wie sieht Ihr Lieblingsvolontär aus?
Den gibt es natürlich nicht - derzeit habe ich zwölf, also alle aus dem Jahrgang. Alle mit verschiedenen Ideen, Talenten und Temperamenten. Alle mit Persönlichkeit ausgestattet, kritisch sich selbst und der Welt gegenüber. Das gefällt mir. Mir gefällt auch, dass sie ihre Ausbildung mitgestalten und offen sind für die experimentellen Momente ihrer 18 Monate bei uns.

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