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Europa

Vollzeitmütter

Claire und Mandy wollten eigentlich nach der Geburt ihrer Kinder wieder arbeiten. Mit Tagesmüttern wollten sie Familie und Beruf vereinen. Jetzt sind sie Vollzeitmütter - aufgrund der Kosten und des "Mutterinstinkts".

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Enge Bande: eine Mutter mit ihrem Kind

Es ist Abendbrotzeit im Hause Steele in London. Die Nähmaschine, mit der Mutter Claire ein historisches Kostüm für ihre Tochter Jennifer näht, steht auf dem Boden. Daneben liegen Buntstifte, mit denen der siebenjährige Matthew eine Rakete gemalt hat, und Peter hat seine Trompete auch noch nicht weggeräumt. Inmitten dieses häuslichen Chaos serviert Mutter Claire Spaghetti mit Tomatensoße.

Claire isst abends allein mit den Kindern. Vater David, Software-Spezialist in einem Ölkonzern, ist fast nie vor acht Uhr zu Hause. Vor der Geburt ihrer Kinder gehörte auch Claire zu dem Heer jener hochqualifizierten und hochbezahlten Arbeitnehmer in der Londoner City. Sie arbeitete als Systemanalytikerin für eine Reihe von Blue Chip-Firmen.

Phänomen "Mutterinstinkt"

Deutschland Symbolbild Kindergeld

Geld ausgeben oder selbst versorgen: viele können sich Betreuung nicht leisten

Eigentlich wollte sie nach der Geburt ihres ersten Kindes weiterarbeiten. Mit dem Phänomen "Mutterinstinkt" hatte sie allerdings nicht gerechnet. "Dieses Kind ist ein Teil von mir und kein Paket, das man herumreicht", sagt Claire. Die Erziehung sei ihr zu wichtig, um sie Tagesmüttern oder Kindertagesstätten zu überlassen. Bei der Vorstellung, jeden Morgen drei Kinder für den Tag vorzubereiten und dann selbst zehn Stunden zu arbeiten, fiel ihr die Entscheidung nicht schwer.

Auch die Steuerberaterin Mandy French bleibt mit ihren zwei Kindern zuhause. Selbst als Doppelverdiener wäre es Mandy und ihrem Mann schwer gefallen, die Kosten für die Betreuung von zwei Kindern zu bezahlen. Also blieb Mandy zuhause, bis ihre jüngste Tochter in die Schule ging. Jetzt arbeitet sie zehn Stunden in der Woche in der Schule ihrer Kinder - und ist ärmer, aber glücklicher. Ihr Mann ist Software-Spezialist und arbeitet zum Teil in zwei Jobs, um die Familie über die Runden zu bringen.

Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Symbolbild Frau und Beruf

Mit Kind im Beruf: der Wiedereinstieg sei durchaus möglich

Claire und Mandy können sich die Mutterrolle leisten. Sie gehören zur gehobenen Mittelklasse, sind überdurchschnittlich gut gebildet und können sich für ihre Familie einschränken, auch finanziell. Beide Frauen können sich aber vorstellen, einmal wieder zu arbeiten.

Der Einstieg wäre nicht schwerer als bei anderen Frauen mit den nötigen Fähigkeiten und Qualifikationen, sagt Julie Paddon, Leiterin einer Zweigstelle des Rekrutierungsunternehmens "Manpower" in London. Niemand dürfe aufgrund seines Geschlechts, Alters oder etwa der Existenz von Kindern benachteiligt werden. Aber die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt sei groß, erklärt Paddon. Sie rät Müttern, die einen Job suchen, ihr berufliches Know-How auf den neusten Stand zu bringen, um sich besser vermarkten zu können. Die Chancen seien da und die Arbeitgeber flexibler denn je.

Autorin: Rita Stade
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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