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Wirtschaft

Vollkasko-Versicherung für die WM

Nicht nur die Zuschauer und die Spieler sind bei der WM versichert. Der WM-Versicherer muss auch viele Risiken abdecken, an die kein Fußballfan einen Gedanken verschwenden würde.

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Versichert: WM-Stadien in Deutschland

Pokale, soweit das Auge reicht. Silbrig schimmernd oder in prunkvollem Gold, mannshoch oder in Miniatur. Wenn man in der Eingangshalle der Hamburg-Mannheimer Versicherung steht, glaubt man sich in einem Museum für Trophäen. Dabei will man hier in der Unternehmenszentrale im Hamburger Norden nur zeigen, wie erfolgreich die eigenen Betriebssportmannschaften sind. Mitten in all dem Glanz lächelt den Betrachter ein vertrautes Gesicht an: Es ist Herr Kaiser, Deutschlands bekanntester Versicherungsvertreter – zu sehen in unzähligen TV-Werbespots. Hier gibt es ihn allerdings nur aus Pappmaché. Aus Fleisch und Blut dagegen ist Sebastian Conrad, als Projektkoordinator zuständig für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Schon früher hat die Versicherung Sportereignisse abgesichert. Doch diesmal ist vieles anders, sagt Conrad: "Man kann das nicht mehr vergleichen, weil sich die Risiken total verlagert haben. Wir reden heute über irgendwelche Drehbanden, die ausfallen können, über irgendwelche Satelliten, die vom Himmel stürzen könnten. Dann gibt es auf der ganzen Welt schwarze Bildschirme und Coca Cola hat keine Werbefläche. Wir müssten zahlen."

Euro2004 Portugal gegen Griechenland

Jedes Körperteil einzeln versichert: Luis Figo (links)

Spieler werden in ihre Einzelteile zerlegt

Mit 25.000 Mitarbeitern und 4,2 Milliarden Euro Gesamtumsatz ist die Hamburg-Mannheimer für die FIFA stark genug, um mit einer dreistelligen Millionensumme für Schäden geradezustehen. Ein anderer Grund für den Zuschlag: Die Versicherung hat Erfahrung mit dem Sport. Die UEFA ließ bei ihr die Champions League absichern, Bundesligisten haben hier ihre Spieler versichert und auch die Profis selbst haben oft Policen beim WM-Versicherer, erzählt Conrad: "Man versichert eben nicht den Spieler an sich, sondern man versichert zum Teil die Beine von Figo, die Arme von Figo oder den Körper. Spieler werden da auseinander genommen wie Fischer-Technik."

Der Pokal der Fussball-Weltmeisterschaft 2006, WM-Logo

Auch der Pokal ist versichert

Auch der Pokal ist gefährdet

Bei der Weltmeisterschaft werden aber nicht nur die Spieler und Funktionäre versichert sein, sondern auch die Zuschauer. Jede Eintrittskarte beinhaltet eine Rechtsschutz- und eine Unfallversicherung. "Es gibt ja immer irgendwelche Risiken, die man überhaupt nicht vorhersehen kann", sagt Conrad. "Jemand fällt die Treppe herunter und man stellt fest: Es liegt an der Treppe und nicht daran, dass er nicht mehr stehen kann - da muss dann ein Versicherungsschutz gewährleistet sein." Bis ins kleinste Detail wurde mit der FIFA verhandelt. Conrad weiß, dass bei einem WM-Turnier viele unvorhersehbare Ereignisse eintreten können. Was passiert zum Beispiel, wenn nach dem Finale das Objekt der Begierde plötzlich nicht da ist? Sebastian Conrad sieht die Hamburg-Mannheimer Versicherung auf fast alles vorbereitet: "Auch der Pokal ist abgesichert, und das aus gutem Grund: Der ursprüngliche Pokal ist geklaut worden. Da hat die FIFA dazugelernt."

Terror ist unkalkulierbar

Die größten Risiken sind aber zweifellos unvorhersehbare Katastrophen wie ein Flugzeugabsturz über einem Stadion oder ein Abbruch der WM. Allein die Ausfall-Deckungssumme beträgt 158 Millionen Euro. In einem Fall aber will auch die Hamburg-Mannheimer kein Risiko eingehen: "Für das Risiko eines Terroranschlags hat die FIFA eigene Risikoanleihen geschaffen. Terror sichert die Versicherungswirtschaft nach dem 11. September weltweit gar nicht mehr ab. Für die WM hat die FIFA so genannte Cat-Bounds angelegt. Das sind Anleihen, die man sich so ähnlich wie Fonds vorstellen muss und die in der freien Wirtschaft platziert sind."

Zuschauer beim Streetfootball

Schutz vor Unfällen: WM-Zuschauer

Auch des "Kaisers" Laptop ist versichert

Vorerst beschäftigt sich der Versicherer aber mit Positiverem. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft laufen Aktionen wie ein großes Fußballturnier, das auch die Werbebotschaft der Hamburg-Mannheimer Versicherung transportieren soll.

Die Wochen der Wahrheit beginnen für Conrad und die Hamburg-Mannheimer erst mit dem Anpfiff des WM-Eröffnungsspiels am 9. Juni in München. Conrad und seine Kollegen werden rund um die Uhr beschäftigt sein, denn egal ob Ronaldinho sich über Schäden im Hotel beschweren würde, Franz Beckenbauer sein Laptop verlöre oder ein braver Rentner in eine Schlägerei verwickelt werden sollte: der WM-Versicherer muss präsent sein. Doch vielleicht kommt ja während des Turniers auch für Conrad unverhofft eine ruhige Minute: "Fußball ist für mich eine Herzensangelegenheit. Wenn ich neben der Arbeit auch ein WM-Spiel sehen kann, dann wär’s die Krönung!"

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